Hard & Love: Come on, Tiger!

Erschienen: 12/2021
Serie: Hard & Love
Teil der Serie: 6

Genre: Contemporary Romance, Soft-SM / BDSM
Zusätzlich: Dominanz & Unterwerfung

Location: Norddeutschland, Hamburg


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-532-7
ebook: 978-3-86495-533-4

Preis:
Print: 13,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Hard & Love: Come on, Tiger!


Inhaltsangabe

Mason Carter ist nicht nur Inhaber eines exklusiven BDSM-Resorts in der Nähe von Los Angeles, sondern auch reicher Miteigentümer eines Software-Unternehmens. Während eines Besuchs bei seinen Cousins in Deutschland, wird er von Steven Carter gebeten, sich als Obdachloser zu tarnen und undercover einen verdächtigen Mitarbeiter aus Stevens Firma zu beschatten.

Antonia Ludwig arbeitet im Büro der Carter GmbH in Hamburg. Als sie eines Abends überfallen wird, rettet sie ein Mann, dessen Attraktivität und Dominanz sie in ihren Bann ziehen. Doch er ist ein Obdachloser, und sie hat sich geschworen, nie wieder einen Mann an sich heranzulassen, der sein Leben nicht im Griff hat. Rüde weist sie ihn ab. 

Mason beschließt, der arroganten kleinen Kratzbürste eine Lektion zu erteilen. Er ahnt nicht, dass Antonia kein zufälliges Opfer war, sondern als unliebsame Zeugin in Lebensgefahr schwebt ...

Über die Autorin

Sara-Maria Lukas, Jahrgang 1962, sagt "Moin" statt "Guten Tag". Unter dem Pseudonym verbirgt sich eine gebürtige Bremerin, die seit vielen Jahren in einem klitzekleinen Dorf zwischen Elbe und Weser wohnt. Sie liebt das raue Klima der Nordseeküste nicht nur, wenn...

Weitere Teile der Hard & Love Serie

Leseprobe

Antonia war wie gelähmt. Der Fremde umklammerte sie und hielt ihr den Mund zu, doch die rasende Panik, die sie beim Angriff der anderen drei gepackt hatte, war verschwunden. Sie gehorchte ihm, ohne zu denken. Vielleicht war es die tiefe, ruhige Stimme, die trotz der gefährlichen Situation Souveränität vermittelte. Vielleicht war es der ungewöhnliche, aber nicht unangenehme Geruch des Mannes, vielleicht war es auch die Erleichterung, dass er sie aus der Gewalt der andern drei Verbrecher gerettet hatte. Sie wehrte sich nicht und ließ sich rückwärts langsam aus dem Hinterhof heraus- und in einen Kellereingang hinunterziehen. Seine Hand lag jetzt...

...nur noch locker über ihrem Mund. Sie presste die Lippen fest zusammen, und es gelang ihr, jeden Schmerzlaut zu unterdrücken. Er drückte sie vor einer Wand auf die Knie und blieb hinter ihr stehen. Seine Beine berührten ihren Rücken und Hinterkopf.
Das Sirenengeheul eines Polizeiwagens näherte sich, Motorengeräusch, dann hörte es auf und Antonia stellte sich vor, wie die Polizisten jetzt auf dem Hinterhof standen und dort nichts mehr fanden.
„Still sitzen bleiben. Keine Bewegung. Klar?“, zischte ihr Retter und ließ eine Hand auf ihrer Schulter am Schlüsselbein liegen. Eindeutig würde er sie sofort schmerzhaft fest packen, sollte sie sich rühren oder Lärm machen. Warum versteckte er sich mit ihr vor der Polizei? Das konnte nur einen Grund haben. Er war selbst ein Verbrecher. Warum erschreckte sie das nicht? Warum versetzte sie das nicht erneut in Panik? Sie hatte keine Ahnung. Sie nickte und hörte etwas rascheln. Anscheinend griff er in seine Jackentasche, während seine andere Hand weiterhin auf ihrer Schulter lag. Sie starrte gegen die Wand, vor der sie kniete, stützte sich mit den Unterarmen daran ab und hörte ihr eigenen Herz laut klopfen. Der Boden war hart und das Knien schmerzhaft.
„Ich brauche ein Taxi“, murmelte ihr Retter.
Er hatte also ein Handy aus der Tasche gezogen … und rief … ein Taxi? Wirklich, ein Taxi? Fast musste sie kichern. Sie fühlte sich, als hätte man sie in einen Thriller im Fernsehen gesteckt und er rief ein ganz normales Taxi? Das war total skurril!
Einen Moment war es still, dann sprach er Worte ins Telefon, deren Sinn sich Antonia nicht erschlossen. Doch sie kapierte, dass er kein normales Taxi rief, sondern anscheinend einen Komplizen hatte. Ihre Nerven waren immer noch zum Zerreißen gespannt, sodass sie sich nicht genügend konzentrieren konnte, um ihm richtig zuzuhören, und so fanden nur Worte und Satzfetzen den Weg in ihren Verstand.
„Kein Einzelner. Organisiert.“
„Notfall.“
„Musste sie da rausholen.“
„Nein.“
„Zu früh. Müssen rauskriegen, was da los ist.“
„Okay.“
„Koordinaten. Hauptstraße.“
Ein nicht greifbarer Gedanke oder eher das Gefühl, die Stimme ihres Retters und die ungewöhnliche Betonung der Silben, mit der er sprach, schon mal wahrgenommen zu haben, wollte in ihren Verstand eindringen. Sie war jedoch zu aufgeregt, um diesen Eindruck gedanklich festzuhalten und ihn weiter zu verfolgen.
Mit zitternden Fingern stützte sie sich stärker an der Wand ab. Wenn doch bloß ihre Rippen nicht so verdammt wehtun würden.
Es klickte. Das Gespräch war offenbar beendet.
„Kannst du laufen?“, fragte er leise an ihrem Ohr, und Antonia nickte, ohne zu denken.
„Gut. Wir werden uns jetzt langsam und unauffällig von diesem gemütlichen Ort entfernen und uns möglichst unsichtbar Richtung Hauptstraße bewegen. Du bleibst dicht hinter mir, und sollte uns jemand begegnen, werden wir ein eng umschlungenes Liebespaar spielen“, murmelte er. „Versuch keinen Scheiß, Mädchen. Die Kerle sind garantiert noch in der Nähe und sie sind bewaffnet. Das sind Männer, die weder Polizisten noch Zeugen mögen. Wenn sie uns erwischen, bringen sie uns beide um. Ich hoffe, das ist dir klar.“
Antonia keuchte auf und nickte hektisch. Er packte sie an den Oberarmen, zog sie hoch und sie zischte vor Schmerz. Er runzelte die Stirn, kommentierte ihren Schmerzenslaut aber nicht. Mit hartem Griff umschloss er ihr rechtes Handgelenk und ging los. Antonia blieb nichts anderes übrig, als ihm zu folgen. Sie stiegen die Treppenstufen zur Straße hinauf, und sie biss die Zähne zusammen, um nicht zu jammern, denn in ihren Rippen und ihrem Bauch zog es so schmerzhaft, dass sie sich am liebsten zusammenkrümmen wollte. Tränen sammelten sich in ihren Augen.
Oben angekommen, blieb er stehen und sah sich nach rechts und links um. Alles war still. Kein Auto. Kein Mensch. Sie starrte auf seinen Rücken. Jetzt erkannte sie ihn. Das war ja … Fassungslos riss sie die Augen auf, als sie begriff, wen sie da vor sich hatte. Ihr Retter war der Obdachlose, dem sie bereits zweimal an diesem Tag begegnet war. Ihr Verdacht vom Vormittag war richtig gewesen. Er war ein Dieb. Deshalb wollte er sich auch jetzt vor der Polizei verstecken.
Sie liefen die schmale Seitenstraße entlang zur Hauptstraße. Es war der gleiche Weg, den sie vorher mit Enrico gegangen war.
Der Schmerz in ihren Rippen ließ kein echtes Laufen zu. Sie hing mehr an der Hand ihres Retters, als dass sie mitlief. Auch fühlte sich ihr Gesicht ganz seltsam an, aber sie hatte keine Zeit, es zu betasten. Er kannte kein Erbarmen. Sein Griff um ihr Handgelenk war eisenhart.
Kurz bevor sie die Hauptstraße erreichten, leuchteten plötzlich Scheinwerfer in ihre Richtung. Ihr Retter schubste sie in einen Hauseingang und drückte sie mit seinem Körper gegen die Wand. Sein Brustkorb presste sich gegen ihre Brüste, seine Bartstoppeln drückten in ihre seltsam empfindliche und gleichzeitig unter der Haut gefühllose Wange. Seine Lippen berührten ihr Ohrläppchen. Sie spürte das Klopfen seines Herzens und seine trotz allem nicht hektischen Atemzüge. Sie roch seinen ungewöhnlichen Duft und spontan dachte sie an … Natur? Wald? Tiere? Holz? Klebstoff?
Das Auto fuhr an ihnen vorbei und ihr Retter löste sich von ihr. Erneut packte er sie am Handgelenk und sie liefen weiter. An der Straßenecke blieb er stehen und zwang sie, hinter ihm zu bleiben. Wieder roch sie seinen total seltsamen, aber nicht unangenehmen Geruch, der definitiv nicht zu einem Obdachlosen in der Stadt passte.
„Da ist er“, murmelte er, zog sie mit einem Ruck weiter zu einem Van und öffnete die Schiebetür, bevor Antonia die Werbeaufschrift unter den Fenstern des Wagens lesen konnte.
Er schubste sie hinein. „Auf den Boden“, knurrte er, stieg hinter ihr ein und zog die Tür zu.
Antonia stöhnte unwillkürlich auf, als ihre Rippen gegen den Rand der Sitzbank gepresst wurden, und biss die Zähne fest zusammen, um nicht noch einen Laut hinauszulassen.
In der Dunkelheit konnte sie vom Fahrer nur breite Schultern und den Hinterkopf mit kurzen Haaren sehen. Ihr Retter kauerte hinter ihr ebenfalls auf dem Boden und hielt sie im Arm, an seinen Körper gepresst.
Sie fuhren los.
„Achte darauf, ob uns jemand folgt“, befahl er und der Mann am Steuer lachte trocken und unaufgeregt.
„Gut, dass du mir das sagst, ich wäre von allein nicht darauf gekommen.“
„Klugscheißer.“
Kannte sie die Stimme des Fahrers? Der Gedanke schoss durch ihren Kopf, aber sie war geschockt und die Schmerzen erlaubten kein klares Denken, so vergaß sie die Frage.
Plötzlich bremste der Wagen scharf und bog um eine Kurve. Antonia zischte vor Schmerz und packte reflexartig mit beiden Händen den Unterarm ihres Retters, mit dem er sie über ihren Brüsten an seinen Körper presste. Sie wollte das nicht, aber sie konnte auch nicht wieder loslassen. Es war wie der Reflexgriff eines Säuglings, als würde sie in ein tiefes Loch stürzen, wenn sie losließe.
Der Wagen fuhr abwechselnd langsam und schnell. Mal war der Motor leise, mal heulte er auf, als ob der Fahrer Vollgas geben würde, und mehrmals bogen sie so scharf ab wie beim ersten Mal.
„Keine Verfolger“, brummte er schließlich und normalisierte seinen Fahrstil. „Ich bringe euch jetzt zu ihr.“
„Okay.“
Schon wieder der Gedanke, sie könnte den Mann kennen. Aber das war unmöglich. Vielleicht ähnelte die Stimme nur der von irgendjemandem, den sie kannte.
Antonia wagte es, den Kopf zu heben. Straßenlaternen und das Scheinwerferlicht anderer Autos erhellten das Innere des Wagens etwas. Er hatte gesagt: Zu ihr. Fuhren sie zu einer Frau?
Plötzlich identifizierte sie den intensiven Geruch nach Holz. Das Auto roch danach, als ob frisch gesägtes Holz darin transportiert worden wäre, und sie kapierte, dass sie einen Hauch des gleichen Duftes bereits an der Kleidung ihres Retters gerochen und dabei an Natur gedacht hatte.
Holz? Hatte sie Halluzinationen?
„Ste…“, begann der Fahrer, und ihr Retter unterbrach ihn mit einem rüden „Shut up!“.
„Was …“
„Noch nicht!“
Der Fahrer schnaubte. „Das ist bescheuert. Du musst …“
„NOCH NICHT!“
„Na gut. Wie der große Schlaumeier befehlen.“
Stille.
Antonia schluckte. Irgendwie hörte sich das Streitgespräch nicht wirklich gefährlich an, und sie traute sich, den Mund zu öffnen. „Wer seid ihr?“
„Deine Glücksbringer“, antwortete ihr Retter, und seine Stimme klang so bedrohlich knurrend, dass sie augenblicklich wieder die Lippen fest zusammenpresste, anstatt seine Antwort zu kommentieren.
Der Fahrer lachte und schüttelte den Kopf.
Stille.
Antonias Körper begann, zu zittern. Erst jetzt wurde ihr bewusst, wie fest ihr Retter sie hielt und wie angespannt sie die ganze Zeit war. Sie konnte sich keinen Millimeter von ihm wegbewegen und ihr Körper war so starr wie ein Holzbrett. Immer noch klammerten sich ihre Hände an seinen Arm. Sie zitterte, weil die Muskelfasern keine Kraft mehr hatten, aber sie konnte sich auch nicht entspannen und sich an ihn lehnen, wonach sich, so widersinnig es auch war, ganz tief in ihrem Kopf irgendein Teil ihres Ichs sich sehnte.
Der Wagen bremste. „Wir sind da“, murmelte der Fahrer.
Ihr Retter löste seinen Schraubgriff und ihre Hände lösten sich von seinem Arm.
„Dein Schlüssel“, forderte er und zerrte am Riemen ihrer Handtasche, der immer noch über ihrer Schulter hing.
Erstaunt sah Antonia ihm zu. Ihr war nicht bewusst gewesen, dass sie ihre Tasche die ganze Zeit bei sich getragen hatte. Er öffnete sie, wühlte darin herum und holte ihren Schlüsselbund heraus. Dann stand er auf, schob die Tür auf und sprang raus.
„Komm.“ Er griff nach ihrem Arm und zog sie mit.
Sie wehrte sich nicht, doch als sie ausstieg, krümmte sie sich vor Schmerz unwillkürlich zusammen und stöhnte. Sie verlor das Gleichgewicht.
„Fuck“, fluchte ihr Retter, fing sie auf und stützte sie.
Sie sah auf und ihre Augen wurden groß. Sie standen vor ihrem Haus. Die Männer hatten sie nach Hause gebracht, und nicht irgendwohin entführt.
„Ich helfe dir“, murmelte ihr Retter und sie gingen nebeneinander langsam zur Tür.
Sie hörte, dass das Auto wieder losfuhr und sich entfernte. Sie war wieder allein mit dem dubiosen Obdachlosen, der nichts mit der Polizei zu tun haben wollte, sie aber gerettet hatte. Fast musste sie lachen, so konfus war die Situation, in die sie an diesem Abend geschleudert worden war. Doch der Humor verging ihr schnell wieder, denn jeder Schritt tat weh, und Antonia konnte nicht anders, als sich schwer auf seinen Arm zu stützen.
Er schloss auf. „Welcher Stock?“
„Der erste.“
Langsam stiegen sie die Treppe hinauf und blieben vor ihrer Wohnungstür stehen.
Er steckte den Schlüssel ins Schloss, drehte ihn um, die Tür sprang auf, er schob sie vor sich her hinein und ließ sie los.
Die Tür klappte zu, und eine Sekunde lang glaubte Antonia, er wäre gegangen und hätte sie allein gelassen.
Doch dann marschierte er an ihr vorbei, ließ den Schlüsselbund auf das Sideboard neben der Garderobe fallen, drückte auf den Lichtschalter, öffnete sämtliche Zimmertüren und sah sich in der Wohnung um. Sie lehnte an der Wand, beobachtete ihn und wusste nicht, ob sie froh oder entsetzt darüber war, dass er sie nicht allein ließ, sondern die Räume inspizierte, als würde er bei ihr einziehen.

Verflucht, als sie auf der Straße unterwegs gewesen waren, hatte Mason ihren Zustand als weniger schlimm eingestuft. Sie hatte sich still verhalten und kaum einen Ton von sich gegeben. Jetzt fragte er sich, ob sie die Frau in ein Krankenhaus hätten bringen müssen. Sie war blass, krümmte sich zusammen und presste die Lippen so fest aufeinander, dass sie wie eine gerade Linie wirkten.
Er würde sich ihre Verletzungen ansehen und dann entscheiden, ob er den Notruf wählen und einen Krankenwagen anfordern würde. Erst mal musste sie sich hinlegen. Wo war ihr Bett?
Er öffnete alle Türen und sah sich um. Links war die Küche, die erste Tür rechts führte in das Wohnzimmer, gegenüber befand sich ein Bad, daneben war das Schlafzimmer. Er schaltete das Licht an, stieß die Tür weit auf, ging hinein und schob die Bettdecke zur Seite. Dann kehrte er zu Antonia zurück. Sie lehnte immer noch gekrümmt neben der Eingangstür an einem Sideboard.
„Komm.“ Er fasste sie an den Armen und wollte sie in Richtung Schlafzimmer schieben, doch sie machte sich steif. „Lass mich los.“
„Du musst dich hinlegen.“
„Nein!“
„Ich tu dir nichts.“
„LASS MICH!“ In ihren weit aufgerissenen Augen tobte eindeutig Panik. Er ließ sie los, trat einen Schritt zurück und hob besänftigend die Hände. „Mädel, wenn ich dich vergewaltigen wollte, hätte ich dich bestimmt nicht in deine Wohnung gebracht, sondern …“
„Verschwinde! Hau ab! Lass mich in Ruhe!“
„Du kannst kaum noch stehen! Du musst dir helfen lassen!“
„NEIN!“
Sie drehte sich weg und bewegte sich mit kleinen mühsamen Schritten an ihm vorbei zur Wohnzimmertür. Regungslos sah er zu, wie sie sich dabei an der Wand abstützte und das Licht im Raum anschaltete. Statt ihn anzusehen, blickte sie starr geradeaus, als ob sie sich extrem konzentrieren würde, als sie in kleinen Schritten auf den am nächsten erreichbaren Sessel zuging und sich vorsichtig hinsetzte.
Irritiert beobachtete er ihre versteinerte Mimik.
Was war mit ihr los? Bis eben war sie doch noch ganz kooperativ gewesen. Hatte sie Angst, dass er sie zum Reden über ihr falsches Spiel gegenüber ihrem Chef zwingen würde?
Innerlich schnaubte er. Diese Angst wäre berechtigt. Er war schon sehr gespannt darauf, zu hören, was sie mit dem Italiener zu tun hatte. Aber vorher musste er wissen, wie schwer sie wirklich verletzt war.

*

Bitte, bitte verschwinde, lass mich allein, betete Antonia im Geiste und hoffte, ein Wunder würde geschehen und ihr dubioser Retter würde sich einfach in Luft auflösen. Doch das passierte nicht. Er trat einen Schritt auf sie zu, und sie hob ruckartig die Hände, um ihn abzuwehren. Fieser Schmerz schoss durch ihren Brustkorb, sie konnte einen Schmerzenslaut, der an das Fiepen eines Meerschweinchens erinnerte, nicht unterdrücken. Reflexartig presste sie den Arm auf den verletzten Rippenbereich.
Plötzlich machte er einen schnellen Schritt auf sie zu. „Schluss mit dem Theater, du gehörst ins Bett.“ Er packte ihre Arme und zwang sie, aufzustehen, trat hinter sie, umfasste dabei ihren Brustkorb und schob sie vor sich her zum Schlafzimmer.
Oh nein! Sie keuchte, aber ihr Zustand erlaubte ihr nicht, sich zu wehren.
„Hinlegen“, blaffte er, drehte sie um, drückte sie auf die Bettkante, hob ihre Beine an und schob sie in die Liegeposition.
Sie konnte nicht mehr denken. Der Schmerz und sein übergriffiges Benehmen waren einfach zu viel. Sie machte sich steif, wie ein Stück Holz, obwohl das ihre Schmerzen verschlimmerte, aber sie konnte nicht anders. Es war wie ein Reflex, der ihren Verstand ausschaltete und ihren Körper steuerte. Der unbedingte Wille, sich wieder aufzurichten, ließ sich nicht unterdrücken. Sobald er einen Schritt zurücktrat, biss sie die Zähne fest aufeinander und hob den Oberkörper.
Er schubste gegen ihre Schultern. „Verflucht! Es reicht! Deine Rippe ist wahrscheinlich angebrochen, leg dich verdammt noch mal hin!“
Ihr Körper agierte wie eine Maschine, die keinen Verstand besaß. Sie hörte nicht auf ihn, sondern versuchte erneut, aufzustehen. Es war wie ein Zwang. Die Panik davor, dem fremden Mann die Kontrolle über die Situation zu überlassen, steuerte ihr Handeln. Sie musste sitzen oder, noch besser, stehen, um sich zu verteidigen. Doch sie verlor das Gleichgewicht und kippte nach vorn. Er sprang auf sie zu und konnte sie gerade noch auffangen.
Er bugsierte sie zurück auf das Bett und hielt sie mit festem Griff an den Schultern unten. „Du bleibst jetzt liegen. Wenn du noch einmal versuchst, aufzustehen, binde ich dich auf der verdammten Matratze fest!“
Ihr Herzschlag verdreifachte sich. „Ich kann das nicht!“, heulte sie auf. Sie keuchte, und ihre Finger krampften sich in das Laken, als könnte sie sich daran festhalten.
Er runzelte die Stirn, ließ sie aber nicht los. „Was kannst du nicht?“
„Liegen. Das geht nicht!“
„Warum nicht?“
„Ich kann es einfach nicht! Lass mich los! Ich brauche … die … die … Kontrolle!“
„Worüber?“, fragte er perplex. „Über mich?“
„Über … über … über alles, was passiert, verdammt“, stotterte sie.
„Bullshit. Du musst liegen, sonst gar nichts.“ Sein Griff lockerte sich nicht.
Sie zappelte, gleichzeitig stöhnte sie vor Schmerz. Sie konnte nicht denken, sie wusste nur, dass sie sich unbedingt befreien musste, doch er hielt sie unerbittlich unten und wartete einfach nur ab, als wäre Zeit kein Maßstab für ihn. Als endlich auch ihr Instinkt begriff, dass sich ihr Körper völlig umsonst verausgabte, weil sie keine Chance gegen den viel kräftigeren Mann hatte, gaben ihre Muskeln nach.
Plötzlich war ihr verwirrter Verstand froh, einfach aufzugeben, denn sie war mit ihrer Kraft im wahrsten Sinne des Wortes am Ende. Sie atmete zitternd aus. Ihr Herzschlag normalisierte sich.
„So ist es besser! Sieh mich an!“ Er nahm langsam eine Hand von ihrer Schulter und umfasste fest ihr Kinn. „Sieh in meine Augen!“
Reflexartig gehorchte sie.
„Du. Bleibst. Liegen. Du bist bei mir sicher. Niemand kommt an dich ran. Ich passe auf. Keine Diskussion mehr. Keine andere Möglichkeit. Hast du das verstanden?“
Sie konnte nur andeutungsweise nicken, und er ließ sie so langsam los, als erwartete er, jederzeit erneut zupacken zu müssen.

*

Verflucht, was war mit ihr los? Sie hatte in den letzten beiden Stunden so viel Willenskraft, Disziplin und Selbstbeherrschung gezeigt, und nun geriet sie so sehr in Panik? So einen plötzlichen Umschwung hatte Mason noch nie bei einem Menschen erlebt, und als Dom erlebte man so einiges mit seinen Spielpartnern.
Jetzt schien sie zur Ruhe zu kommen. Sie bewegte sich nicht mehr und ihr Blick klebte an seinem, doch ihr Körper bebte immer noch.
Er setzte sich auf den Bettrand, legte seine Hände um ihre Unterarme und atmete tief aus. „Mädel, ich weiß nicht, was du gerade für ein Problem hast, aber wir müssen es lösen. Entweder sehe ich mir jetzt deine Verletzungen an, oder ich rufe einen Notarzt, der sie sich anguckt.“
„Kein Arzt!“ Sie keuchte.
Er runzelte die Stirn. „Eine Ärztin?“
„Nein! Niemand! Geh weg. Verschwinde aus meiner Wohnung.“
„Keine Chance. Entweder Arzt oder ich.“
„Kein Arzt!“
„Dann lässt du dir jetzt von mir beim Ausziehen helfen.“
„Nein!“
Er stand auf. „Okay, doch Notarzt.“
„Nein!“
Er verschränkte die Arme vor der Brust und sein Blick war durchdringend. „Ich werde nicht dabei zusehen, wie du an inneren Blutungen verreckst. Entweder untersucht dich ein Arzt, oder ich tu es. Entscheide dich jetzt.“
Sie starrte ihn an. „Warum kannst du nicht einfach verschwinden?“, heulte sie, doch ihr Blick war wieder klar; sie dachte wieder und wurde nicht mehr von Panik geleitet.
„Keine Chance.“
Sie stöhnte. „Okay.“
Na also. Erleichtert setzte er sich wieder. „Runter mit den Klamotten. Halt einfach still und lass mich machen, dann tut es am wenigsten weh.“
Sie presste die Lippen aufeinander, und es war deutlich zu sehen, wie sehr sie sich überwinden musste, ihm ein knappes Nicken zu schenken.
Und trotzdem entdeckte er in ihren Augen jetzt Vertrauen. Vielleicht bildete er sich das ein, aber nachdem er sie während ihrer Panikattacke nur festgehalten hatte, ohne ihr irgendetwas zu tun, schien sie zu kapieren, dass er ihr nur helfen wollte.
Fuck, sie sprach mit ihrem Verhalten seine sadistische Ader an. Es erregte ihn, ihren Widerstand gebrochen zu haben und ihr Vertrauen zu gewinnen. Ganz blöde Anwandlung, die konnte er gerade gar nicht gebrauchen, denn schließlich war sie keine Sub in seinem Club, sondern eine verletzte Frau, die nichts mit SM zutun hatte.
Ärgerlich über sich selbst, konzentrierte er sich auf seine Aufgabe, knöpfte die Reste ihrer Bluse auf und half ihr sanft, sie auszuziehen. Darunter trug sie einen BH. Rechts im Rippenbereich schimmerte die Haut dunkelblau. Der Reißverschluss ihres Rockes war an der Seite. Vorsichtig öffnete er ihn und zog den Stoff nach unten. Nun trug sie nur noch einen züchtigen weißen Slip. Sie presste die Beine zusammen. Ob sie mal vergewaltigt worden war? War sie deswegen so panisch?
„Du musst keine Angst vor mir haben. Ich schwöre, ich will mir nur deine Verletzungen ansehen.“
„Ich weiß“, presste sie hervor.
„Gut. Dann halt still und versuch, dich zu entspannen.“
„Mach endlich.“
Er seufzte. „Ich taste jetzt deinen Bauch und deine Rippen ab, einverstanden?“
Sie nickte und ihre Hände ballten sich dabei zu Fäusten.

*

Antonia wollte vor Scham im Boden versinken. Wenn dieser heruntergekommene Obdachlose sehen würde, dass ihr Höschen durchnässt war, würde er sie entweder auslachen oder über sie herfallen.
Sie konnte nicht mehr. Sie hatte keine Kraft mehr. Das alles war viel zu viel. Der Überfall, die Angst, die Flucht mit diesem Menschen und seinem Freund, jetzt die Nähe, der Kontrollverlust, den sie nicht ertragen konnte, während gleichzeitig sein zwingender Blick, sein Befehlston sie erregten, wie noch nie vorher ein Mann es getan hatte. So plötzlich und unangekündigt die erregende Wirkung seiner Dominanz zu spüren, brachte sie vollends aus der Fassung. Sie war verletzt, hatte Schmerzen, und trotzdem erregte es sie, ihm ausgeliefert zu sein. Plötzlich traute sie ihm, sie hatte keine Angst mehr vor ihm, sondern wollte seinen festen Griff spüren, um sich sicher zu fühlen. Ihre heimlichsten Fantasien wurden lebendig. Sie war von einer Minute zur anderen so sehr erregt, dass es in ihrer Klit aufdringlich pulsierte.
Das war irre! Total unrealistisch! Spielten ihre Hormone wegen dem Stress und der überstandenen Gefahr mit dem Italiener so verrückt? Sie konnte sich nicht erklären, was mit ihr passierte, und fühlte sich völlig überfordert.
Sie wollte das alles nicht. Sie wollte jetzt aufwachen, in die Morgensonne gucken und feststellen, dass sie nur mies geträumt hatte.
Doch das geschah nicht. Stattdessen nahm sie mit jeder einzelnen Nervenfaser seine Berührungen wahr.
Seine Finger waren warm, seine Bewegungen ruhig und besonnen. Als hätte er Routine darin, jemanden zu untersuchen.
Als er endlich fertig war und seine Finger von ihrer Haut verschwanden, wusste sie nicht, ob sie erleichtert oder enttäuscht war. Gott! Sie war natürlich erleichtert! Zum Glück ließ er endlich von ihr ab und sie könnte endlich ihren Verstand zusammenkratzen.
Er zog die Decke über ihren Körper und sah ihr ins Gesicht. „Soweit ich es ertasten kann, sind deine letzten beiden Rippen nicht gebrochen, sondern nur geprellt. Damit wirst du eine Weile zu tun haben, aber es heilt von selbst. Deine Bauchdecke ist weich, und da dir auch nicht übel ist, denke ich, du hast keine inneren Verletzungen. Aber um sicher zu sein, müsstest du geröntgt werden.“
„Nein!“
Er runzelte die Stirn und musterte sie eindringlich. „Wovor hast du bloß so furchtbare Angst?“
Antonia schluckte. „Ich habe keine Angst, ich will bloß nicht“, murmelte sie, presste die Lippen zusammen und drehte den Kopf von ihm weg.
Stille.
Er ging nicht. Sein Blick kribbelte auf ihrer Haut. In ihrer Klit pulsierte es so aufdringlich, dass es sie nicht wundern würde, wenn er es hören könnte. OH NEIN! Das sollte aufhören!
Nach einer gefühlten Ewigkeit stieß er ein schnaubendes Geräusch aus und berührte sie am Unterkiefer. „Zeig mir deine Wange.“
Sie ließ widerwillig zu, dass er ihren Kopf in seine Richtung drückte. Dann betastete er vorsichtig ihren Kieferknochen und die Nase. „Das ist nur eine Prellung. Wir werden es kühlen.“
Er richtete seinen Oberkörper wieder auf und räusperte sich. „Ich bleibe auf jeden Fall bis morgen hier. Sollte es dir schlechter gehen, rufen wir doch einen Arzt.“
Sie antwortete nicht, sondern starrte an ihm vorbei an die Zimmerdecke. Was sollte sie auch sagen? Er machte ja doch, was er wollte.
Außerdem funktionierte ihr Verstand gerade nicht zuverlässig. Ihr war zum Heulen zumute. Wo war ihre verdammte, so lange antrainierte Selbstbeherrschung? Ihre Disziplin? Außerdem war sie müde. Erschöpft. Sie hatte einfach keine Kraft mehr. Nie in ihrem Leben waren ihre Gefühle innerhalb kürzester Zeit so rabiat Achterbahn gefahren. Das kostete unglaublich viel Energie – die sie nicht hatte.
„Hast du Eis?“, fragte er.
„Was?“
„Eis.“ Er deutete auf ihre Wange und ihren Körper. „Zum Kühlen.“
Was wollte er? Unwillkürlich legte sie eine Hand an ihr Gesicht und betastete die Schwellung. Ja, das sollte sie kühlen. Sie wollte sich aufrichten.
„Liegen bleiben, verdammt noch mal! Das kann doch nicht so schwer sein!“
„Doch. Das kann es!“, fauchte sie.
Kaum waren ihr die Worte herausgerutscht, presste sie die Lippen wieder zusammen, um bloß nicht noch mehr zu sagen.
Sie wusste nicht, was schlimmer war: das Gefühl, keine Kontrolle über das Geschehen zu haben und einem anderen Menschen ausgeliefert zu sein, oder die Peinlichkeit, dass dieser erzwungene Kontrollverlust sie über alle Maßen erregte. Sie wusste nur, dass die Erschöpfung ihre Gedanken immer konfuser werden ließ.
„Küche“, presste sie hervor.
Er stand auf und hob drohend den Zeigefinger. „Ich fessele dich ans Bett, wenn du nicht liegen bleibst.“
Ohne eine Antwort abzuwarten, verließ er das Schlafzimmer.
Seine Worte wirkten nach. Wie ein Echo tobten sie durch ihren Körper bis in ihren Unterleib. Fesseln. Musste er jetzt auch noch so was sagen?
Antonia überlegte, aus dem Fenster zu springen, um der Situation zu entgehen, und wartete gleichzeitig wie eine Süchtige darauf, dass dieser Mann wiederkam und sie weiterhin dazu zwang, ihm die Führung zu überlassen.
Das war verrückt. Total verrückt!

*

Mason fand in ihrem Kühlschrank Eiswürfel und suchte in ihren Schränken nach Plastikbeuteln.
Diese Frau musste die personifizierte Disziplin sein. Noch nie hatte er eine derart saubere und aufgeräumte Wohnung gesehen. Selbst in den Schubladen lag alles akkurat geordnet nebeneinander. Auf einem Block hatte sie eine Einkaufsliste notiert. Ihre Handschrift wirkte wie gemalt. Wenn sie genauso sorgfältig arbeitete, wie sie ihre Wohnung aufräumte und Einkaufszettel schrieb, war es kein Wunder, dass Steven so große Stücke auf sie hielt. Allerdings fehlte ein bisschen Luxus. Die Wohnung war zwar picobello sauber und ordentlich, aber sehr schlicht eingerichtet. Keine teuren Elektrogeräte in der Küche, keine exklusiven Möbel, kein moderner Fernseher, nichts, was darauf hinwies, dass sie einen verantwortungsvollen Job mit entsprechendem Einkommen hatte. Zahlte Steven denn so schlecht? Dann war es ja geradezu plausibel, dass sie sich einen Nebenverdienst gesucht hatte und dadurch in die Fänge der Organisierten Kriminalität geraten war.
Er fand Gefrierbeutel, holte zwei aus der Verpackung und füllte je eine Handvoll Eiswürfel hinein. Dann umwickelte er die Beutel mit Geschirrhandtüchern, von denen ein ganzer Stapel in einem Hängeschrank über dem Geschirrspüler lag.
Er kehrte mit den Eisbeuteln ins Schlafzimmer zurück, und schon wieder zuckte ihr Oberkörper hoch, als ob im Bett zu liegen etwas Unanständiges wäre, bei dem man sich nicht erwischen lassen durfte. Damn! Was für ein seltsames Weib.
Aber attraktiv. Interessante Gesichtszüge. Undurchschaubare Mimik, große Augen, heiße Figur, ansprechende Brüste.
„Liegen bleiben, Lady. Immer noch.“
Sie schnaubte, verkniff sich aber eine Antwort. Stattdessen versuchte sie, ihn mit Blicken zu töten. Gesichtsausdrücke dieser Art war Mason von rebellischen Subs gewohnt und er liebte sie. Grinsend zwinkerte er ihr zu. „So ist es brav.“
Fuck. War das etwa der Grund für ihr seltsames Verhalten? Machte es sie an, von ihm dominiert zu werden, und hatte sie Angst, dass er das merken und ausnutzen könnte?
Sein Schwanz zuckte. OH NO! Diesen Gedanken auf keinen Fall weiterdenken. Diese Frau befand sich in einer absoluten Ausnahmesituation, und er wusste ja auch noch nicht, ob sie ihren Arbeitgeber, seinen Cousin, belog und betrog. Mit ihr etwas anzufangen, lag außerhalb des Möglichen.
Er legte die Eisbeutel auf dem Nachtschrank ab. „Du brauchst etwas zum Anziehen.“
Ohne auf eine Antwort zu warten, öffnete er die Türen ihres Kleiderschranks. Auch hier lagen sorgfältig gefaltete Pullover und Shirts millimetergenau übereinandergestapelt in den Regalfächern. Wo lernte man so was? Mason konnte noch nicht mal seine Sachen ordentlich falten!
Er zog ein schlichtes weißes T-Shirt aus einem Regalfach und trat damit zurück ans Bett. „Ich helfe dir, es anzuziehen.“
„Das kann ich all…“
„Shut up!“
Sie murmelte etwas, was sich entfernt wie Arschloch, aber nicht wie der Beginn eines neuen Panikanfalls anhörte. Das erleichterte ihn extrem.
Amüsiert zog er die Decke ein Stück zurück und half ihr, sich aufzurichten, damit er an ihrem Rücken den BH öffnen konnte. Das Ding rutschte herab und Masons Blick fiel für einen kurzen Moment auf sehr hübsch anzusehende, steif aufgerichtete Nippel. Wow … Sie war erregt. Stopp! Keine falschen Schlüsse ziehen. Das konnte auch andere Gründe haben. „Ist dir kalt?“
„Nein“, fauchte sie.
Fast musste er lachen. Natürlich nicht. Es war schließlich Hochsommer.
Er sparte sich einen Kommentar oder eine weitere Frage, denn jede Idee von sexueller Handlung zwischen ihnen war nicht geplant, nicht sinnvoll und sollte auf keinen Fall weitergedacht werden, denn sie war absolut unpassend.
Während er ihr half, das T-Shirt anzuziehen, zwang er sich, nicht mehr auf ihre Brust zu glotzen. Dann drückte er sie sanft wieder in die Waagerechte und strich ihr ein paar Haarsträhnen aus der Stirn. Er nahm einen der Eisbeutel, hob die Decke an und legte ihn vorsichtig auf ihre verletzten Rippen. Sie zuckte, jammerte aber nicht.
Den anderen platzierte er an ihrer geschwollenen Wange. Sie griff danach und hielt ihn an Ort und Stelle.
Nachdenklich musterte er sie. „Wer waren die Typen?“
„Das weiß ich nicht.“
„Bullshit.“
„Der eine hat mich heute Mittag angesprochen und zum Essen eingeladen. Er nannte sich Enrico Bruno. Mehr weiß ich nicht, ich hatte ihn vorher noch nie gesehen.“ Sie runzelte die Stirn „Wer bist du überhaupt? Warum warst du da?“
Mason überlegte. Sollte er ihr die Wahrheit sagen? Nein. Das war zu früh. Er glaubte ihr nicht. Er hatte schließlich beobachtet, wie sie sich am Mittag mit Bruno getroffen hatte, sie hatte ihn garantiert gekannt. Er würde am Morgen mit Steven und Tyler sprechen, dann konnten sie gemeinsam entscheiden, wie sie mit dieser Frau umgehen wollten.
Er zuckte mit den Schultern. „Ich war zufällig in der Nähe und habe dich schreien hören.“
Sie lag jetzt still vor ihm. Ihr Blick zuckte hin und her, wich seinem konstant aus. Hatte sie doch noch Angst vor ihm? Oder hatte sie vor etwas ganz anderem Angst? Log sie ihn an?
Er fasste an ihr Kinn und zwang sie, ihm direkt in die Augen zu sehen. „Erpresst dieser Typ dich? Erwartest du, dass er uns heute Nacht hier in deiner Wohnung besucht? Fordert er irgendwas von dir?“
„Nein!“
Er ließ sie los. „Wovor hast du dann Angst? Vor mir?“
„Ich habe keine Angst.“
„Du lügst! Du bist so verkrampft wie ein tiefgefrorenes Steak, und deine Panik vorhin war auch nicht normal.“
„Ich hasse es bloß, hier so dämlich rumzuliegen und einen Mann in der Wohnung zu haben, den ich nicht kenne.“
Jetzt funkelte Trotz in ihren Augen, und das stachelte erneut die Seele des dominanten Sadisten in ihm an. Er musste an ihre aufgerichteten Nippel denken. Ob sie auch feucht war?
Verflucht! Scheiß Gedanken. Total überflüssig.
„Wenn ich dir etwas tun wollte, hätte ich das längst getan, und das weißt du.“ Er stand auf. „Versuch, zu schlafen. Ich werde heute Nacht mehrmals reinkommen und deine Vitalfunktionen überprüfen, damit wir sicher sein können, dass du nicht doch innere Verletzungen hast.“
„Ich will …“
Er hob die Hand. „Es interessiert nicht, was du willst. Du bleibst liegen und schläfst.“
„Ich muss …“
„Du sollst lie…“
„ICH MUSS ZUM KLO! VERDAMMT!“
Ein unwiderstehlicher Lachreiz ließ sich nicht unterdrücken. Er gluckste.
„DAS IST NICHT lustig!“
„Du hast recht. Entschuldige. Ich helfe dir.“ Er hob die Hände, um sie zu stützen.
„NICHT!“
Mason verdrehte die Augen. „Shut up, girl! Hör endlich auf mit dem Zirkus. Bei einer Rippenverletzung schmerzt das Anspannen der Muskeln bei Bewegung am meisten, also lass dir helfen und versuch, locker zu lassen.“ Er griff zu und stützte sie. Sie presste die Lippen zusammen, wehrte sich aber nicht mehr.

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