Unzivilisiert

Originaltitel: Uncivilized
Übersetzer: Sandra Martin

Erschienen: 06/2023

Genre: Contemporary Romance
Zusätzlich: Dominanz & Unterwerfung

Location: USA, Amazonas


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-626-3
ebook: 978-3-86495-627-0

Preis:
Print: 16,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Unzivilisiert


Inhaltsangabe

Wilder Mann, Einzelgänger, Krieger. In meinem Innersten bin ich gefährlich. Ich habe in der ungezähmten Wildnis des Regenwaldes gelebt, in einer Gesellschaft, die mich verehrt und in der sich jede Frau vor mir unterwirft.

Jetzt bin ich aufgestöbert worden und bin gezwungen, in eine Welt zurückzukehren, die ich vergessen habe, und in eine Kultur, die mir nur vage vertraut ist.

Dr. Moira Reed ist eine Anthropologin, die beauftragt wurde, mir bei der Rückkehr in die moderne Gesellschaft zu helfen. Ihre Aufgabe ist es, meine Ecken und Kanten zu glätten - mir beizubringen, wie ich mich in meinem neuen Leben zurechtfinde. Sie will mich zähmen.

Sie wird niemals gewinnen.

Ich bin wild, frei und roh, und das einzige, was ich von der schönen Moira Reed will, ist ihre Unterwerfung.

Sie will es auch, da bin ich mir sicher.

Ich werde es ihr bald geben.

Ja, sehr bald werde ich der Lehrer und sie wird meine Schülerin sein. Und wenn ich damit fertig bin, ihrem Körper Vergnügen wie kein anderer zu bereiten, wird sie wissen, wie es sich anfühlt, von einem unzivilisierten Mann unterworfen zu werden.

Über die Autorin

Seit ihrem Debütroman im Jahr 2013 hat Sawyer Bennett zahlreiche Bücher von New Adult bis Erotic Romance veröffentlicht und es wiederholt auf die Bestsellerlisten der New York Times und USA Today geschafft.
Sawyer nutzt ihre Erfahrungen als ehemalige Strafverteidigerin in...

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Leseprobe

Wir bahnten uns einen Weg durch den Dschungel. Unserer Führer Ramon ging voran, während ich ihm mit Pater Gaul folgte. Nachdem wir auf einer kleinen Landebahn am Südufer des Amazonas, westlich der kolumbianisch-brasilianischen Grenze, gelandet waren, machten wir uns auf den Weg zu einem Fluss namens Jutai, an dem Pater Gaul von einem Händler ein altes Einbaum-Kanu kaufte. Wir fuhren damit in Richtung Süden, wobei wir mehrmals anlegen mussten, um unpassierbare Stromschnellen zu Fuß zu umgehen. Wir waren zwei Tage auf dem Fluss unterwegs, bis Ramon verkündete, dass es Zeit war, unsere Reise an Land fortzusetzen.
In meinen Rucksack hatte...

...ich sämtliche notwendige Utensilien gepackt, die ich bis zur Ankunft im Dorf der Caraica brauchen würde. Da dies meine dritte Reise in den Regenwald war, hatte ich wenig gepackt und nur das Wichtigste dabei: Chlortabletten für meine Wasserflasche, ein Messer, eine leichte, tragbare Hängematte, Kleidung zum Wechseln für mich, etwas zum Anziehen für Zach, was ich mit Hilfe von Pater Gaul, der seine Größe geschätzt hatte, gekauft hatte, und einige militärische Trockenrationen, die ich in Brasilia erworben hatte, bevor wir mit der Cessna nach Norden geflogen waren.
Ramon war ein einheimischer Missionar und Begleiter von Pater Gaul. Er leitete unsere kleine Expedition und hackte eine Schneise durch die dichte Vegetation, die sofort nachzuwachsen schien und dunkle Schatten warf.
Irgendwann deutete Ramon geradeaus und sagte etwas auf Portugiesisch, woraufhin Pater Gaul die Worte für mich übersetzte. „Seht ihr das Licht da vorne? Das ist das Dorf der Caraica.“
Ich spähte an Ramon vorbei und sah, dass der Dschungel vor uns tatsächlich lichter zu werden schien. Wir gingen weiter und betraten eine über einen Hektar große Lichtung, auf der mehrere Langhäuser standen. Sie waren aus langen Bambussäulen errichtet worden, die als Stützen dienten, während auf den Querbalken schräge Dächer aus geflochtenen Palmblättern ruhten. Wie bei den meisten Stammesbehausungen üblich, hatten auch diese keine Wände und waren direkt auf die Erde gebaut.
Ein halber Hektar bebautes Ackerland grenzte an die Westseite der Lichtung. Von einem Freund eines Freundes eines Kollegen, der vor mehreren Jahren eine Weile bei dem Stamm der Caraica gelebt hatte, wusste ich einiges über die Ureinwohner. Er erzählte mir, dass sie eine Reihe von Grundnahrungsmitteln anbauten, die neben dem Fleisch, das die Männer jagten, für eine ausgewogene Ernährung sorgten. Sie kultivierten Bananen, Maniok, Mangos, Zuckerrohr, Mais und Süßkartoffeln. Mir fiel eine Frau auf, die mit einem großen Korb voller Mais auf dem Rücken von den Feldern in Richtung der Häuser ging. Der geflochtene Behälter war zudem mit einem Riemen aus Palmwedeln an ihrer Stirn befestigt, um einen Teil der Last zu stützen.
Pater Gaul übernahm die Führung, als wir ins Dorf gingen. Ich sah mehrere Frauen in den verschiedenen Langhäusern, die Maniokbrot auf heißen Lehmplatten über einem Feuer zubereiteten. Andere stillten ihre Babys, während wieder andere in ihren Hängematten lagen. Sie beobachteten uns neugierig, aber sie machten keine Anstalten, unsere Gruppe zu begrüßen. Alle Frauen waren nackt, doch das hatte ich erwartet. Dieser Stamm unterhielt zwar einige kleinere Handelsbeziehungen mit Missionaren und anderen Stämmen, doch er war noch nicht so weit fortgeschritten, dass die Einwohner sich bekleideten. Die Männer verzichteten sogar auf so einfache Dinge wie einen Lendenschurz.
Ich folgte Pater Gaul zu einem Langhaus, neben dem seltsamerweise eine kleinere Hütte von etwa einem Viertel der Größe stand. Er trat ein und begrüßte einen alten Mann, der in seiner Hängematte lag, eine alte Frau, die vermutlich seine Ehefrau war, schürte gerade ein Feuer, über dem sie Maniokmehl auf einer Tonplatte verteilte.
Pater Gaul sagte etwas auf Portugiesisch zu dem Mann und klopfte ihm auf die Schulter. Der Mann schenkte ihm ein zahnloses Lächeln und strahlte ihn aus seinem faltigen Gesicht an. Pater Gaul zeigte auf mich und stellte mich mit einem Schwall Worte vor, die ich allesamt nicht verstand.
Der alte Mann winkte mich zu sich und ich trat näher.
„Moira … das ist Paraila … Zachs Adoptivvater“, erklärte Pater Gaul, der sich wieder Paraila zuwandte und etwas auf Portugiesisch sagte. Viele Stämme hatten die Sprache aus Notwendigkeit während des letzten Jahrhunderts übernommen, um sich mit den Eindringlingen zu verständigen, die sich in der Wildnis des Amazonas ausgebreitet hatten. Paraila sah mich an und schenkte mir ein zaghaftes, einladendes Lächeln, wobei er mir die Hand reichte. Als ich sie ergriff, sagte er etwas zu mir, was ich wieder nicht verstand. Als er fertig war, drückte er meine Hand und Pater Gaul übersetzte die Worte: „Er heißt Sie hier im Dorf willkommen. Er hofft, dass Sie sich eine Weile ausruhen werden, denn sobald die Männer von der Jagd zurückkommen, werden sie zu unserer Begrüßung ein großes Fest feiern. Darüber hinaus hofft er, dass Sie sich gut um seinen Adoptivsohn kümmern werden, doch er hat den Eindruck, dass Sie eine gute und starke Frau sind und kein Problem mit Zach haben werden.“
Ich schenkte Paraila ein breites Lächeln und sagte: „Pater Gaul … erklären Sie ihm, dass ich mich geehrt fühle, hier zu sein, und dass ich mich sehr gut um Zach kümmern werde.“
Paraila lächelte mich noch einmal an, dann unterhielt er sich weiter mit Pater Gaul, während ich meinen Blick durch das Dorf schweifen ließ. Ein paar magere Hunde liefen umher und im nächstgelegenen Langhaus erblickte ich einen winzigen schwarzen Affen, der mit einem Palmstrick um den Hals an einen Holzpflock im Boden gebunden war, während eines der Kinder ihn mit Kochbananen fütterte. Interessanterweise schien er eine Art Haustier zu sein, was mich verwunderte, da Affen meines Wissens zu den Grundnahrungsmitteln dieses Stammes gehörten.
Pater Gaul legte mir die Hand auf die Schulter und sagte: „Kommen Sie. Lassen Sie uns Ihre Hängematte anbringen, und ich zeige Ihnen, wo das Wasser ist, damit Sie sich frisch machen können. Dann können Sie ein Nickerchen machen. Das Fest findet erst in ein paar Stunden statt, und es wird bis spät in die Nacht dauern.“
Ich nickte und folgte Pater Gaul aus Parailas Haus. Ich konnte es kaum erwarten, Zach zu begegnen, sobald er ins Dorf zurückkam.

***

Das Fest war in vollem Gange, doch Zach war bisher noch nicht von der Jagd zurückgekehrt. Nachdem ich eine Weile geschlafen hatte, hatte mir Pater Gaul erzählt, dass Paraila sich Sorgen um ihn machte. Ich erfuhr, dass Zach die Nachricht von unserer Ankunft nicht gut aufgenommen hatte und strikt dagegen war, uns zu begleiten. Offenbar hatten er und Paraila sich tagelang deshalb gestritten, wobei immer noch nicht sicher war, ob Zach mit uns zurück in die Vereinigten Staaten reisen würde.
Nur wenige Meter von den Hütten entfernt war auf offener Fläche ein großes Feuer entzündet worden, über dem verschiedene Sorten Fleisch brieten. Vor etwa einer Stunde war der zweiundzwanzig Mann starke Jagdtrupp zurückgekehrt, doch Zach war nicht dabei gewesen. Als ich Paraila mit Hilfe von Pater Gaul nach seinem Verbleib fragte, antwortete er: „Zacharias verfolgt gerade einen Tapir und ist deshalb nicht mit den anderen zurückgekehrt. Er wird bald noch mehr Fleisch bringen.“
Ich kostete etwas von dem Essen, welches mir in einem übergroßen Bananenblatt serviert wurde. Den Jägern war es gelungen, einen Kaiman und mehrere Klammeraffen zu erlegen, und waren von den Frauen jubelnd begrüßt worden.
Bis auf eine tulpenförmige Hülse aus geflochtenen Palmblättern über ihrer Männlichkeit, waren die Männer genauso nackt wie die Frauen. Um ihre verhüllten, unbeschnittene Penisse war das dichte Nest aus schwarzem Haar zu sehen, unter dem ihre Hoden schwer herabhingen. Auch damit hatte ich gerechnet und war nicht im Geringsten schockiert. Schließlich war ich Anthropologin, daher waren diese gesellschaftlichen Unterschiede zwischen unserer und ihrer Kultur mehr als faszinierend für mich.
Die Männer säuberten mit flinken Bewegungen ihre Beute am Rande des Dschungels, dann wurde das Fleisch über dem offenen Feuer gebraten. Sobald es fertig gegart war, wurde es von den Frauen zerkleinert und zuerst den Männern serviert. Nachdem alle Männer mit dem Essen begonnen hatten, bedienten sich die Frauen und reichten auch mir eine Mahlzeit. Außer Fleisch gab es gekochte Süßkartoffeln, Maniokbrot und aufgeschnittene Papaya.
Pater Gaul erzählte mir Geschichten aus seinem Leben mit den Caraica und verglich sie mit einigen anderen Stämmen, denen er sich ebenfalls angenommen hatte. Er kam schon seit elf Jahren immer wieder in dieses Dorf und ließ die zivilisierte Welt hinter sich, um den indianischen Stämmen im Dschungel das Wort Christi zu lehren. Es war eine glückliche Fügung des Schicksals, als sich Pater Gaul vor fünf Monaten ein Bein brach und in einem Krankenhaus in São Paulo landete. Dort besuchte ihn ein anderer Priester, der ihm die Nachricht überbrachte, dass ein wohlhabender Geschäftsmann in den Vereinigten Staaten nach seinen Freunden Jacob und Kristen Easton suchte. Sie waren vor achtzehn Jahren zusammen mit ihrem Sohn Zacharias auf mysteriöse Weise im Amazonasgebiet verschwunden.
Nachdem der Missionar besagte Familie, zu der auch ein kleiner siebenjähriger Junge gehört hatte, beschrieben hatte, war Pater Gaul sich zweifelsfrei sicher, dass der wohlhabende Amerikaner tatsächlich nach Zacharias vom Stamm der Caraica suchte. Er setzte sich sofort mit Randall Cannon, Zachs Patenonkel, in Verbindung, woraufhin alles in die Wege geleitet wurde, um ihn nach Hause zu bringen. Da ich mich als Anthropologin mit den Ureinwohnern des Amazonasgebiets beschäftigte, die sich der zivilisierten Welt angenähert hatten, hatte Herr Cannon mich beauftragt, Zach – wie er als Kind genannt worden war – nach Hause zu bringen und ihm bei der Eingewöhnung in sein neues Leben behilflich zu sein.
Ich saß am Rande des Feuers, hörte dem Priester zu und beobachtete einige Frauen, die sangen und tanzten. Offenbar war es ein Dankeslied für die bereitgestellten Gaben, doch ich war mir sicher, dass die Männer im Gegenzug sicher nicht für die Frauen singen und tanzen würden, weil diese für sie gekocht hatten. Nach wie vor wurden Frauen in derartigen Stammesgesellschaften als Menschen zweiter Klasse behandelt.
Aus den Augenwinkeln nahm ich eine Bewegung wahr, als ein Mann in den Lichtschein des lodernden Feuers trat. Mir fiel sofort auf, dass er viel größer war als die Caraica, die im Durchschnitt etwa eins fünfundsiebzig maßen. Als die schattenhafte Gestalt etwas deutlicher zu erkennen war, wurde mir klar, dass ich zum ersten Mal einen Blick auf Zacharias Easton warf.
Ich hatte nicht gewusst, was mich erwarten würde, doch auf diesen Anblick war ich nicht vorbereitet gewesen. Mit seinen eins neunzig ließ er die Caraica zwergenhaft erscheinen. Er war schlank, mit breiten Schultern, einer breiten Brust und muskulösen Armen und Beinen. Zahlreiche Narben zogen sich über seinen Körper. Sein braunes Haar reichte ihm bis zu den Schultern, und dennoch war sein Gesicht glattrasiert. Während die Körperbehaarung der Eingeborenen sich auf die Stelle zwischen ihren Schenkeln beschränkte, war Zach ein weißer Mann. Für ein derart geschmeidiges Gesicht musste er sich zweifellos rasieren. Ich fragte mich, wie er das geschafft hatte. Vielleicht mit einem scharfen Messer? Oder vielleicht mit einer Rasierklinge, die ihm ein Missionar geschenkt hatte?
Und sein Gesicht … bei dem Anblick wäre ich am liebsten in Tränen ausgebrochen, denn es war schlichtweg perfekt. Ich hätte mir denken können, dass Zach umwerfend aussah, denn ich hatte Bilder seiner Eltern gesehen, die beide äußerst attraktive Menschen waren. Seine blassblauen Augen schimmerten im Licht des Feuers, das seine hohen Wangenknochen, seine gerade Nase und den markanten Kiefer beleuchtete. Letzteren hatte er im Moment vor Wut angespannt.
Mein Blick wanderte unwillkürlich zu seiner Lendengegend, denn er war genauso nackt wie die anderen Stammesangehörigen. Sofort stach mir ein weiteres Merkmal ins Auge, das ihn von den übrigen Männern der Caraica unterschied, denn sie konnten der Pracht zwischen Zachs Beinen nicht das Wasser reichen. Im Gegensatz zu den anderen hatte er auf eine schützende Hülle um seinen Penis verzichtet, und obwohl sein beschnittener Schaft völlig schlaff war, war er dick und um einige Zentimeter länger. Im erigierten Zustand musste er gewaltig sein. Ich hatte gerade zum ersten Mal einen Blick auf den Mann geworfen, für den ich in den Dschungel gereist war, und musste beschämt feststellen, dass ich ein Pochen zwischen meinen Schenkeln verspürte. Da ich neben einem katholischen Priester saß, hob ich hastig den Blick und konzentrierte mich wieder auf Zachs Gesicht.
Ich hätte mir in meinen Träumen nicht ausmalen können, welch animalische Anziehungskraft er ausstrahlte. Er ging mit selbstbewussten Schritten auf das Feuer zu, wobei seine stolze Haltung zweifellos etwas mit der riesigen Tapirkeule zu tun hatte, die er nun direkt auf die Kohlen warf. Die anderen Männer des Stammes jubelten ihm zu, weil er soeben einen stattlichen Beitrag geleistet hatte.
Zach ging daraufhin zu Paraila und drückte ihm liebevoll die Schulter. Paraila sagte etwas zu Zach und zeigte auf Pater Gaul und mich, wobei wir auf der anderen Seite des Lagerfeuers saßen. Der Priester stand auf und ging zu Zach hinüber, um ihm auf den Rücken zu klopfen. Der junge Mann erwiderte die Geste und schenkte ihm zur Begrüßung ein warmes Lächeln. Er würdigte mich keines Blickes, sondern sagte nur noch ein paar Worte zu Pater Gaul und kniete sich dann neben Paraila auf den Boden, um sich mit ihm zu unterhalten.
Als Pater Gaul sich wieder neben mich setzte, neigte er mir den Kopf zu und flüsterte: „Ich werde später mit ihm reden. Er ist nicht gerade erfreut.“
„Das habe ich gesehen“, erwiderte ich. Ich wusste, dass es für Zach schwer sein musste, das einzige Zuhause zu verlassen, das er je wirklich gekannt hatte.
Ich aß einen weiteren Bissen Alligatorfleisch und kaute nachdenklich, während ich Zach und Paraila beobachtete. Was auch immer der alte Mann zu seinem Adoptivsohn sagte, stieß auf Widerstand, denn ich beobachtete, wie Zach den Kopf schüttelte und sein Gesicht zu einer bestürzten Miene verzog, die sich sogleich verhärtete. Er wandte sich in meine Richtung, wobei er mit dem Finger auf mich zeigte und mir einen vernichtenden Blick zuwarf. Schließlich richtete er sich auf und sagte noch etwas zu Paraila, der nur traurig den Kopf schüttelte.
Mit großem Interesse beobachtete ich, wie Zach das auf Tontellern bereitgestellte Essen stehen ließ und um das Feuer herum zu einer der singenden Frauen ging. Sie war sehr hübsch und jung, ich schätzte sie auf achtzehn oder neunzehn. Sie trug ein Stirnband aus schwarzen Geierfedern, was laut Pater Gaul bedeutete, dass sie in die Pubertät gekommen war, ihre erste Menstruation bereits hinter sich hatte, aber noch nicht verheiratet war. Dies war eine Seltenheit im Stamm, denn die meisten Frauen hatten einen Ehemann. Sobald sie liiert waren, trugen die Frauen kein Stirnband mehr, während die unschuldigen Mädchen, die noch nicht in die Pubertät gekommen waren, sich mit einem Band aus weißen, flaumigen Federn schmückten. Pater Gaul konnte mir nicht sagen, was es mit jener Frau auf sich hatte, doch soweit ich sehen konnte, war sie die Einzige mit einem schwarzen Stirnband.
Sie saß auf einem versteinerten Baumstamm und blickte mit einem strahlenden Lächeln zu Zach auf, als er auf sie zukam. Er streckte ihr seine Hand entgegen, die sie ohne zu zögern ergriff. Zach zog sie hoch, wobei ihre Brüste sanft hin und her wippten. Ich erwartete, dass die beiden sich davonschleichen würden, um sich im Stillen miteinander zu vergnügen, und ich erinnere mich, wie ich darüber nachdachte, ob sie Zachs Geliebte war.
Ich wollte mir gerade einen weiteren Bissen Fleisch in den Mund schieben und erstarrte, als Zach mich über seine Schulter hinweg ansah. Er fixierte mich mit einem bedrohlichen Blick, doch ich konnte noch etwas anderes in seinen Augen erkennen.
War das ein herausfordernder Ausdruck, den ich da sah?
Zu meiner Überraschung legte er eine Hand auf die Schulter der Frau und drückte sie zu Boden, bis sie vor ihm kniete. Wie gebannt beobachtete ich, als sein Schwanz hart wurde, während die Frau mit einem bewundernden Blick zu ihm aufsah. Im nächsten Moment hob Zach eine Hand und zeichnete mit dem Finger einen Kreis in der Luft. Sie drehte sich sofort um und beugte sich vor, bis ihre Wange den Boden berührte, wobei sie die Hände neben ihren Brüsten auf die Erde stützte.
Zach ging hinter ihr auf die Knie. Sein Schwanz war hart und ragte stolz in die Höhe. Er umfasste seinen Schaft mit einer Hand, streichelte sich ein- oder zweimal und ließ ihn dann wieder los. Ich beobachtete, wie hypnotisiert, als er eine Hand sanft auf den Rücken der Frau legte, während er mit der anderen ihren Nacken packte und sie zu Boden drückte. Er richtete sein Becken aus, schmiegte seine Eichel an ihr Geschlecht und drang in sie ein.
Ich war völlig fasziniert, dass er sie vor den Augen des ganzen Stammes vögelte. Obwohl ich neben einem Priester saß, war ich nicht in der Lage den Blick abzuwenden. Ich redete mir ein, dass ich meine Beobachtungen eines Tages in einer Studie veröffentlichen würde und aus diesem Grund keine andere Wahl hatte, als ihnen zuzusehen.
„Zach … não aqui. Não na frente dos nossos hóspedes“, hörte ich Paraila rufen. Offenbar hatte er ihn gerade zurechtgewiesen, und meine Vermutung wurde bestätigt, als ich sah, wie Zach sich versteifte. Ich sah Paraila an, der seinem Adoptivsohn einen verärgerten, aber liebevollen Blick zuwarf. Ein verschmitztes Lächeln breitete sich auf Zachs Gesicht aus, und er nickte dem alten Mann ehrerbietig zu.
„Ich muss mich entschuldigen“, sagte Pater Gaul neben mir und wandte sich mir zu. „Sie haben gerade einen Einblick in eine ihrer sozialen Normen erhalten, die nichts mit der zivilisierten Welt gemein hat. In dieser Kultur hat der Mann eine dominante Position inne und hat das Recht, eine der verfügbaren Frauen zu nehmen, wann und wo er will. Für die Caraica ist Sex eine Art Belohnung, die dem Mann zuteilwird, nachdem er für das Dorf gesorgt hat. Sie haben eine ungezwungene Einstellung zur Sexualität, wobei sie keinen Wert auf Privatsphäre legen. Für einen Mann bietet es sogar Anlass zum Stolz, wenn er eine Frau dazu bringt, sich ihm vor aller Augen zu unterwerfen.“
„Ich verstehe“, sagte ich, obwohl ich rein gar nichts begriff. Unsere Kulturen waren so gegensätzlich, und ich dachte darüber nach, wie ich Zach den Unterschied zwischen der ihm bekannten Welt, und der Welt, in die er bald eintauchen würde, beibringen sollte. Ich widmete mich wieder meinem Essen, während Pater Gaul sich Ramon zuwandte, um sich mit ihm zu unterhalten.
Doch die Frau in mir – nein, die Wissenschaftlerin, natürlich – war meiner Neugierde völlig hilflos ausgeliefert. Ich hob den Blick, um Zach erneut zu beobachten. Er stand auf und streckte der Frau eine Hand entgegen. Sie ergriff sie und er zog sie hoch, um sie in Richtung des nächstgelegenen Langhauses zu führen. Ich nahm an, dass er ein gewisses Maß an Privatsphäre wahren würde, doch als er gerade einmal zwanzig Meter vom Lagerfeuer entfernt war, drückte er die Frau wieder auf die Knie. Sie wartete nicht einmal auf seine Anweisungen, sondern beugte sich sofort vor und reckte ihm ihren Hintern entgegen. Sie presste die Wange in den Staub, als Zach sich hinter sie kniete und erneut ihren Nacken packte. Im Schein des Feuers konnte ich ihren zufriedenen Gesichtsausdruck sehen. Sie wirkte fast schon gelassen, was mir in Anbetracht seiner Männlichkeit unbegreiflich war. Wenn ich kurz davor wäre, von Zachs beeindruckendem Schaft aufgespießt zu werden, würde ich mich vor Wollust winden.
Während er eine Hand weiterhin in ihren Nacken gelegt hatte, umfasste er mit der anderen seinen Schwanz, schob sein Becken nach vorn und drang langsam in sie ein. Die Frau stieß ein leises Stöhnen aus, während Zach kurz die Augen schloss, bis er bis zum Anschlag in ihr vergraben war.
Ich spürte wieder ein Pochen zwischen meinen Schenkeln, welches immer heftiger wurde, als er begann, sich zu bewegen und mit gleichmäßigen, langen Stößen immer wieder in sie einzudringen.
Während ich ihn wie gebannt beobachtete, hatte ich fast das Gefühl, seinen Schwanz zwischen meinen Schenkeln zu spüren. In diesem Moment wurde mir bewusst, dass es für mich zu einem Problem werden würde, meine Aufgabe zu erfüllen und Zach bei der Eingewöhnung in die zivilisierte Welt zu helfen. Ich war von seiner sinnlichen Rohheit und gebieterischen Art ganz und gar eingenommen. Dabei erschien es mir seltsam, dass ich mich zu einem derart dominanten Mann hingezogen fühlte, denn ich war eine unabhängige Frau und selbstsichere Liebhaberin.
Ich war so sehr auf das Schauspiel fixiert, das sich mir bot, dass ich alles andere um mich herum vergaß. Ich beobachtete, wie er die Frau mit einer Hand am Nacken festhielt und die andere in ihre Hüfte grub. Sie stöhnte leise, und im Schein des Feuers konnte ich sogar seinen feucht glänzenden Schaft sehen, wenn er ihn aus ihr herauszog. Als ich schließlich den Blick hob, um sein Gesicht zu betrachten, wäre ich fast rücklings vom Baumstamm gefallen, denn er starrte mich über das Feuer hinweg direkt an.
Seine hellblauen Augen funkelten und sein Kiefer war angespannt, während er die Frau am Boden weiter fickte. Er durchbohrte mich mit seinem Blick und ich war nicht imstande, wegzusehen. Er schien mich förmlich aufzufordern, ihn zu beobachten und gestattete mir nicht, den Blick abzuwenden. Ich glaube, in diesem Moment gab er mir zu verstehen, dass er ein unzivilisierter Mann war und es mir nicht leicht machen würde.
Pater Gaul und Ramon unterhielten sich leise neben mir, während die Frauen sangen und die restlichen Stammesangehörigen miteinander lachten.
Warum interessierte sich sonst niemand dafür, was da gerade vor sich ging?
Plötzlich trat alles andere in den Hintergrund und es gab nur noch Zach und mich.
Wir starrten einander an, während sogar die Frau unter ihm mit der Nacht zu verschmelzen schien. Mein Herz raste, während ich ihn dabei beobachtete … wie er mich beobachtete … und er immer wieder in einem trägen Rhythmus in die Frau hineinstieß. Es schien ewig zu dauern. Ich konzentrierte mich ganz auf das Schauspiel vor mir und entfesselte die Voyeurin in mir, während ich von einer Mischung aus Hitze und Frustration durchströmt wurde. Ich hätte nie geglaubt, dass es mich so sehr erregen würde, einem anderen Paar beim Sex zuzusehen, doch ich war überzeugt davon, dass es nur etwas damit zu tun hatte, wie Zach meinen Blick festhielt. Er zwang mich, ihm zuzusehen, während ich mir in meiner Fantasie ausmalte, was er mit mir anstellen würde.
Schließlich, nach gefühlten Stunden, kam Zach fast unmerklich zum Orgasmus. Er war dabei so leise, dass ich es fast nicht gesehen hätte. Statt einen lustvollen Schrei auszustoßen, fixierte er mich mit einem Blick, während er die Muskeln in seinem Nacken anspannte. Er drang ein letztes Mal in die Frau ein und wurde sichtlich von einem Schauer durchzuckt, als er lautlos zum Höhepunkt kam. Dabei starrte er mich mit weit aufgerissenen Augen an, sodass ich das Gefühl hatte, selbst seine Lust zu spüren.
Zach beobachtete mich noch einen Moment mit selbstsicherem Blick, dann löste er sich von der Frau, stand vom Boden auf und ging in die Dunkelheit hinaus.

Ich öffne die Augen und stemme mich seiner Hand entgegen, mit der Zach mich immer noch im Nacken festhält. Er drückt mich wieder nach unten, und da er so viel stärker ist als ich, bleibe ich ruhig liegen.
„Das ist eine gute Geschichte, Moira“, sagt Zach beifällig. Ich weiß, dass es ihn freut zu hören, wie erregt ich war, als ich ihn beobachtete.
„So habe ich die Geschehnisse in Erinnerung“, erwidere ich nur.
„Du wolltest mich damals, nicht wahr?“
„Ja“, hauche ich.
„So, wie du mich jetzt willst?“
„Ja.“
„Genau auf dieselbe Weise“, sagt er.
„Genau auf dieselbe Weise“, stimme ich zu.
Zach hebt seine freie Hand und schiebt den Saum meines Kleids nach oben.
„Bevor ich dir gebe, was du willst“, wirft Zach mit tiefer, gebieterischer Stimme ein, „musst du mir noch eines verraten.“
„Was willst du hören?“, frage ich mit begierigem und frustriertem Tonfall.
„Ich will, dass du mir sagst, was du vor allem über mich gelernt hast, seit du mich meinem Zuhause entrissen hast.“
Ich nehme einen tiefen Atemzug und stoße ihn leise wieder aus. Ich verabscheue den Schmerz und die Wut, die immer noch in seiner Stimme mitschwingen, wenn ich daran denke, was ich ihm angetan habe. Daher sage ich ihm, was er hören will.
„Ich habe gelernt, dass du … Zacharias Easton … ein wilder Mann bist.“
„Ja“, flüsterte er, als er mein Kleid loslässt und seine Finger unter den Saum meines Spitzenhöschens schiebt. „Da hast du recht.“

Zach

Zwei Wochen zuvor …

Ich folge Moira aus dem Flughafengebäude und trete hinaus in die Hitze Chicagos. Sie hat mir erzählt, dass in den Vereinigten Staaten gerade Sommer ist, doch der Begriff sagt mir nicht viel. Ich weiß nur, dass es heiß ist und ein seltsamer, fast metallischer Geruch in der Luft liegt, der mir unangenehm in die Nase steigt. Ich verspüre einen sehnsuchtsvollen Stich im Herzen, als ich an den erdigen, grünen Duft des Dschungels denke.
Moira führt uns zu einem gelben Wagen. Ich kann mich an die Autos noch aus meiner Kindheit erinnern und weiß, dass es sich um ein Taxi handelt, weil ich das Wort auf der Tür lesen kann. Ich habe meine Muttersprache nie verlernt und kann sie dank Pater Gaul immer noch fließend sprechen. Er hat mich häufig bei den Caraica besucht und sich mit mir nicht nur auf Englisch unterhalten, sondern mir zudem Bücher mitgebracht, aus denen ich lernen konnte. Ich hatte mir ein grundlegendes Verständnis der Mathematik angeeignet und war in Geschichte und Geografie durchaus bewandert, da ich alles verschlungen hatte, was ich in die Finger bekam.
Es ist schon seltsam, aber ich erkenne viele Dinge wieder. Während ich achtzehn Jahre lang im Amazonasgebiet lebte, schienen meine Erinnerungen an mein früheres Leben wie verblasste Träume, die immer zum Greifen nah, doch unerreichbar waren. Ich fragte mich, wie viel ich noch lernen müsste und wie viele von den „modernen Wundern“, von denen Pater Gaul immer gesprochen hatte, mich überraschen würden.
Doch als ich in die moderne Welt zurückkehrte, stellte ich fest, dass mir vieles davon sehr vertraut erschien. Ich konnte mich nicht daran erinnern, dass ich als Kind mit meinen Eltern im Flugzeug nach Brasilien gereist war, doch in dem Moment, in dem ich die kleine Cessna sah, die uns vom Amazonas in die Hauptstadt Brasilia brachte, wusste ich, dass ich schon einmal in einer dieser Maschinen gesessen war. Ich hatte zwar keine Erinnerung an den Flug, doch ich … wusste es einfach. Dabei beunruhigte mich weder das Motorengeräusch noch machte mich die Vorstellung, mich in die Luft zu erheben, misstrauisch. Als ich eines der Fenster in der Kabine berührte, fühlte sich das durchsichtige, harte Material vertraut an. Ich erinnerte mich plötzlich an das Haus meiner Eltern in Georgia. Ich weiß noch, wie ich mit dem Kopf voran gegen eine durchsichtige Glasschiebetür gelaufen und rücklings auf dem Hintern gelandet war.
Als wir auf dem Flughafen landeten und Moira mich zu einem Mietwagen führte, drängten sich mir weitere Erinnerungen auf, die noch viel klarer waren. Ich erinnerte mich daran, dass ich im Wagen meiner Eltern auf dem Rücksitz saß und vielleicht sogar ein Buch mit bunten Bildern in der Hand hielt. Ich konnte sogar die Stimmen meiner Eltern hören.
Auch in dem Hotel, in dem wir ein paar Tage wohnten, konnte ich eine Vielzahl von Gegenständen mit Leichtigkeit identifizieren. Das Bett … und die Kissen. Ja, ich wusste, was ein Kissen war. Moira zeigte mir das Badezimmer und erklärte mir, wie die Toilette und die Dusche funktionierten. Und nach und nach kam die Erinnerung zurück.
Einige dieser erstaunlichen Errungenschaften machte ich mir zunutze. Die Dusche war wunderbar, denn das Wasser fühlte sich sauberer und leichter an als das Flusswasser oder die schlammigen Regenwasserpfützen, in denen ich mich normalerweise wusch. Der Duft des Shampoos erinnerte mich an Seerosen. Ich putzte mir zum ersten Mal nach etlichen Jahren die Zähne und konnte gar nicht mehr aufhören, mir mit der Zunge über die Zähne zu fahren, weil sie sich so glatt anfühlten. Selbst wenn ich sie zuvor noch so ausgiebig mit Schilfrohr geputzt hatte, waren sie nie so sauber geworden.
Ja, all diese Dinge, die mir auf seltsame Weise vertraut waren, spendeten mir in gewisser Weise Trost. Ich fühlte mich zu keiner Zeit wirklich überwältigt … abgesehen von dem einen Mal, als Moira etwas zu schnell durch Brasilia fuhr. Wir blieben zwei Tage in der Hauptstadt, wobei ich von einem Arzt untersucht und geimpft wurde und wir in der amerikanischen Botschaft meinen neuen Reisepass abholten. Ich hatte zwar gehofft, dass man mir den Pass verweigern würde und diese Farce damit ein Ende hätte, doch ich konnte dem Konsulat einen Beweis meiner Identität vorlegen. Dieser bestand aus den ursprünglichen Reisedokumenten meiner Eltern und mir, die ich all die Jahre nach ihrem Tod aufbewahrt hatte, sowie ihren Eheringen, einem Familienfoto und unserer Familienbibel. Die Sekretärin des amerikanischen Botschafters kümmerte sich persönlich um meine Dokumente und schenkte mir ein warmherziges, beglückwünschendes Lächeln, als sie mir meinen Pass überreichte. Ich hätte ihr am liebsten die Kehle aufgeschlitzt, weil sie sich so sehr darüber freute, dass ich nun „nach Hause“ zurückkehrte. Natürlich war ich nicht glücklich darüber, doch die anderen schienen sich über alle Maßen zu freuen.
An einige Dinge konnte ich mich nur schwer gewöhnen. Während ich kurzfristig die weiche Matratze des Hotelbetts genoss, war das Gefühl viel zu ungewohnt und unbequem. Letztlich schlief ich jede Nacht auf dem Boden. Die Kleidung, die ich hatte anziehen müssen, bevor wir an Bord der Cessna gingen, engte mich ein und kratzte auf meiner Haut. Ich hasste sie. Sobald ich allein in meinem Zimmer war, riss ich sie mir vom Leib.
Ich weigerte mich, mit Besteck zu essen, obwohl ich mich sofort an Messer und Gabel erinnerte. Dabei sträubte ich mich nicht aus Unbehagen dagegen, sondern um Moira zu zeigen, dass ich mich nicht einfach ihren Anweisungen fügen würde. Meiner Meinung nach würde ich die ganze Zeit über nackt herumlaufen können, wenn mir danach war, doch Moira gebot mir Einhalt, indem sie mir erklärte, dass es dagegen ein Gesetz gab.
Also musste ich mich mit Kleinigkeiten begnügen und verweigerte den Gebrauch von Besteck, um mit den Fingern zu essen. Ich verzichtete sogar auf die Serviette, mit der sie sich die Lippen abtupfte und die Finger abwischte, und leckte mir stattdessen die Finger sauber. Einmal wischte ich mir den Mund sogar an meinem Hemd ab. Ich weigerte mich, mir die Haare schneiden zu lassen, als Moira den Vorschlag machte, doch sie schenkte mir lediglich ein zaghaftes Lächeln und erwiderte nichts.
Es macht mich wütend, dass sie sich von meiner Andersartigkeit nicht aus der Ruhe bringen lässt. Ich hätte erwartet, sie würde irgendwann darauf „bestehen“, dass ich mich entsprechend dieser neuen kulturellen Normen verhalte, doch stattdessen nimmt sie sich Zeit, mir alles zu erklären. Sie bietet mir die Möglichkeit, etwas auszuprobieren und wenn ich mich weigere, sagt sie nur: „Vielleicht ein andermal.“
Diese rothaarige Frau ruft dunkle Gefühle in mir hervor. Mir ist klar, dass sie nicht direkt dafür verantwortlich ist, dass ich mein Zuhause verlassen musste. Und doch verabscheue ich sie, als wäre sie diejenige, die diese verrückte Idee hatte. Ich weiß, dass sie nur ihren Job macht … und nur dem Wunsch meines „Patenonkels“ nachkommt, doch ich verachte sie genauso sehr wie diesen Mann namens Randall Cannon. Diese beiden Menschen haben eine Reihe von Ereignissen losgetreten, die dazu geführt haben, dass ich aus meinem friedlichen und glücklichen Leben gerissen wurde.
In meinen Augen sind sie Feinde.
Während Moira zwar meine Feindin ist, hält mich das nicht davon ab, sie mit den Augen eines Mannes zu betrachten. Ich fühle mich auf unnatürliche Weise zu ihr hingezogen. Diese Anziehungskraft besteht seit dem Moment, in dem ich sie zum ersten Mal sah, als sie am Abend ihrer Ankunft in unserem Dorf am Feuer saß. Als ich das Dorfzentrum betrat, hatte Moira mich unverblümt angesehen. Im Gegensatz zu ihr wirft mir Tukaba immer nur schüchterne Blicke zu, wenn ich ihr nicht mit einer Geste erlaube, mich offen anzustarren. Moira ist so anders als die kleinen Frauen der Caraica mit ihrer braunen Haut und dem tiefschwarzen Haar. Ihre Mähne fällt ihr wie flammende Wellen auf die Schultern und ihre Augen leuchten so grün wie der Dschungel. Sie erinnert mich an einen wilden und farbenprächtigen Vogel aus dem Amazonas, doch sie bewegt sich mit der Anmut eines Jaguars. Ich schäme mich zuzugeben, wie ungemein anziehend sie auf mich wirkt.
Aber für diese Frau … meine Feindin … will ich nichts weiter empfinden als Wut, denn sie hat mein Leben auf den Kopf gestellt. Ich war untröstlich, als wir das Dorf verließen. Die Einwohner waren alle gekommen, um mir eine gute Reise zu wünschen, doch ich konnte Paraila kaum in die Augen sehen, aus Angst, ich würde schwach werden und in Tränen ausbrechen. Am späten Vormittag machten wir uns auf den Weg zum Fluss Jutai und ich tat mein Bestes, um Moira zu ignorieren. Doch meine Entschlossenheit schwand schon nach einer Weile.

Wir näherten uns dem Jutai, und ich konnte den Duft des Flusswassers in der Luft riechen. Die rothaarige Frau ging vor mir her, während Pater Gaul und Ramon die Vorhut bildeten. Alle paar Meter stolperte sie über eine Ranke oder einen verwesenden Ast. Der Regenwald schien sie zu faszinieren, daher beobachtete sie ständig die Tierwelt, statt sich auf den Boden zu konzentrieren.
Ich musste zugeben, dass sie eine interessante Frau war. Pater Gaul erklärte mir, dass sie eine Art Lehrerin war und ihr Wissen von ihnen sehr geschätzt wurde. Ihr Fachgebiet war etwas, das er „Anthropologie“ nannte, und sie hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die Kulturen der Eingeborenenstämme im Amazonasgebiet zu studieren. Des Weiteren erzählte mir Pater Gaul von meinem Paten, der diese Frau engagiert hatte. Nach meiner Rückkehr soll sie mir beibringen, ein richtiger Amerikaner zu werden.
Ich schnaubte innerlich bei dem Gedanken und schwor mir, mich niemals zu ändern … ganz gleich, wie sehr sie sich das wünschten.
Das Haar der Frau faszinierte mich. Es war lang und so rot wie die untergehende Sonne. Sie trug es zu einem dicken Zopf geflochten, der ihr über den Rücken hing. Sie war so anders als die Frauen unseres Stammes. Ihr Kopf reichte mir bis zur Schulter, während die Frauen der Caraica mir gerade bis zur Brust gingen. Ihre Haut war blass, wie die Farbe des Mondes, während sowohl ihre Nase als auch ihre Wangen mit winzigen braunen Punkten gesprenkelt waren.
Ich hatte gehört, wie sie mit Pater Gaul Englisch sprach. Ich war mir sicher, dass sie sich meiner Englischkenntnisse bewusst war, doch sie hatte sich seit der Nacht ihrer Ankunft im Dorf von mir ferngehalten.
Als ich in Tukaba eindrang und mich meiner Lust hingab, hatte ich meine ganze Aufmerksamkeit auf die schöne rothaarige Frau gerichtet, die mich mit einem glühenden Blick beobachtete. Ich stellte mir vor, dass es ihr Körper war, doch ich wusste, dass sie nicht einfach wie eine Caraica stillhalten würde. Nein, ich nahm an, dass jemand wie sie sich winden und stöhnen würde, während sie mit ihren zarten Fingern über den Erdboden kratzte. Ich würde all meine Kraft aufbringen müssen, um sie festzuhalten, und dann ihre völlige Hingabe genießen.
Allein der Gedanke ließ meinen Schaft anschwellen, und ich bemühte mich sofort, an etwas anderes zu denken.
Moira stolperte erneut, und ich hätte sie am liebsten angeschrien, sie sollte auf ihre Schritte achten. Ihr Blick war nach oben gerichtet, wobei sie mit einem zaghaften Lächeln ein Paar Brüllaffen direkt über uns beobachtete, die sich von Ast zu Ast schwangen. Ich sah nur kurz auf und konzentrierte mich wieder auf den Boden.
Ich hatte ein geschultes Auge und einen geschärften Blick, daher erkannte ich im Bruchteil einer Sekunde die Gefahr, die etwa einen Meter vor Moiras Füßen lauerte. Eine Buschmeisterschlange wand sich von rechts auf dem Pfad, und mit zwei weiteren Schritten wäre Moira auf sie getreten.
Ich streckte die Arme aus, packte Moira an den Schultern und zog sie an mich. Sie schrie erschrocken auf, als die Schlange ihren Kopf hob. Ich schob sie unsanft hinter mich, woraufhin sie mit dem Hintern auf dem Boden landete. Pater Gaul und Ramon warfen mir einen ungläubigen Blick zu, als hätte ich den Verstand verloren, doch sie hatten die Gefahr nicht gesehen.
Ein Biss der Schlange hätte den sicheren Tod bedeutet.
Das Tier hatte zur Verteidigung den Kopf in die Höhe gereckt, der einige Zentimeter über dem Boden schwebte. Ich schwang wortlos meine Machete und schlug der Viper den Kopf ab, der daraufhin leise auf dem verrotteten Laub landete.
Ich griff nach einem großen, nassen Palmblatt, wischte das Blut der Schlange von meiner Klinge und wandte mich mit einem finsteren Blick Moira zu. „Du musst den Weg im Auge behalten, törichte chama de cabelos. Das nächste Mal lasse ich zu, dass die Schlange dich beißt.“
Sie sah mit ihren moosgrünen Augen zu mir auf und betrachtete mich voller Angst und Reue. Einen Moment lang starrten wir einander an, dann wandte ich mich ab und ging weiter. Ramon eilte an mir vorbei, um Moira vom Boden aufzuhelfen, dann setzte sich unsere kleine Expedition wieder in Bewegung.
Ich hatte instinktiv reagiert und ihr erbärmliches Leben gerettet. Und nun saß ich in der Falle. Im Nachhinein betrachtet hätte ich sie von der Schlange beißen lassen sollen, dann hätte ich Moiras leblosen Körper zurück ins Dorf schleppen und diesem Irrsinn ein Ende bereiten können.
Als wir den Jutai erreichten, trennten wir uns von Pater Gaul und Ramon. Moira und ich fuhren mit dem Einbaum weiter nach Norden, während Pater Gaul nach Westen ging, um den Stamm der Matica zu besuchen. Die Matica waren die Erzfeinde der Caraica, und es hatte viel Blutvergießen zwischen unseren Stämmen gegeben.
Am zweiten Abend unserer Reise auf dem Jutai hätte ich Moira fast verlassen … so groß war meine Sehnsucht, nach Hause in das Dorf der Caraica zurückzukehren, in dem meine Freunde und meine Familie mich liebten und ich glücklich war. Ich ging in den Dschungel und überlegte, was ich Paraila sagen würde. Ich könnte ihm eine Lüge auftischen und ihm erzählen, dass Moira ihre Meinung geändert hätte. Oder ich könnte behaupten, dass sie von einem Jaguar oder Kaiman gefressen wurde, doch dann würde ich sie töten und ihre Leiche entsorgen müssen. Ich wusste zwar nicht viel über sie, doch ich war mir sicher, dass sie mich ins Dorf zurückverfolgen würde, wenn ich sie einfach hier zurückließe.
Letztendlich fiel mir jedoch keine praktikable Lösung ein, denn ich wusste, dass ich Paraila, meinem Vater und Lehrer, niemals in die Augen sehen und ihm seinen Wunsch verweigern könnte. Paraila hatte mich angefleht, mitzugehen und die Gelegenheit zu ergreifen, und ich hatte schließlich nachgegeben.
Aber ich hatte nicht einfach kampflos aufgegeben.
Nach Moiras Ankunft im Dorf hatten wir uns zwei Tage lang gestritten.
Er warf mir alles Mögliche an den Kopf, doch als ich immer noch nicht nachgab, setzte er nach. Ich erklärte ihm, dass er ein alter Mann war und er niemanden hätte, der sich um ihn kümmern würde, wenn ich ihn verließe. Ich versprach ihm, dass ich gehen würde … gleich nach seinem Tod, doch er war genauso stur wie ich.
Dann zeigte er mir eine grausame Seite von sich. Ich erkannte den alten Mann, den ich so viele Jahre lang meinen Vater genannt hatte, fast nicht wieder, als er mir an den Kopf warf, dass ich in ihrem Stamm nicht wirklich willkommen wäre. Er hätte nur darauf bestanden, dass ich bei ihnen bleibe, weil ich keine andere Möglichkeit hatte. Doch da ich nun ein Familienmitglied in den Staaten hatte, welches unbedingt eine Beziehung zu mir aufbauen wollte, wollte er mich nicht mehr in seiner Nähe haben.
Die Worte verletzten mich so sehr, dass ich aus seinem Langhaus eilte und gegen einen Korb mit Maniokmehl trat. Ich suchte überall nach Tukaba, denn ich hatte das Bedürfnis, mit Wucht in sie zu stoßen, um meine Frustration und Wut abzubauen, doch ich konnte sie nirgendwo finden. Ich dachte kurz darüber nach, die göttinnengleiche Frau namens Moira in den Dschungel zu zerren und sie zu zwingen, sich mir zu unterwerfen, aber ich war klug genug, um zu wissen, dass das nach ihren Maßstäben inakzeptabel wäre. Da ich also keine Möglichkeit hatte, mir Erleichterung zu verschaffen, schnappte ich mir Pfeil und Bogen und machte mich auf den Weg in den Dschungel, um etwas zu töten.
Paraila entschuldigte sich später bei mir für seine harschen Worte und richtete beim Abendessen eine letzte Bitte an mich, die mich schließlich nachgeben ließ.
„Cor'dairo“, sagte er, wobei er mich in der alten Sprache der Caraica, die mittlerweile fast ausgestorben war, seinen Sohn nannte. „Warum kämpfst du gegen mich an? Dies ist nicht das Leben, das ich mir für dich wünsche.“
„Aber ich bin hier glücklich“, sagte ich, während ich seine Hand hielt.
„Möglicherweise, doch du könntest an einem anderen Ort noch glücklicher sein“, erklärte er mit kräftiger Stimme, deren Klang ich schon lange nicht mehr gehört hatte. „Was für ein Leben führst du hier schon? Du musst tagein, tagaus ums Überleben kämpfen. Pater Gaul sagte, dass es dort, wohin du gehen wirst, Nahrung im Überfluss gibt und dir viele Möglichkeiten offenstehen werden. Was hast du hier schon? Einen alten Mann und seine widerspenstige Frau.“
„Ich habe Tukaba“, sagte ich mit einem Augenzwinkern. „Sie macht mich sehr glücklich.“
„Ja, du hast Tukaba, aber sie hat viele Freunde“, erwiderte er mit einem verschmitzten Lächeln.
Ich erwiderte sein Grinsen, denn Paraila und ich teilten den gleichen Humor. Tukaba war in der Tat eine Frau, die sich mit allen alleinstehenden Männern des Stammes vergnügte.
„Du verdienst mehr als dieses karge Leben, und ich möchte, dass du eine Chance auf das wahre Glück hast, bevor ich sterbe.“
„Aber Paraila …“, begann ich, doch er fiel mir ins Wort.
„Nein, Zacharias … Du bist nicht der Sohn meiner Lenden, sondern meines Herzens. Ich bitte dich, zu gehen. Für mich … Ich flehe dich an. Versuche es ein Jahr und wenn du dann immer noch willst, kannst du zurückkehren. Doch tu es für mich. Gib dem Ganzen eine Chance und geh.“
Ich starrte in seine tränenfeuchten Augen, während er mit fester Stimme zu mir sprach. Mir wurde schlagartig klar, dass ich diesem Mann nichts abschlagen konnte … Er hatte mich aufgezogen, mich beschützt und sogar geliebt, nachdem meine Eltern gestorben waren. Ich verdankte ihm mein Leben. Ich würde alles für ihn tun.
Also willigte ich ein. 

Moira

Ich bin erschöpft. Ich stoße müde den Atem aus und lehne mich seitlich gegen den Rücksitz des Taxis. Zach sitzt ruhig neben mir und betrachtet die Skyline von Chicago, die auf dem Weg nach Evanston an uns vorbeizieht. Die Kleinstadt liegt etwa fünfundzwanzig Kilometer außerhalb der windigen Stadt.
Und dort steht mein Haus. Zach wird eine Zeit lang bei mir wohnen, bevor er Randall in Atlanta treffen wird. Ich habe eine Sommerpause von meinem Lehrauftrag an der Fakultät für Anthropologie der Northwestern University eingelegt. Außerdem habe ich mich zumindest für das kommende Herbstsemester beurlauben lassen, da Randall und ich der Meinung waren, dass Zach möglicherweise mehrere Monate lang meine Hilfe benötigen würde. Doch wenn ich ehrlich bin, nehme ich die Dinge momentan, wie sie kommen, denn Zach macht es mir nicht gerade leicht.
Unser Flug von Brasilia nach Chicago verlief relativ ruhig, wenn man bedenkt, wie schwierig es für mich war, mit einem widerspenstigen Begleiter aus dem Regenwald anzureisen. Ich hatte zwar mit der Hitze, der Luftfeuchtigkeit, der Dehydrierung, den unzähligen Mücken und Moskitos und einer fast tödlichen Begegnung mit einer Buschmeisterschlange zu kämpfen, doch nichts von alledem war so beschwerlich wie die Feindseligkeit, die Zach mir während der Reise entgegenbrachte.
Der Mann hatte seine Heimat bei den Caraica eindeutig nicht verlassen wollen. Nachdem er achtzehn Jahre lang in ihrer Kultur gelebt hatte und als Mitglied ihres Stammes aufgenommen und verehrt worden war, hatte er nicht die geringste Lust, mit mir in die Staaten zurückzukehren.
Da er seine Eltern schon vor so langer Zeit verloren hatte, hatte ich mit dieser Möglichkeit gerechnet und die Befürchtung gehegt, dass Zach sich möglicherweise nicht mehr an sein früheres Leben erinnerte. Und nun riss ich ihn aus der Geborgenheit und Sicherheit seiner gewohnten Umgebung. Ich hatte Randall gegenüber sogar zu bedenken gegeben, dass Zach vielleicht nicht zu seinen amerikanischen Wurzeln würde zurückkehren wollen. Randall war wesentlich positiver eingestellt als ich und spornte mich lediglich an, mein Bestes zu geben.
Letztendlich war ich nicht dafür verantwortlich, dass Zach schließlich nachgab. Ich blieb nach meiner Ankunft zwei Tage lang in seinem Dorf, während sein Adoptivvater unerbittlich mit ihm stritt. Er wollte unbedingt, dass Zach diese Gelegenheit ergriff, um mehr über seine Herkunft zu erfahren. Ich habe keine Ahnung, wie Paraila seinen Adoptivsohn schließlich umstimmte, aber am zweiten Abend kam Zach auf mich zu und verkündete: „Wir reisen morgen ab.“
Das waren die ersten Worte, die er an mich richtete. Obwohl wir am Abend meiner Ankunft am Lagerfeuer eine äußerst intime Erfahrung geteilt hatten, bei der er eine andere Frau fickte, während er mir tief in die Augen sah, hatte er kein Wort mit mir gesprochen, bis er mich über unsere Abreise informierte. Und seine nächsten Worte an mich waren nicht freundlicher gewesen.
Nachdem er mich vor der Buschmeisterschlange gerettet hatte, die meinem Bein gefährlich nahegekommen war, hatte er mich höhnisch angegrinst: „Du musst den Weg im Auge behalten, törichte chama de cabelos. Das nächste Mal lasse ich zu, dass die Schlange dich beißt.“
Dann wandte er mir den Rücken zu und ging voraus, um sich erneut einen Weg durch den Dschungel zu bahnen.
Ich überlegte mir, was chama de cabelos auf Portugiesisch bedeuten könnte und dachte an ein Schimpfwort wie Idiot, Dummkopf, Schwachkopf oder sogar Blödmann. Pater Gaul erzählte mir später, dass die Übersetzung flammendes Haar lautete.
Ich fasste es als Kompliment auf, obwohl Zach mich jedes Mal ansah, als wollte er mich erwürgen.
Den ganzen Weg über sprach Zach kein weiteres Wort mit mir, bis wir später am Tag den Jutai erreichten und uns von Pater Gaul und Ramon trennten. Er sagte mir in knappen Worten, ich sollte in den Einbaum steigen, den Pater Gaul für uns in dem kleinen Dorf am Fluss besorgt hatte, und kräftig paddeln.
Ich tat wie geheißen, doch nach nur einer Stunde konnte ich die Arme kaum noch heben. Er murmelte etwas auf Portugiesisch, und für den Rest des Tages starrte er mich wütend an, während wir den Jutai hinauf zum Amazonas fuhren.
Am zweiten Tag unserer Flussreise schwieg er gänzlich, obwohl ich mich bemühte, mit ihm zu reden. Ich wusste, dass er der englischen Sprache immer noch mächtig war, da Pater Gaul sich über die Jahre immer mit ihm in seiner Muttersprache unterhalten hatte, dennoch antwortete er mir ausschließlich auf Portugiesisch, wenn ich ihn etwas fragte. Ich glaube, die meiste Zeit über verfluchte er mich.
Als wir am zweiten Tag schließlich mit dem Kanu anlegten, änderte sich etwas zwischen uns. Es begann mit ein paar Worten und endete mit leisem Stöhnen und lustvoller Erlösung.
Mir läuft heute noch ein Schauer über den Rücken, wenn ich an den intimen Moment mit ihm zurückdenke.

Nachdem er das Kanu ans Ufer gezogen hatte, nahm Zach schweigend seine Machete und hackte zwischen zwei jungen Kapokbäumen, die das Flussufer säumten, die niedrige Vegetation ab. Als er fertig war, zeigte er nur auf die Bäume und sagte: „Für deine Hängematte.“ Dann drehte er sich um und verschwand im Dschungel.
Nach nicht einmal einer Stunde kehrte er mit einem kleinen Klammeraffen zurück, den er über dem Feuer röstete, das er fachmännisch angezündet hatte. Er bot mir jedoch nichts an, was mich nicht weiter störte … Ich aß etwas von meinen Trockenrationen und versuchte, mit ihm über Randall zu sprechen. Bisher hatte Zach nicht das geringste Interesse gezeigt und wollte offenbar nicht wissen, wohin ich ihn brachte, und was geschehen würde, wenn wir in die Staaten zurückkehrten.
„Zach … hast du vielleicht Fragen zu deinem Patenonkel Randall Cannon?“
Ich wurde mit Schweigen konfrontiert, während er in dem verglühenden Feuer stocherte.
„Er ist ein netter Mann“, versuchte ich es noch einmal. „Ich glaube, du wirst ihn sehr mögen.“
Zunächst ignorierte Zach mich. Er stand auf und ging hinunter zum Fluss, um sich Wasser ins Gesicht zu spritzen. Als er zurückkam, sagte er: „Ich werde ihn nicht mögen, aber erkläre mir, woher er mich kennt. Warum hat er das Recht, mich zu ihm zu holen?“
Ich nutzte die Gelegenheit und erzählte ihm alles in Windeseile. „Er war der beste Freund deines Vaters und stand auch deiner Mutter nahe. Dein Vater hat Randall sogar einmal das Leben gerettet, und dadurch entstand eine sehr enge Bindung zwischen den beiden. Ich habe viele Bilder von dir und Randall zusammen gesehen. Als du noch sehr klein warst, haben deine Eltern einige Missionarsreisen unternommen, während du jedes Mal bei Randall geblieben bist. Du hast ihm damals viel bedeutet und das tust du auch heute noch.“
Ich hörte ein leises Schnauben von Zach, als er sich wieder ans Feuer setzte. „Was ist das für ein Wort, das du benutzt … ‚Patenonkel‘?“
„Es ist ein symbolischer Titel, der eine spirituelle Bedeutung haben kann. Deine Eltern haben Randall auserwählt, damit er dich im Leben führt und leitet. Da Randall nicht so religiös wie deine Eltern war, denke ich, dass sie ihn als zweiten Vormund für dich eingesetzt haben, der sich um dein Wohlergehen sorgt.“
„Er ist nicht mein Vater“, erwiderte Zach abwehrend.
„Natürlich nicht“, versicherte ich ihm. „Es ist nur ein Titel. Du kannst jede Art von Beziehung zu Randall aufbauen, die du dir wünschst.“
„Ich will keine Beziehung zu ihm aufbauen“, konterte Zach höhnisch. „Ich will einfach nur zurück nach Hause.“
Dann stand er wieder auf und ging in den Dschungel. Er kam fast zwei Stunden lang nicht zurück. Ich lag in meiner Hängematte und fragte mich, wo er war und ob ich während der Nacht wohl von einem Jaguar gefressen werden würde.
Irgendwann tauchte er wieder auf, doch er sagte kein Wort. Er legte sich einfach auf den Boden neben das Feuer und schloss die Augen. Ich wiegte mich in meiner Hängematte hin und her und blickte zu den Sternen hinauf. Die nächtlichen Laute des Urwalds machten mich schläfrig … Vögel und Affen, die sich gegenseitig etwas zuriefen, Frösche, die Balzlieder quakten, und Grillen, die fröhlich zirpten. Für manche Menschen waren die Geräusche zu laut, doch mir gefielen sie, denn sie waren wie ein Hintergrundrauschen, das mich einlullte.
Bevor mir die Augen zufielen, drehte ich den Kopf und warf einen Blick auf Zach. Ich sah zuerst sein Gesicht und stellte fest, dass er noch wach war, und ebenfalls zu den Sternen hinauf starrte. Ich ließ meinen Blick auf seine Brust wandern und erkannte mit Staunen, dass er die rechte Hand zwischen die Beine geschoben hatte. Er streichelte seinen harten Schwanz, während er die andere Hand lässig hinter den Kopf gelegt hatte und den Nachthimmel beobachtete.
Er gab keinen Laut von sich, und wäre da nicht die beeindruckende Erektion in seiner Hand gewesen, hätte ich mich gefragt, ob er sich überhaupt befriedigte.
Ich wusste, ich hätte den Blick abwenden und ihm beim Masturbieren seine Privatsphäre lassen sollen, aber verdammt … ich sah wie gebannt zu, während er mit der Hand seinen stahlharten Schaft streichelte, den ich auf erstaunliche zwanzig bis zweiundzwanzig Zentimeter schätzte.
Zachs Brust hob und senkte sich in kaum merklichen Schüben, die sich im Takt seiner Hand steigerten, doch ihm kam kein Laut über die Lippen. Sein Schwanz war feucht, und im Schein des Feuers konnte ich sehen, wie etwas Sperma aus seiner Eichel tropfte. Ansonsten saß er jedoch völlig reglos und lautlos da. In diesem Moment wurde mir klar, wie viel Kontrolle er über seinen Körper und seine Emotionen hatte.
Während ich Zach dabei beobachtete, wie er sich selbst befriedigte, stellte ich mir vor, dass es meine Hand um seinen Schwanz war … dann malte ich mir aus, wie ich ihn mit meinem Mund umschloss … und schließlich, wie er tief in mich eindrang. Ich war noch nie mit einem Mann seines Kalibers zusammen gewesen und stellte mir das lustvolle Brennen vor, das ich empfinden würde, wenn er mich dehnte.
Ich spürte, dass ich feucht wurde und ich war plötzlich unruhig und frustriert. Meine Brüste schmerzten, und mein Unterleib spannte sich an. Ich rollte mich auf die Seite und zuckte leicht zusammen, als die Hängematte ein ächzendes Geräusch von sich gab, doch Zach schien es nicht zu bemerken. Er massierte einfach weiter seinen Schwanz und starrte zu den Sternen hinauf.
Das Pochen zwischen meinen Schenkeln wurde immer heftiger und ich hätte schwören können, dass ich spürte, wie das Blut in meiner Klitoris pulsierte. Ich hielt es nicht länger aus und brauchte dieselbe Art von Erlösung, auf die auch Zach zusteuerte.
Ich verspürte plötzlich ein unbändiges Verlangen, das größer war als mein Bedürfnis nach Wasser in der Hitze des Dschungels.
Mein gesunder Menschenverstand setzte aus und ich bewegte mich, ohne nachzudenken. Langsam ließ ich meine Hand auf den Bauch gleiten und öffnete den Knopf meiner Hose. Ich zog den Reißverschluss herunter und war dankbar, dass die Laute des Dschungels das Geräusch übertönten. Ich spürte die feuchte Luft an meinem Unterleib und schob meine Hand unter den Saum meines Baumwollhöschens, während ich Zach dabei beobachtete, wie er sich streichelte.
Er bewegte seine Hand immer schneller auf und ab, während sein Atem flacher wurde, aber ansonsten blieb er reglos sitzen. Ich hatte keine Zeit zu verlieren, denn er war mir weit voraus, also schob ich den Zeigefinger zwischen meine feuchte Spalte und unterdrückte ein Stöhnen, als ich bemerkte, wie nass ich vor Verlangen bereits war. Ich zog meine Hand leicht zurück und streichelte mit dem Finger über meine Klitoris, wobei meine Hüften unwillkürlich zuckten und die Hängematte erneut knarrte. Einen Moment lang blieb ich still liegen, denn ich befürchtete, ich könnte Zach stören, doch er ignorierte mich völlig.
Mit einem leisen Seufzer rieb ich von Neuem über meine Lustperle. Es fühlte sich so gut an, dass ich nach Luft schnappte. Meine Güte, meine Klitoris war noch nie so empfindsam gewesen, und es hatte sich noch nie derart erfüllend angefühlt, mich selbst zu streicheln. Doch ich hatte auch noch nie insgeheim mit einem umwerfenden Fremden masturbiert, der nur einige Meter von mir entfernt saß und sich ungeachtet seiner Umgebung selbst befriedigte.
Ich war zuversichtlich, dass Zach entweder keine Ahnung hatte, was ich tat, oder dass es ihm schlichtweg egal war, also begann ich, mich erneut zu streicheln. Ich hielt jedoch sofort inne, als er mir langsam den Kopf zuwandte und mir mit einem Blick zu verstehen gab, dass er es die ganze Zeit über gewusst hatte. Er hielt inne und starrte mich mit einem feurigen Ausdruck in den Augen an.
„Fühlt es sich gut an, was du da mit dir machst?“, fragte er neugierig. Mir kam der Gedanke, dass er vielleicht noch nie eine Frau hatte masturbieren sehen.
Ich blinzelte ihn überrascht an und wollte meine Hand aus meinem Höschen ziehen.
„Nicht“, befahl er mir schroff. „Hör nicht auf. Ich kann sehen, dass du erregt bist. Ich kann es riechen, und ich kann förmlich das Rauschen deines Blutes hören.“
Ich ließ die Hand an meinem Unterleib liegen, doch ich rührte mich nicht. Ich war wie erstarrt vor Scham, weil er mich ertappt hatte.
„Ich frage dich noch einmal, Moira … fühlt es sich gut an, was du mit deinem Körper anstellst? So gut wie das, was ich mit meinem tue?“, fragte er, während er seinen Schwanz ein paar Mal träge streichelte.
„Ja“, flüsterte ich, während ich meinen Finger fest an mein Geschlecht presste. „Es fühlt sich wirklich gut an.“
„Dann darfst du weitermachen“, sagte er nur und wandte sein Gesicht wieder von mir ab, um gen Himmel zu starren und wieder langsam seinen Schaft zu streicheln.