Wenn es dunkel wird im Märchenwald: König Drosselbart

Erschienen: 11/2017
Buchtyp: Novelle
Serie: Wenn es dunkel wird im Märchenwald

Genre: Soft-SM / BDSM
Zusätzlich: Contemporary, Millionärsromanze

Location: Odenwald


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-285-2
ebook: 978-3-86495-344-6

Preis:
Print: 19,90 €[D]
ebook: 2,99 €[D]

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Wenn es dunkel wird im Märchenwald: König Drosselbart


Inhaltsangabe

Isabella König ist ein verhätscheltes Früchtchen, doch mit Alexander van Drossel hat sie den Falschen beleidigt. Dabei sind die beiden einander niemals begegnet. Der Unternehmer setzt alles daran, dieser verwöhnten "Prinzessin" eine Lektion fürs Leben zu erteilen. Auch Alfred König, der Anwalt, der den Nachlass von Alexanders verstorbenem Vater verwaltet, verzweifelt fast an der Herzlosigkeit seiner Tochter. Er verliert die Geduld mit Isabella und schickt sie als Hilfskraft zu Alexander in den Odenwald. In dem Glauben, es mit einem armen Schlucker zu tun zu haben, geizt sie nicht mit Unverschämtheiten, doch schon bald brennt nicht nur ihre Kehrseite, sondern steht auch ihr Herz in Flammen ...

Auch als Gesamtausgabe mit vier weiteren Märchen-Adaptionen in der Anthologie "Wenn es dunkel wird im Märchenwald ...3" erhältlich. 

Über die Autorin

Wenn Mia Wagner nicht gerade selbst an erotischen Liebesgeschichten sitzt, inhaliert sie förmlich die Bücher anderer Autorinnen. Sie genießt die Flucht aus der Realität und lässt sich den ganz normalen Wahnsinn des Lebens mit sinnlichen-erotischen Romanen versüßen.

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Weitere Teile der Wenn es dunkel wird im Märchenwald Serie

Leseprobe

Ein König hatte eine Tochter, die war über alle Maßen schön, aber dabei so stolz und übermütig, daß ihr kein Freier gut genug war. Sie wies einen nach dem andern ab und trieb noch dazu Spott mit ihnen. Der König ward zornig und schwor, sie sollte den ersten besten zum Mann nehmen, der vor seine Türe käme …

„Ich möchte Sie bitten, eine Verabredung mit Isabella für mich zu arrangieren.“

Alfred König sah nach Alexanders Ersuchen von den Unterlagen auf und wirkte vollkommen vor den Kopf gestoßen. Als Anwalt war er sicher nicht auf den Mund gefallen, doch nun registrierte Alexander, wie...

...verzweifelt der ältere Mann hinter dem Schreibtisch nach Worten rang. Das versetzte ihm einen leichten Stich, denn er ahnte bereits, was in Alfred vor sich ging. Sein Anwalt haderte offenbar bei der Vorstellung, seine wunderschöne Tochter mit ihm zu verkuppeln. Seit dem schweren Unfall vor einigen Jahren musste Alexander mit einer schlimmen Entstellung zurechtkommen, die sein einstmals gutes Aussehen größtenteils zerstört hatte.

Mittlerweile hatte er sich an seinen Anblick im Spiegel gewöhnt. Der seelische Heilungsprozess gestaltete sich am langwierigsten, da wurde die Optik irgendwann zweitrangig. Die Folgen des Unglücks hatten ihn von jetzt auf gleich aus seinem regen gesellschaftlichen Leben gerissen. In logischer Konsequenz erfolgte erst mal ein vollständiger Rückzug aus der Öffentlichkeit. Niemand besaß die Stärke, permanent mitleidige oder angeekelte Blicke zu ertragen. Auch er nicht.

Die gesellschaftliche Auszeit fand nach dem Tod seines Vaters vor einem Jahr ein jähes Ende. Martin van Drossel erlag völlig unerwartet einer Gehirnblutung, und als sein Sohn und Erbe musste er das Lebenswerk seines Vaters weiterführen. Mit gerade mal zweiunddreißig Jahren übernahm Alexander die Supermarktkette, die sein Vater in jahrelanger Arbeit aufgebaut hatte, und damit auch dessen Verpflichtungen. Er tat es nicht nur aus Verantwortungsbewusstsein heraus, für ihn war schon immer klar gewesen, dass er eines Tages den Platz von Martin van Drossel einnehmen würde, und er hatte hart an seiner Eignung gearbeitet. Nach dem Studium ging er für ein paar Jahre ins Ausland und kam irgendwann zurück, um ins Familienunternehmen einzusteigen. Er lernte den Ablauf in den Filialen kennen, füllte Regale auf, kümmerte sich um Warenwirtschaftssysteme und Personalplanung. Selbst zum Kassieren war er sich nicht zu fein.

Er wollte wissen, wie das Alltagsgeschäft funktionierte und fand zunehmend Gefallen daran. Dann passierte der Unfall und sein Leben stand für eine ganze Weile still. Mittlerweile war sein Selbstbewusstsein vollständig wiederhergestellt, seine Aufgaben als Inhaber nahm er in vollem Umfang wahr, nur in Gesellschaft fremder Menschen fühlte er sich immer noch nicht wohl. Aber er lernte, mit seinem Unbehagen umzugehen, und zeigte sich in der Öffentlichkeit. Einzig und allein mit der Presse konnte er sich nicht mehr arrangieren. Diese Schmierfinken von den Zeitungen hatten ihn einmal wegen seiner Narbe durch den Kakao gezogen. Ein zweites Mal würde das nicht passieren. Dafür hatte er gesorgt.

Unwillkürlich hob er die Hand und berührte die ausgeprägte Vertiefung auf seiner linken Wange, die sich bis hinunter zu seinem Kinn zog. Dadurch gewann man den Eindruck, es wäre schief, was durch den Bart, den er damals stehen ließ, zusätzlich forciert wurde. Ein besonders respektloser Fotograf schlich sich einige Monate nach dem Unfall aufs Gelände der Reha-Klinik und schoss ihn dort mit seiner Kamera ab. Der Paparazzo verkaufte die Bilder an ein Boulevardblatt, das ihm im anschließenden Bericht den hämischen Beinamen „König Drosselbart“ verpasste. Den Zeitungsmenschen verging das Spotten jedoch recht schnell. Martin van Drossel ließ sich das nicht bieten und hetzte diesem Käseblatt eine ganze Armada von Anwälten auf den Hals, um Alexander vor derartigen Berichterstattungen zu schützen. Bis heute durfte niemand mehr ohne seine ausdrückliche Genehmigung ein Bild von ihm veröffentlichen. Und bevor er die erteilte, würde die Hölle zufrieren.

Erneut berührte er sein Gesicht, während er darauf wartete, dass Alfred sich endlich äußerte, und das erste Mal seit langer Zeit haderte er mit seinem Aussehen und seinem damaligen verantwortungslosen Verhalten. Bei der erzwungenen Vollbremsung war er durch die Windschutzscheibe seines Wagens geflogen, weil er sich nicht angeschnallt hatte. Ihm wurde das Fleisch regelrecht von den Knochen gerissen. Zu allem Übel hatte sich die Wunde im Krankenhaus entzündet, was nicht gerade zum Heilungsprozess beitrug. Wenn man sich das vor Augen führte, hatten die Chirurgen sogar gute Arbeit geleistet, doch egal, wie oft er sich noch unters Messer legte, er würde nie wieder so aussehen wie früher. Er wollte sich keinen schmerzhaften Operationen mehr unterziehen, nur um minimale optische Verbesserungen zu erzielen. Stattdessen hatte er gelernt, sich zu akzeptieren.

Für einen winzigen Moment gestattete er sich ein Lächeln. Seinem Sexleben hatte es jedenfalls nicht geschadet. Seine Subs fanden ihn während der Kennenlernphase auf erregende Art beängstigend. Er sah ja auch furchterregend aus, mit der dunkel gebräunten Haut, den stechenden grünen Augen und der unschönen Gesichtshälfte. Umso süßer schmeckte es, wenn sie seine Narbe vergaßen und einfach nur den Mann in ihm wahrnahmen. Den Master, der ihnen sowohl Schmerz als auch unendliche Lust bescheren konnte. Vor seinem Unfall hatte er seine Sessions nie so intensiv erlebt. Er lebte bewusster, seit er dem Tod so knapp von der Schippe gesprungen war, denn ihm war durchaus klar, was für ein Glück er gehabt hatte.

Etwas Positives aus seinem Schicksal zu ziehen, hatte ihn eine Menge Geduld und etliche schlaflose Nächte gekostet. Vor allem, nachdem ihn seine Verlobte Tina wegen seines Aussehens verlassen hatte. Per SMS hatte sie ihn über das Ende ihrer Beziehung informiert. Mittlerweile bereute sie diesen voreiligen Entschluss. Sie ließ sich gerade zum dritten Mal scheiden, und wenn die Gerüchte stimmten, hatte ihr zukünftiger Ex ihr gesamtes Vermögen am Spieltisch durchgebracht.

Plötzlich schien sie sich doch mit dem Gedanken anfreunden zu können, mit einem „Monster“ zusammen zu sein – als solches hatte sie ihn in ihrer SMS bezeichnet –, denn vor ein paar Wochen tauchte sie in seiner Villa im Frankfurter Westend auf und flehte ihn für ihr damaliges Verhalten um Verzeihung an. Nach all den Jahren erhoffte sie sich einen Neuanfang. Lächerlich. Er bat sie höflich, sein Haus zu verlassen und sich einen anderen Dummen zu suchen. Eine Frau, die nicht einmal den Anstand aufbrachte, ihn persönlich über das Ende der Beziehung in Kenntnis zu setzen, kam für ihn nicht infrage, auch wenn er in gewisser Weise verstehen konnte, dass sie seinen Anblick nicht hatte ertragen können. Anfangs hatte es ihn ja selbst Überwindung gekostet, das eigene Spiegelbild länger als ein paar Minuten anzublicken. Heute verhielt es sich anders. Mittlerweile besaß er die Ausstrahlung eines reifen Mannes, und die Narbe verlieh ihm eine düstere Aura, die auf Frauen enorm anziehend wirkte.

Alfred Königs Seufzen riss Alexander aus seinen Gedanken. „Alexander, wollen Sie das wirklich? Sie sind meiner Tochter doch noch nie begegnet.“

„Dessen bin ich mir bewusst, Alfred. Trotzdem kann ich nur noch an sie denken, seit ich das Bild Ihrer Tochter auf dem Schreibtisch gesehen habe. Ich wollte Sie nicht in eine unangenehme Situation bringen und habe gewartet, bis die Erbschaftsangelegenheiten weitestgehend abgearbeitet sind. Doch jetzt habe keine Geduld mehr. Mir ist klar, dass Isabella sich vor mir erschrecken wird und niemals einer Verabredung zustimmen würde. Deswegen brauche ich Ihre Unterstützung. Ich schwöre, ich möchte nur ein Abendessen mit ihr. Wenn sie mich danach nicht mehr sehen möchte, hat sich die Sache für mich erledigt.“

„Lieber Alexander, glauben Sie mir, es wäre ein Fehler, sich auf Isabella zu fixieren.“

Alexander warf dem Anwalt, der den Nachlass seines verstorbenen Vaters verwaltet hatte und ihm auch heute noch bei Unklarheiten beratend zur Seite stand, einen langen Blick zu.

„Gibt es dafür einen plausiblen Grund?“, fragte er schließlich.

Alfred verzog das Gesicht zu einer ironischen Grimasse. „Nun, Isabella besitzt, um es mal vorsichtig auszudrücken, ein recht schwieriges Gemüt.“

„Wollen Sie mir Ihre eigene Tochter madigmachen?“

Dr. König rutschte unbehaglich in seinem Sessel hin und her und warf seinem Mandanten einen entschuldigenden Blick zu. „Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich möchte nur vermeiden, dass Isabella Ihnen Ihre kostbare Zeit raubt. Es fehlt ihr einfach an der nötigen Reife. Meine Tochter macht ständig Ärger“, fügte er hinzu.

Alexander presste die Lippen zusammen und ballte unauffällig die Hände zu Fäusten. Dr. König setzte all sein Fachwissen ein, um ihn als Nachlassverwalter durch den Gesetzesdschungel zu führen, doch wenn es um Isabella ging, hörte sein Wohlwollen anscheinend auf. Bestimmt wünschte er sich einen repräsentativeren Schwiegersohn, und dank Isabellas Schönheit würde es ein Leichtes für sie sein, eine gute Partie an Land zu ziehen. Jemanden, der ebenfalls ein größeres Vermögen sein Eigen nennen konnte und dabei nicht aussah wie Frankensteins Monster.

Normalerweise drängte er sich keiner Frau auf, vor allem nicht, wenn er ihr nie persönlich begegnet war. Leider war er besessen von dem Gedanken, Isabella kennenzulernen. Er wollte herausfinden, ob sie eine devote Seite hatte, und sie verführen. Ihm war klar, wie schlecht seine Chancen standen, dass sie seine Neigungen akzeptierte und ergänzte, trotzdem musste er es wenigstens versuchen. Erneut betrachtete er ihr Bild. Das goldblonde Haar fiel ihr in weichen Wellen auf die zart gebräunten Schultern.

Ihre dunkelblauen Augen leuchteten, ihr Lächeln raubte ihm den Verstand. Er wollte diese roten Lippen küssen und die Konturen ihres vollendet geformten Körpers mit einer Gerte nachfahren. Alexander schluckte und unterdrückte einen Fluch. Sie sah aus wie ein Engel. Zusammen würden sie wunderschön sein. Sie hell, er dunkel. Die Schöne und das Biest.

Dass sie laut Alfred König ein freches und widerspenstiges Verhalten zeigte, empfand Alexander als Sahnehäubchen. Der Mann konnte ja nicht wissen, wie reizvoll es sein würde, diese zickige Prinzessin mit besonnener Strenge zu erziehen, sofern sie es zuließ. Er wollte dafür sorgen, dass sie sich ihm sexuell vollkommen hingab und vor Sehnsucht nach ihm brannte. Das traute er sich ohne Weiteres zu, aber er war kein Idiot. Natürlich wirkte sein Gesicht im ersten Moment abschreckend, er sah mit seiner Mafia-Visage wie ein skrupelloser Killer aus. Ohne die Unterstützung ihres Vaters konnte er seine Pläne vergessen.

Alexander beschloss, Alfred in die Ecke zu drängen. „Ist das die Wahrheit oder liegt es doch an meinem Gesicht?“

Nach dieser offensiven Frage spiegelte sich auf Alfreds Gesicht Unbehagen wider. „So ist es nicht“, antwortete der ältere Mann und machte einen leicht ratlosen Eindruck. „Im Gegenteil. Ich würde eher behaupten, ich tue Ihnen einen Gefallen, wenn ich Sie vor Isabella warne.“

„Jetzt hören Sie auf, so kryptisch daherzureden!“ Alexander wurde ungeduldig. „Sagen Sie einfach geradeheraus, wieso Sie mir nicht helfen wollen! Glauben Sie mir, ich habe mir in den letzten Jahren ein dickes Fell zugelegt und kann die Wahrheit wegstecken.“

Zuerst schien es, als wollte Alfred sich herausreden, dann straffte er plötzlich die Schultern und sah ihn über den Mahagonischreibtisch hinweg an. „Sie wollen die Wahrheit? Also gut, die bekommen Sie. Allerdings ist diese Unterhaltung für mich schmerzhafter, als sie es für Sie sein dürfte.“

„Inwiefern?“

„Weil ich bekennen muss, was für ein unfähiger Vater ich all die Jahre gewesen bin.“

„Das kann ich mir nicht vorstellen.“

„Oh doch, glauben Sie es nur!“ Alfred König strich sich übers schüttere hellbraune Haar. „Die Wahrheit ist: Isabella ist ein verwöhntes Balg. Die kleinen Dinge des Lebens sind ihr nicht genug, sie ist süchtig nach Luxus und behandelt andere Menschen wie Sklaven.“

Alfred schrumpfte nach diesem Eingeständnis in seinem braunen Ledersessel förmlich in sich zusammen. Alexander beobachtete verblüfft die wechselnde Mimik des älteren Mannes und verstand langsam, worauf Alfred König hinauswollte, noch bevor dieser weiterredete.

„Schauen Sie, Alexander. Isabella wird sich über Sie und Ihre Narbe lustig machen. Wenn etwas nicht in ihr perfektes Weltbild passt, macht sie es nieder. Meistens braucht sie nicht einmal einen Grund, sie tut es aus purer Langeweile. Sie sind ja nicht der Erste, der sich in sie verguckt hat, und alle, die es ernst mit ihr meinen, lässt sie auflaufen und demütigt sie mit ihrem Spott. Sie benutzt Männer nur zu ihrem …“, Alfred räusperte sich peinlich berührt, „persönlichen Vergnügen, wenn Sie verstehen, was ich meine.“

Alexander konnte sich ungefähr ausmalen, worauf sein Anwalt anspielte, und lächelte kalt. Isabella mochte also Sex. Sein Grinsen vertiefte sich. Somit hatten sie schon etwas gemeinsam.

„Es tut mir selbst weh, das sagen zu müssen“, fuhr König fort, „aber meine Tochter ist kein netter Mensch.“

Alfred verstummte erneut und blickte beschämt auf die Tischplatte, ehe er sich dazu durchrang weiterzureden. „Ich weiß auch nicht, was ich verkehrt gemacht habe. Allerdings gebe ich zu, dass meine Arbeit viel Zeit in Anspruch genommen hat. Wahrscheinlich hat ihr einfach die Mutter gefehlt. Nach Maritas Tod musste ich Isabella allein aufziehen und ihre Erziehung ist mir bald über den Kopf gewachsen. Bereits als Teenager war sie schwer zu zügeln, und das hat sich bis heute nicht geändert.“

Was sie braucht, ist jemand, der ihr nicht jeden Wunsch von den Augen abliest und ihr, falls nötig, ordentlich den Arsch versohlt. Seine Hände zuckten bereits. Er verzehrte sich danach, diese Aufgabe höchstpersönlich zu übernehmen, denn Alfred König war mit seiner hübschen Tochter offensichtlich überfordert. Er galt als Koryphäe in seinem beruflichen Fachgebiet, war integer und geradlinig, doch seiner Prinzessin konnte er anscheinend nichts abschlagen.

Dieser Mangel an Konsequenz hinterließ natürlich Spuren. Bestimmt gebärdete sie sich wie eine Wildkatze, wenn sie nicht bekam, was sie wollte. Tja, wie man sich bettete, so lag man. Alfred hatte ein Monster ganz ohne Narben erschaffen, und es brauchte ein anderes, um sie zu zähmen. Was für eine Herausforderung!

Er konnte es kaum erwarten, ihr ein paar Manieren beizubringen. Sie musste ihre Ansichten überdenken, Reue zeigen und sich anständig aufführen. Erst dann konnte er beginnen, ihr die Welt dunkler Erotik näherzubringen, und darauf hoffen, dass sich hinter ihrer kapriziösen und rücksichtslosen Art eine devote Ader verbarg. Er wusste aktuell nicht, was er tun sollte, wenn sich dieser Wunsch nicht erfüllte. Sie gegen ihren Willen zu unterwerfen, kam nicht infrage. Es musste absolut freiwillig passieren, weil sie Lust verspürte. Nur, wie sollte er überhaupt die Gelegenheit dazu bekommen? Er ging kurz in sich und schon entstand ein spontaner Plan in seinem Kopf.

„Alfred, mir war nicht klar, wie sehr Sie unter dem Verhalten Ihrer Tochter leiden.“

Dr. König lächelte schwach. „Leiden würde ich es nicht nennen, aber natürlich mache ich mir meine Gedanken. Jeder Vater wünscht sich eine Tochter mit einer liebenswerten Persönlichkeit und einem gewissen Maß an Empathie. Diese Eigenschaften gehen ihr jedoch völlig ab.“

„Ich hätte eine Idee.“

Endlich zeigte Alfred Interesse. „Die da wäre?“

„Fragen Sie Isabella, ob sie bereit wäre, mit mir zu Abend zu essen. Ihnen zuliebe. Sollte sie einem Treffen zustimmen, um ihrem Vater einen Gefallen zu tun, besteht noch Hoffnung für sie.“

„Und wenn sie so reagiert, wie ich es befürchte?“

„Nun, dann würde ich Sie bitten, mir Isabella für ein paar Tage zu überlassen, damit ich ihr eine Lektion erteilen kann.“

„Wie stellen Sie sich das vor?“

„Ich miete mir ein baufälliges Haus und ziehe inkognito ein. Isabella soll mir dort zur Hand gehen und mir im Haushalt und im Garten helfen. Ich werde sie schuften lassen wie ein Pferd und sie wird schon bald ihr altes Luxusleben besser zu schätzen wissen und ihr Benehmen überdenken. Sie darf aber nicht erfahren, wer ich wirklich bin. Das würde sie zu sehr beeinflussen. Am besten wäre es, sie hält mich für einen armen Schlucker, der sich nicht einmal die Butter auf dem Brot leisten kann. Ich werde mich ihr als Sascha vorstellen – das ist eine Kurzform meines Namens –, und so meine Identität wahren.

Dr. Königs schallendes Gelächter hallte durch das Büro, ihm standen vor Erheiterung die Tränen in den Augen. Alexander gewann den Eindruck, als bereitete ihm die Vorstellung, sein verwöhntes Töchterchen darben und ackern zu lassen, großes Vergnügen.

Nach einigen Augenblicken beruhigte er sich, doch seine Begeisterung hatte sich stark abgekühlt. „Alexander, ich muss gestehen, eine Lektion ist längst überfällig, aber das Mädchen rührt ja bereits zu Hause keinen Finger. Sie wird sich schlichtweg weigern, zu Ihnen zu gehen.“

Selbst dafür hatte er die passende Lösung parat. Feuer musste man mit Feuer bekämpfen. Sobald sich Isabella sträubte, musste Alfred seinem Töchterchen die Flügel stutzen, und das funktionierte am besten, indem er ihr das wegnahm, was sie als lebensnotwendig erachtete: ihre Kreditkarten.

„Dann werfen Sie Isabella aus dem Haus und sperren Sie ihre Konten. Ich könnte mir vorstellen, diese Drohung wird ihre Entscheidung positiv beeinflussen. Am Ende wird sie einknicken und alles tun, was Sie von ihr verlangen. Man muss ihr den Boden unter den Füßen wegziehen. Aber so, wie Sie Ihre Tochter beschreiben, ist sie recht pragmatisch, wenn es um ihr eigenes Wohl geht. Sie wird gehorchen, solange sie danach wieder das Luxusleben führen kann, dass ihr so wichtig ist.“

Alfred König rieb sich nachdenklich übers Kinn. „Hm, vielleicht wäre das nicht die schlechteste Idee. Dadurch würde ihr eventuell wirklich bewusstwerden, welche Privilegien sie genießt. Wissen Sie was?“ Er sah auf. „Mir gefällt Ihr Plan. Wenn sich Isabella weigert, mit Ihnen auszugehen und beleidigend wird, haben Sie freie Hand. Allerdings muss ich darauf bestehen, dass sie unversehrt nach Hause kommt.“

„Das ist doch selbstverständlich“, antwortete Alexander.

Ob ein gespankter Po wohl noch in die Kategorie „unversehrt“ gehörte?

„Nun gut, dann sind wir uns also einig. Sagen Sie mir nur, wann und wo genau, und wir leiten alles Notwendige in die Wege.“

Alexander fühlte, wie sich sein Blut erhitzte. Er freute sich unbändig darauf, dieser verhätschelten Prinzessin eine Lektion in Sachen Gehorsam zu erteilen. Gradlinige Worte und Taten waren es, die einem Mann den Weg zum Herzen einer Frau ebneten. Dafür benötigte er kein hübsches Gesicht. Abgesehen davon beeinträchtigte sein Aussehen nicht seine Fähigkeit, einer Frau ein paar Orgasmen zu verschaffen. Natürlich würde er Alfred nicht in die Details einweihen. Kein Vater würde sein Kind einem lüsternen Master überlassen, aber er hegte keine Zweifel daran, dass sie bereits in Kürze viel Zeit miteinander verbringen würden. So oder so, die verwöhnte Prinzessin würde ihren Meister in ihm finden.