Hard & Heart: Hard & Heart: Bodyguard und Schleiereule

Erschienen: 07/2020
Serie: Hard & Heart
Teil der Serie: 8

Genre: Soft-SM / BDSM

Location: Norddeutschland


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-439-9
ebook: 978-3-86495-440-5

Preis:
Print: 13,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Hard & Heart: Hard & Heart: Bodyguard und Schleiereule


Inhaltsangabe

Alicia ist am Ende. Nicht nur der Job ist futsch, sondern auch noch die Wohnung. Da fühlt es sich wie ein Wunder an, als ihr auf dem Hamburger Kiez ein Diplomatenkoffer mit Banknoten in die Hände fällt. Es ist offensichtlich das Geld von Verbrechern, die es sich nicht so einfach wegnehmen lassen werden, doch Alicia will endlich die Verliererstraße des Lebens verlassen und beschließt, die Chance zu ergreifen, irgendwo noch mal ganz von vorn anzufangen.

Nachdem Silas an einer Fortbildung für Personenschützer bei Pascal Engel teilgenommen hat,  vermittelt ihm Pascals Freundin, die gemeinsam mit ihrem Bruder ein Hotel besitzt, einen Job als Bodyguard für die Tochter eines arabischen Scheichs.

Ein leichter Job, so scheint es, doch die Dame ist nicht gerade pflegeleicht und schon gar nicht arabischer Herkunft, sondern eine freche norddeutsche Göre, die sich in gewaltige Schwierigkeiten manövriert hat ...

Teil 8 der BDSM-Reihe "Hard & Heart". 

Über die Autorin

Sara-Maria Lukas, Jahrgang 1962, sagt "Moin" statt "Guten Tag". Unter dem Pseudonym verbirgt sich eine gebürtige Bremerin, die seit vielen Jahren in einem klitzekleinen Dorf zwischen Elbe und Weser wohnt. Sie liebt das raue Klima der Nordseeküste nicht nur, wenn...

Weitere Teile der Hard & Heart Serie

Leseprobe

Alicia fühlte sich, als hätte ein Wirbelsturm sie erfasst, der sie durch die Luft hin und her schleuderte, ohne ihr die geringste Chance zu lassen, sich irgendwo festzuhalten, um wieder Boden unter die Füße zu bekommen.
Nach ihrem Shoppingtrip hatte sie stundenlang in dieser verdammten Hotelsuite auf einem Sessel gehockt, zusammengekauert, mit hochgezogenen Füßen, und vor Angst gezittert. Sie war in der noblen Umgebung wie in einem Gefängnis eingesperrt. Sobald sie aus der Tür treten würde, wäre dieser Typ da, Silas; er würde sie bedrängen, verunsichern und … bei erstbester Gelegenheit umbringen. Oder doch nicht? Sie konnte ihn absolut...

...nicht einschätzen. Gehörte er zu den Verbrechern oder bedeutete er Schutz für sie? Hatte sie ihn in der Nacht in Hamburg gesehen oder war das ein anderer Kerl gewesen? War er eine Bedrohung für sie oder sollte sie sich ihm anvertrauen? Würde er ihr helfen, aus der Notlage, in die sie sich selbst hineinkatapultiert hatte, wieder herauszufinden?
Das Schlimmste war, dass sie sich, trotz ihrer Angst, zu ihm hingezogen fühlte. Sein Gesicht mit diesen ausdrucksstarken Augen, sein Körper, seine beschützende Art, seine dominante, selbstbewusste Ausstrahlung, all das ließ ihre Hormone Tango tanzen, und das beeinflusste ihr Urteilsvermögen. Ihre verwirrten Gedanken gaukelten ihr heiße Szenarien aus der Welt von Dominanz und Unterwerfung, Schmerz und Liebe vor. Nie zuvor waren ihre geheimen Fantasien zu realen Sehnsüchten geworden. Nie zuvor hatte sie tatsächlich den Wunsch gehabt, etwas davon zu leben, was in ihrer Gedankenwelt als Film existierte und nur dazu diente, sich selbst zu befriedigen.
Doch dieser Kerl forderte genau diese Traum-Szenarien heraus, Realität werden zu lassen, seine Wesensart und Persönlichkeit schienen ein einziges Versprechen auf grandiose sexuelle Abenteuer zu sein.
Was für eine Katastrophe! Wie sollte sie aus diesem ganzen Schlamassel jemals heil herauskommen?
Alles in ihr bettelte darum, nicht mehr allein mit ihrem riesengroßen Problem dazustehen, sich ihm zu öffnen, doch sie wagte es nicht, ihm zu vertrauen. Sie hatte viel zu viel Angst vor ihren Gefühlen, die von Minute zu Minute konfuser zu werden schienen und ihr die Fähigkeit zum rationalen Denken raubten.
Sie hatte Kopfschmerzen bekommen und sich irgendwann ins Bett gelegt. Dann war sie wieder aufgestanden und hatte sich aus der Miniküche der Suite ein scharfes Messer geholt. Das hielt sie unter der Decke fest in der Hand, um sich zu verteidigen, falls jemand sie angreifen sollte.
Irgendwann war die Erschöpfung jedoch stärker gewesen als die Angst. Sie war eingeschlafen und die Träume hatten sie gefangen genommen. Sie sah sich in Hamburg in der Nacht auf der Straße unter einer Laterne stehen. Plötzlich erschien Silas und ragte riesengroß vor ihr auf. Er war es tatsächlich, der Bodyguard, ganz sicher. Er sagte: Ich beschütze dich. Und dann lachte er laut, dröhnend und gehässig, genau wie ihr Adoptivvater, wenn er mit seinen Kumpels zu viel Schnaps getrunken und dreckige Witze über Frauen gerissen hatte. Alicia drehte um und rannte um ihr Leben. Ihre Beine flogen nur so dahin, aber hinter ihr hörte sie immer lauter und dröhnender das Auftreten seiner Füße. Silas folgte ihr. Er machte riesengroße Schritte, sie hatte keine Chance, ihm zu entkommen. Plötzlich waren die Verbrecher mit den Motorrädern da und von überall wurde geschossen. Silas lachte, laut und immer lauter, und die Schüsse hörten nicht auf. Der humpelnde Typ hielt ihr den Geldkoffer entgegen. Sie griff zu, doch dann wurde das Ding von Sekunde zu Sekunde größer und größer, es wuchs zu einer riesigen, grauen, bedrohlichen Mauer, die wackelte und schwankte und sie zu erschlagen drohte. Sie schrie um Hilfe, einmal, zweimal, dreimal, viermal, und rannte um ihr Leben.
Plötzlich Licht!
Sie zuckte hoch und fand sich im Bett der Hotelsuite wieder. Vor ihr ragte Silas auf. Sein Oberkörper war nackt und schien nur aus Muskeln zu bestehen.
Er beugte sich vor, sie riss die Hand mit dem Messer hoch, fuchtelte damit wild vor seiner Brust herum und schrie gellend um Hilfe.

*

„Verdammt!“ Silas zuckte zurück, als plötzlich die Schneide eines Messers vor ihm aufblitzte. Dann packte er mit der linken Hand ihr Handgelenk. Sie schrie und zappelte, doch er war natürlich viel stärker. Mit der rechten Hand nahm er ihr das Messer ab und warf es zur Seite auf den kleinen Nachtschrank. Sie boxte mit der freien Hand gegen seinen Oberkörper, zeterte, schüttelte den Kopf hin und her und strampelte mit den Beinen.
Er ließ sie los und hob die Hände, als ob er sich ihr ergeben würde. „Hey! Ganz ruhig. Sieh mich an, du kennst mich. Ich tue dir nichts.“
Sie kippte zurück in Rückenlage und hörte auf, zu schreien. Doch eine Sekunde später schob sie sich mit hektischen Bewegungen rückwärts, bis sie mit angezogenen Beinen und mit dem Rücken zur Wand an der Kopfseite des Bettes kauerte und ihn aus riesengroßen Augen anstarrte.
Zum ersten Mal sah er ihr Gesicht. Ihre Haut war hell. Ihre Haare glänzten dunkelbraun und hingen wirr bis zu den Schultern herab. Die Konturen ihrer Gesichtszüge waren weich geschwungen, die Nase war klein und die Lippen waren voll. Trotzdem wirkte sie nicht niedlich wie ein junges Mädchen, denn ihre eher breiten Wangenknochen und ihr ausgeprägtes Kinn suggerierten Willensstärke. Ihr Gesicht kam ihm bekannt vor, es schien ihm, als hätte er sie schon mal gesehen. Aber er musste sich täuschen, vermutlich sah sie nur irgendjemandem aus seinem Bekanntenkreis ähnlich.
Die Angst, die ihm aus ihren Augen entgegenstrahlte, erzeugte einen seltsamen Druck auf seiner Brust, der ihm unbekannt war.
„Du hast um Hilfe gerufen“, sagte er. „Deshalb bin ich gekommen.“
Sie antwortete nicht, sondern presste die Lippen fest zusammen. Ihr Brustkorb hob und senkte sich schnell und so stark, dass er es sah, obwohl sie die Beine vor ihren Körper gezogen hatte und sie mit den Armen fest umschlang.
„Hattest du einen Albtraum?“
Immer noch Schweigen. Immer noch schockgeweitete Augen. Die Muskeln ihrer Arme zitterten, vermutlich vor Erschöpfung wegen der konstanten Anspannung. Ihre Finger schimmerten fast weiß, so fest hielt sie sie ineinander verkrampft.
„Ich hole dir ein Glas Wasser.“ Er drehte sich um und ging los, hörte ein Geräusch hinter sich, und sein Kopf zuckte zurück. Die Schleiereule war aufgesprungen, hatte sich das Messer gegriffen und war im Begriff, sich auf ihn zu stürzen.
„Das ist doch nicht zu fassen!“ Knurrend packte er sie und entwand ihr erneut die scharfe Waffe.
Er drehte sie und schleuderte sie bäuchlings auf das Bett. Eine Sekunde später hockte er mit gespreizten Beinen über ihren Oberschenkeln und hatte ihr eine Hand auf den Rücken gedreht. Sie keuchte.
Mit der freien Hand zog er den Gürtel aus seiner Jeans, packte auch ihren anderen Arm und zog ihn nach hinten.
Mit geübten Griffen wickelte er den breiten Lederriemen um ihre beiden Handgelenke und zog ihn fest zu. Sie rührte sich nicht mehr und der Anblick erregte ihn. Natürlich tat er das, er praktizierte BDSM, es wäre unnatürlich, wenn ihn der Blick auf eine gefesselte Frau in Unterwäsche nicht anturnen würde. Aber das hier war keine nette Session, und Gefühle unterhalb der Gürtellinie waren absolut unpassend. Ärgerlich über sich selbst und seine Libido schüttelte er der Kopf und rutschte von ihrem Körper herunter.
Er atmete tief durch und sah auf sie hinab. Sie rührte sich nicht. Sie jammerte auch nicht oder schrie. Im Zimmer war es ganz still. Schon wieder dieser seltsame Druck auf seiner Brust. Unangenehm.
Verflucht, das gefiel ihm nicht. Er konnte ihre Verfassung nicht einschätzen. Er musste ihr Gesicht sehen.
Deshalb beugte er sich vor, umgriff ihre Oberarme und drehte sie auf den Rücken. Sie wehrte sich nicht, und er hob ihren Kopf leicht an, um ihr das Kissen darunterzuschieben, damit sie trotz der gefesselten Hände einigermaßen bequem lag. Sie starrte zu ihm auf und ihre Unterlippe zitterte. Sein Blick glitt tiefer. Durch den dünnen Stoff ihres weißen Hemdchens zeichneten sich fest zusammengezogene Brustwarzen ab. Weiter unten war der Stoff hochgerutscht und er sah einen flachen Bauch mit einem niedlichen kleinen Nabel, einen weißen Slip und lange, schlanke Beine. Verflucht!
Hastig griff er nach der Bettdecke und zog sie über den Frauenkörper.
Er setzte sich auf den Bettrand und sah ihr in die Augen. „Warum fühlst du dich von mir bedroht? Du hast mich doch engagiert!“
„Du warst in Hamburg“, flüsterte sie, es hörte sich allerdings mehr nach einem panischen Keuchen als nach gesprochenen Worten an.
Er runzelte die Stirn. Hamburg? Natürlich. Er hatte ja dort gewohnt. Waren sie sich da mal begegnet? Kam sie ihm deshalb so bekannt vor?
Eine Haarsträhne lag halb über ihrem Gesicht. Vorsichtig strich er sie mit einem Finger zur Seite, während sie ihn weiter anstarrte.
„Atme, Mädel. Du bist bei mir so sicher wie ein Kängurubaby im Beutel seiner Mutter.“
Sie ließ zittrig Luft aus ihrem Mund entweichen, ihre Halsmuskeln entspannten sich, ihre Gesichtszüge wurden weicher und ihr Kopf sackte einen Hauch tiefer in das Kissen. Plötzlich änderte sich alles.
Die Panik verschwand aus ihrem Blick. Er sah es ganz deutlich. Sie fürchtete sich nicht mehr vor ihm, und Silas erkannte an ihrer Körpersprache, was er oft innerhalb von Sessions mit devoten oder masochistischen Frauen erlebt hatte. Sie ergab sich ihm und schien erleichtert darüber, von ihm überwältigt worden zu sein. Es erregte ihn, aber da war noch mehr, irgendetwas nicht wirklich Greifbares, ein Gefühl von Wärme in seiner Brust, vielleicht Zufriedenheit.
Sie leckte sich über die Lippen. Sie wich seinem Blick nicht aus. Es war einer dieser ganz besonderen Momente zwischen Sub und Dom, der für einen Zuschauer vermutlich völlig unspektakulär wirken würde, doch für ihn als dominanten Mann intensiv, wertvoll und erregend war.
Er war sicher, dass sie die Fesselung in diesem Moment als ein Geschenk empfand, dass die Hilflosigkeit eine Erleichterung für sie bedeutete, weil sie ihr keine andere Wahl ließ, als sich auf ihn einzulassen.
Viele Subs hatten ihm geschildert, dass sie den Zustand, einem Mann hilflos ausgeliefert zu sein, sehr intensiv empfanden, weil sie sich im normalen Leben nicht gestatteten, bedingungslos zu vertrauen und sich auf einen anderen Menschen mit Haut und Haaren einzulassen. Gefesselt zu sein, bedeutete für sie einerseits erregende Spannung, andererseits zwang es sie, sich fallen zu lassen. Es erzeugte Hormonausschüttungen, die sich in Erleichterung, Erregung und vor allem euphorischen Glücksgefühlen ausdrückten. Aber das hier war keine Session, und doch wurde es in diesem Moment zu einer, obwohl sie nichts abgesprochen hatten.
Ob ihr bewusst war, wie sie reagierte und was sich gerade zwischen ihnen entwickelte? Kannte er sie etwa aus der Hamburger BDSM-Szene?
Nein. Daran würde er sich erinnern.
Er musterte sie lange und konzentriert, war hin- und hergerissen zwischen dem Drang, sie zu ficken und tröstend in den Arm zu nehmen, wobei letzteres Bedürfnis viel stärker war als ersteres.
Wieso reagierte er so konfus? Er war doch sonst im Umgang mit Frauen, Sessions und Sex immer cool.
Er seufzte. „Ich hole dir jetzt ein Glas Wasser und dann wirst du mir alles erzählen.“
Sie antwortete nicht, doch sie schenkte ihm ein Nicken. Schon wieder schwabbelte diese seltsame Wärme durch seinen Brustkorb.
Er drückte kurz ihre Schulter und stand auf. Als er sich umdrehte, um den Raum zu verlassen, fiel sein Blick auf das Messer, das auf den Boden gefallen war. Er hob es auf, schüttelte den Kopf und nahm es mit.

*

Alicias Herz klopfte wild. Mühelos hatte Silas sie überwältigt, in einen Zwangsgriff genommen und ihre Hände zusammengebunden. Sie hatte Todesangst gehabt, doch seit er sie umgedreht und behutsam zugedeckt hatte, war alles anders. In seinem Gesichtsausdruck war nichts Bedrohliches mehr gewesen, und das hatte die Angst augenblicklich vertrieben. Es kribbelte in ihrem Bauch, sie war so erregt wie noch nie in ihrem Leben.
Sie war gefesselt, sie war ihm ausgeliefert, und in seinem Blick lag Wärme und Fürsorglichkeit. Ab jetzt traf er die Entscheidungen, und auf seltsame Art beruhigte sie das. Die Würfel waren gefallen. In ihr kämpfte nichts mehr. Sie vertraute ihm und entspannte sich. Vibrierende Erregung ließ ihre Nervenfasern schwingen.
Sie hörte, dass er die Tür zur Suite schloss, dann seine Schritte und die Kühlschranktür.
Er kehrte mit einem Glas Wasser zurück und setzte sich wieder auf den Rand des Bettes. Seine freie Hand griff in ihren Nacken, als er ihr das Glas an die Lippen hielt.
„Trink.“ Das war kein Vorschlag, sondern eine Anweisung, der sie, ohne zu zögern, folgte. Ihr Herz schlug schneller, aber auf eine gute Art.
Sie ließ ihn nicht aus den Augen, während sie Schluck für Schluck trank. Er nickte und seine Lippen verzogen sich für einen kurzen Moment zu einem Lächeln. „So ist es gut.“
Als sie den Kopf nach hinten drückte, weil sie genug hatte, stellte er das Glas zur Seite und ließ sie los.
„Wie ist dein Name?“
Plötzlich verstopfte ein Kloß in ihrem Hals ihre Kehle. Wenn sie ihm antwortete, gäbe es kein Zurück in ihre Deckung.
Sie drehte den Kopf weg, doch seine Finger griffen an ihren Unterkiefer und drückten ihr Gesicht sanft in seine Richtung.
„Schluss mit Weglaufen.“ Er wischte mit dem Daumen einen Wassertropfen von ihrem Kinn. „Dein Name. Jetzt. Du bist in diesem Zimmer und bei mir in Sicherheit, aber ich habe keine Hemmungen, dich zum Reden zu zwingen, solltest du nicht endlich vernünftig werden. Und glaube mir, ich weiß, wie das geht.“
Er meinte es zweifellos ernst, ließ ihr keine Wahl, und wieder schoss ein warmer Schwall von intensiven Gefühlen, einem Mix aus Erleichterung, Euphorie und Erregung, durch ihre Nervenbahnen.
„Alicia“, flüsterte sie.
„Alicia.“ Er nickte und wiederholte ihren Namen, als würde seine Stimme ihn liebkosen. Ein wohliger Schauer lief über ihre Haut, als hätte er sie gestreichelt.
„Und weiter?“, fragte er ruhig.
„Kock.“
„Okay, Alicia Kock. Woher kommst du? Aus Hamburg?“
Sie nickte.
„Und dort hast du mich schon mal gesehen?“
„Ja“, murmelte sie, „in der Nacht.“
Er runzelte die Stirn. „In welcher Nacht?“
„Vorletzte.“
Sein Blick ruhte auf ihr und plötzlich zuckte seine Wange. „Du warst das Mädchen in der Heringsschenke.“
Sie nickte wieder und senkte die Augen.
Er lehnte sich seitlich über ihren Körper und stützte eine Hand neben ihrer Taille auf die Matratze. „Was ist dir passiert?“
Sie atmete tief durch und versuchte, das heiße Kribbeln zwischen ihren Beinen zu ignorieren. In ihrer Klit pochte es, seit er über ihr aufragte. „Meine Arbeitskollegin hat dafür gesorgt, dass ich meinen Job verloren habe, weil sie ein Verhältnis mit meinem Freund angefangen hat.“ Sie schnaubte. „Er hat mich um mein Erspartes gebracht und ich war von einem Tag zum anderen nicht nur arbeits-, sondern auch obdach- und mittellos.“
Silas nickte. „Und weiter?“
„In der Nacht wollte ich im Auto schlafen. Auf einmal tauchte eine Bande von Rockern auf ihren Motorrädern auf, und zwei Typen fuhren in einem Auto vor. Ein anderer Kerl kam zu Fuß dazu. Sie waren dort für irgendein Geschäft verabredet. Plötzlich wurde geschossen. Alle schrien durcheinander und sind abgehauen. Auf der Straße blieb ein Aktenkoffer mit Geld zurück.“ Sie seufzte. „Ich dachte, das wäre meine Chance auf einen Neuanfang, ich habe ihn genommen und bin losgefahren. Ich hoffte, niemand hätte mich gesehen, doch dann tauchten auf der Autobahn plötzlich Motorräder hinter mir auf und überholten mich. Ich weiß nicht, ob es die Bande war, trotzdem wurde ich panisch, fuhr an der nächsten Ausfahrt raus und hierher in die Stadt.“
„Und dann hast du dir die Verkleidung zugelegt, bist im Hotel David abgestiegen und hast einen Personenschützer engagiert.“
Sie nickte, schluckte und senkte den Blick. „Doch als du dann kamst, erkannte ich dich wieder. Ich dachte, dass das kein Zufall sein kann, dass du mit denen unter einer Decke steckst und nur auf einen günstigen Moment wartest, um den Koffer wiederzubekommen und mich abzumurksen.“
Er seufzte. „Deshalb deine Panik eben.“
Sie nickte.
Er runzelte die Stirn. „Ist das die ganze Geschichte?“
Sie schluckte. „Mmh … Fast.“
„Mach’s nicht so spannend, Alicia. Raus damit.“
Sie stöhnte und konnte ein Schluchzen nicht mehr zurückhalten. „In dem Koffer war nicht nur Geld. Es waren Drogen drin, und jetzt weiß ich nicht, was ich damit machen soll.“
Er stieß einen leisen Pfiff aus. „Drogen! Da hast du dich ja schön in die Scheiße geritten.“
„Mmh.“ Sie schniefte und eine Träne kitzelte auf ihrer Wange.
Er wischte sie mit seinem Daumen mit einer sanften Bewegung weg. „Wo ist dieser Aktenkoffer?“
„In der Badewanne.“
„Wieso denn das?“
„Ich habe den Sender ertränkt.“
„Du hast WAS?“
Sie stöhnte. „Ich dachte, es ist ein Sender drin, und damit der nicht mehr sendet, habe ich den Koffer unter Wasser gesteckt.“
„Mit dem Geld und den Drogen?“
„Nein, das ist alles im Schrank, in einem Leinensack vom Hotel.“
Er stand auf, öffnete die Schranktüren, beugte sich vor und sie hörte es rascheln. Er bewegte die Arme, es raschelte abermals. Einige Minuten später richtete Silas sich auf und drückte die Schranktüren wieder zu. Er kehrte zum Bett zurück, setzte sich erneut auf den Rand der Matratze und blickte sie einen Moment lang an, während er schweigend über sein Kinn rieb.
Er seufzte. „Glaubst du mir jetzt, dass ich nicht zu den Verbrechern gehöre und dir nichts tue?“
„Ja.“
„Okay, dann dreh dich um, ich befreie dich von dem Gürtel.“
Sie starrte ihn an. Ihr Kopf funktionierte nicht mehr. Sie konnte sich nicht bewegen und er runzelte die Stirn.
„Dreh …“
„Nicht“, wisperte sie fast reflexartig, ohne wirklich darüber nachzudenken. Sie rührte sich nicht. Ihr Herz hämmerte plötzlich wild und unregelmäßig in ihrer Brust. Es war still und die Erdkugel schien aufzuhören, sich zu drehen.
Er musterte sie. Seine Wangen zuckten, sein Adamsapfel hüpfte, und sie war sicher, dass er ihr ihre verrückten Gefühle ansehen konnte.
„Praktizierst du BDSM?“, fragte er.
Sie schüttelte den Kopf.
„Aber …“, seine Stimme war heiser, und er räusperte sich, „aber diese Situation hier gerade entspricht Fantasien, die du manchmal hast.“
Sie erstarrte kurz, doch dann nickte sie und spürte gleichzeitig, wie ihre Wangen brennend heiß wurden. Plötzlich kam sie sich schrecklich blöd vor. Ihr Verhalten war gerade so was von ober-ober-oberpeinlich.
„Oh Gott“, stöhnte sie und drehte den Kopf weg. „Bitte öffne ein Loch im Boden und lass mich darin verschwinden.“
Silas legte seine Hand an ihre Wange und zwang sie sanft, ihm das Gesicht wieder zuzudrehen. Er lachte sie nicht aus, aber er zwinkerte, als sich ihre Blicke begegneten. „Du musst dich nicht schämen.“ Er neigte leicht den Kopf zur Seite, während sein Daumen immer wieder hauchzart über ihre Wange strich. „In deiner Fantasie würde ich dich jetzt ausziehen und alles an dir betrachten. Stimmt’s?“
Sie starrte ihn an und schluckte.
„Und dann würden meine Hände deinen Körper in Besitz nehmen. Ich würde dich zwingen, die Beine zu spreizen, und hätte einen ungehinderten Blick auf deine Pussy.“
Jedes einzelne seiner Worte wirkte wie ein elektrisches Summen in ihren Adern.
„Und enden würde das Spiel mit einem heftigen Orgasmus.“
Warme Nässe kitzelte zwischen ihren Schamlippen.
„Danach würdest du in meinen Armen einschlafen.“
JA, wollte sie schreien, aber sie kriegte keinen Ton heraus.
„Willst du, dass ich all das mit dir mache?“
In ihrer Klit pochte es immer stärker. Sie schluckte und nickte. „Mmh.“
„Sprich es aus.“
Sie öffnete die Lippen. Die Scham wollte sie dazu bringen, Nein zu sagen, aber die Sehnsucht war stärker. „Ich will das. Alles“, stieß sie keuchend aus.

 

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