Kings of Retribution MC: Prospect

Originaltitel: Prospect (Kings of Retribution MC)
Übersetzer: Svenja Ohlsen

Erschienen: 12/2023
Serie: Kings of Retribution MC
Teil der Serie: 7

Genre: Contemporary Romance, Motorcycle Club Romance
Zusätzlich: Krimi

Location: USA, Montana


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-658-4
ebook: 978-3-86495-659-1

Preis:
Print: 16,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Kings of Retribution MC: Prospect

,

Inhaltsangabe

Sam McGregor widersetzte sich den Erwartungen seines Vaters und verließ seine Heimat Texas, um ein neues Leben zu beginnen. Seine Freundschaft zu Alba führte ihn nach Polson, Montana, wo er sich dem Kings of Retribution MC anschloss. Sam fand hier alles, wonach er suchte, bis Sofia Torres in sein Leben trat.

Sofias Schicksal war besiegelt, als ihr Vater ein Verbrechen gegen einen kriminellen Outlaw Motorradclub beging. Durch Stärke und Entschlossenheit überlebte sie alle Höllenqualen, die ihr die skrupellosen Los Demonios zufügten, bis sie zu den Kings of Retribution kam und eine neue Familie fand. Sie baute ihr Leben in Polson neu auf, aber Sofia hätte nie erwartet, dass sie sich in einen der Biker verlieben könnte.

Doch dann werden Sofia und der Club bedroht und alle Menschen, die Sam so wichtig geworden sind, schweben in Gefahr. An der Seite seiner auserwählten Familie schwört er, die Frau, die er liebt, und seinen Club zu beschützen, koste es, was es wolle ...

Über die Autorin

Crystal Daniels und Sandy Alvarez sind ein Schwestern-Duo und die USA Today-Bestsellerautorinnen der beliebten "Kings of Retribution MC"-Serie.
Seit 2017 hat das Duo zahlreiche Romane veröffentlicht. Ihre gemeinsame Leidenschaft für Bücher und das Geschichtenerzählen führte sie auf eine aufregende Reise,...

Crystal Daniels und Sandy Alvarez sind ein Schwestern-Duo und die USA Today-Bestsellerautorinnen der beliebten "Kings of Retribution MC"-Serie.
Seit 2017 hat das Duo zahlreiche Romane veröffentlicht. Ihre gemeinsame Leidenschaft für Bücher und das Geschichtenerzählen führte sie auf eine aufregende Reise,...

Weitere Teile der Kings of Retribution MC Serie

Leseprobe

Sofia

Als ich auf den Parkplatz von The Pier einfahre, sehe ich Carol, die eine große Kreidetafel mit den Tagesangeboten aufstellt. Sie winkt in meine Richtung, als ich auf meinem üblichen Platz in der Nähe des Gebäudes parke.
„Guten Morgen, Süße“, begrüßt Carol mich mit einer herzlichen Umarmung, sobald ich den letzten Schritt auf das riesige, umlaufende Sonnendeck gemacht habe, das mit einem langen Steg über die Bucht verbunden ist. „Du siehst wie immer wunderschön aus. Komm mit rein, wir haben einen anstrengenden Tag vor uns. Das einwöchige Hafenfest beginnt heute, was bedeutet, dass wir die ganze Woche über doppelt...

...so viele Kunden haben werden.“
Seit ich hier in Polson wohne, habe ich von dieser Veranstaltung gehört, aber sie noch nie miterlebt. Und da ich erst nach den Ereignissen im letzten Jahr angefangen habe, hier für Carol zu arbeiten, habe ich keine Ahnung, was mich erwartet. Polsons vierunddreißigstes jährliches Fest in der Bucht dauert eine volle Woche. Soweit ich weiß, nehmen die Bootsfahrer an Spaß und Spielen an Land sowie an Autoshows, Bootsausstellungen und einem fünf Kilometer langen Wohltätigkeitslauf teil. Menschen aus ganz Montana kommen, um dabei zu sein. Das Einzige, was ich letztes Jahr mitbekommen habe, war das Feuerwerk zum Abschluss der Woche. Eine Gruppe von uns aus der Schule, zusammen mit Leah und Sam, schaute sich das Spektakel vom Ende des Docks aus an, genau hier. Das war der Sommer, in dem ich begann, Sam mit anderen Augen zu sehen.
Wahnsinn. Carol hat nicht gelogen, als sie sagte, dass wir heute viel zu tun haben würden. Der Mittagsansturm war dreimal so groß wie sonst. Ich fahre mit den Fingern durch mein Haar, drehe es zu einem lockeren Dutt und befestige ihn mit ein paar Haarnadeln, die ich aus meiner Tasche im Pausenraum geholt habe. Ich schaue vom Aufbinden meiner Schürze auf, als Amy, Carols Tochter, die meine beste Freundin geworden ist, hereinkommt.
„Hey, Sof. Bereit für unsere Mittagspause?“ Sie wirft ihre Schürze in ihren Spind. Amy ist diejenige, die mir geholfen hat, den Job als Kellnerin hier zu bekommen.
„Mehr als bereit.“
Amy und ich gehen in die Küche, füllen unsere Becher mit kalter, frischer Kirschlimonade und schnappen uns ein zwei Körbe mit knusprigen Hähnchenteilen und Pommes. Wir nehmen unser Essen mit nach draußen und gehen bis zum Ende des Stegs.
„Willst du heute Abend mit Ben und mir ausgehen? Wir wollen zur Bowlingbahn fahren?“, fragt Amy.
Ich stecke mir eine Pommes in den Mund. „Der Club hat heute Abend eine Familienfeier. Außerdem will ich nicht das dritte Rad bei deinem Date sein.“ Ich lasse meine Beine über die Kante baumeln.
„Das bist du nicht, Sof.“
Ich werfe eine Pommes ins Wasser und beobachte, wie zwei Fische unter der Wasseroberfläche nach ihr schnappen.
„Dann vielleicht beim nächsten Mal. Du könntest auch Sam mitbringen.“ Sie stupst mich spielerisch mit der Schulter an.
Ich verdrehe die Augen und sage ihr: „Sam hat Besseres zu tun, als sich von mir zur Bowlingbahn schleppen zu lassen.“
Amy seufzt. „Sof, Sam würde alles tun, worum du ihn bittest. Dieser Mann betet dich regelrecht an.“
Amy versteht nicht, warum ich zögere, eine echte Beziehung zu Sam aufzubauen. Sie sieht seine Zuneigung zu mir und ich habe ihr anvertraut, dass ich ihn mag, aber ich habe mich nicht dazu durchringen können, ihm zu gestehen, was ich fühle, obwohl ich vermute, dass es ihm bereits bewusst ist. Amy weiß, dass ich in meiner Vergangenheit einiges durchgemacht habe, aber ich habe noch nie mit ihr darüber gesprochen und ich bin nicht sicher, ob ich das jemals tun werde. Ich weiß, dass es gut ist, offen zu kommunizieren, und dass es anderen helfen kann, ebenfalls offen zu sein, aber es fällt mir oft schwer. Es macht einen sehr verletzlich, der Welt seine unsichtbaren Narben zu zeigen. Was ich durchgemacht habe, war nicht meine Schuld. Das weiß ich. Trotzdem habe ich große Angst davor, was andere von mir denken könnten, wenn sie es erfahren.
Wir sitzen einige Minuten lang schweigend da, während wir unser Essen mampfen. In der Ferne beobachte ich die Bootsfahrer, die diesen schönen Tag ganz sorglos genießen.
„Bist du bereit für drei weitere Stunden?“ Amy schiebt ihre Essensreste in ihre Tüte, steht auf und wirft sie in den Mülleimer neben ihr. Ich lege meine Reste in die Packung und klappe den Deckel herunter. Amy reicht mir die Hand und zieht mich auf die Beine.
Als sie merkt, dass sich meine Stimmung verändert hat, hält Amy meine Hand fest und schwingt die Arme zwischen uns hin und her, während wir zurück zum Restaurant gehen. „Erinnerst du dich an den letzten Sommer auf dem Jahrmarkt, als du auf einer geschmolzenen Schokoladeneiswaffel gesessen hast?“ Sie lacht.
„Ich sah aus, als hätte ich in Kacke gesessen, das war nicht lustig.“ Ich fange ebenfalls an zu lachen und schon zaubert mir meine beste Freundin ein Lächeln ins Gesicht.
„Ja, aber du hast dich davon nicht abhalten lassen, Spaß zu haben“, sagt sie laut und nachdrücklich.
„Danke, Amy.“
„Dafür sind Freunde doch da.“

Ein paar Stunden später fahre ich vor dem Clubhaus vor. Vom hinteren Teil des Grundstücks ist Gelächter zu hören und der Geruch von gegrilltem Essen liegt in der Luft. Die Kings veranstalten fast bei jeder Gelegenheit Partys, vor allem Familienfeiern. Neben der Bruderschaft ist die Familie die wichtigste Grundlage für sie alle und für sie bin ich ein Teil davon.
Als ich auf dem Rücksitz nach dem Blechkuchen greife, den Carol mir heute zu backen geholfen hat, werde ich von einer Stimme aufgeschreckt. „Hallo, Süße.“ Ich lege meine Hand auf mein Herz und drehe mich um. „Scheiße. Tut mir leid, Sofia, ich wollte dich nicht erschrecken. Hier, ich nehme den Kuchen für dich.“ sagt Quinn und hebt den Pappdeckel an.
„Finger weg vom Zuckerguss“, schimpfe ich in dem Moment, als er einen Teil der Glasur aus der Ecke kratzen will.
„Was ist das für ein Kuchen?“ Quinn klappt den Deckel zu. „Schokoladenkuchen mit Schokoladen-Buttercreme-Glasur.“
„Mein Lieblingskuchen“, entgegnet er, als ich neben ihm in Richtung Hinterhof gehe.
Ich werfe den Kopf zurück und lache. „Jeder Kuchen ist dein Lieblingskuchen, Quinn.“
„Hast du ihn gemacht?“, fragt er.
„Jep“, nicke ich stolz.
„Dann ist es heute mein Lieblingskuchen.“ Er schenkt mir sein strahlendes Sonnenscheinlächeln.
Als ich um die Ecke des Gebäudes komme, entdeckt Bellas Tochter Breanna mich und stürmt auf mich zu. „Sofi, Sofi, Sofi!“ Sie kichert, als sie meinen Namen ruft. Mit ausgestreckten Armen hebe ich sie in die Höhe.
„Hey, Zwerglein. Hast du Spaß?“
„Jep.“ Breanna lächelt. Ich vergöttere sie. Ich liebe alle Kinder in meiner großen, verrückten Adoptivfamilie. Breanna drückt mich an sich, wackelt hin und her und will sich wieder zu den anderen Kindern gesellen. Ich schaue mich auf dem Hof um und stelle fest, dass außer Leah alle da sind, aber um ehrlich zu sein, suche ich vor allem nach einer Person – Sam.
„Sofia.“ Bella winkt und erregt damit meine Aufmerksamkeit. Sie und die anderen Frauen sitzen in den Gartenstühlen um die Feuerstelle. Ich überquere den Rasen und geselle mich zu ihnen.
„Hey Leute.“ Ich winke ihnen zu und lasse mich dann in einen der beiden leeren Stühle neben Alba sinken.
„Du siehst müde aus“, bemerkt sie und nimmt einen Schluck von ihrem Getränk. „Ja. Der erste Tag des Hafenfestes“, erkläre ich ihr. „Weißt du, wir haben alle daran gedacht, uns für den Fünf-Kilometer-Lauf anzumelden. Die Wohltätigkeitsorganisation, für die gespendet wird, ist unser eigenes New Hope House“, verkündet Mila.
Ich lehne mich in meinem Sitz vor. „Wirklich?“
„Mhmm.“ Mila nippt an ihrem Wein. „Wir haben versucht, die Jungs zu überreden, es auch zu tun.“
„Und wie ist das gelaufen?“ Ich kichere, weil ich weiß, wie so ein Gespräch ablaufen würde. Nicht, dass die Kings nichts zurückgeben wollen. Diese Männer tun viel für diese Gemeinde.
Alba lacht. „Die einzige Antwort, die ich von Gabriel bekommen habe, war ein Grunzen.“ Wir lachen alle mit ihr.
Ich sehe, wie Logan hinter Bellas Stuhl herantritt. Er zupft an ihrem Pferdeschwanz, neigt ihren Kopf nach hinten und küsst sie. „Wollt ihr noch eine Runde Drinks? Es sieht außerdem so aus, als könntet ihr auch noch etwas Holz für das Feuer gebrauchen.“ Er dreht sich um und ruft über den Hof zu Quinn. „Hey, Quinn, sag Sam, dass die Damen Drinks brauchen!“
„Geht klar!“, ruft Quinn.
Logan sieht in meine Richtung. „Was möchtest du, Süße?“
„Limo wäre gut“, antworte ich ihm.
Er brüllt zu Quinn herüber: „Sofia will eine Limonade. Sag ihm, er soll auch den Kühlschrank auffüllen, wenn er leer ist!“ Mit einem Blick auf seine Frau sagt Logan zu ihr: „Küss mich, Engel. Reid und Quinn sind fast fertig mit dem Grillen, also fange ich an, Tische und Stühle aufzustellen.“ Bella lehnt ihren Kopf ein weiteres Mal zurück und wartet darauf, dass Logan sie küsst.
Augenblicke später schreitet Sam auf uns zu, in der einen Hand eine Kühlbox, unter dem anderen Arm mehrere Holzscheite für das Feuer. Unsere Blicke treffen sich und lassen die vertrauten Schmetterlinge in meinem Bauch aufflattern. Erst als er die Kühlbox neben Grace auf den Boden stellt und beginnt, die Holzscheite ins Feuer zu legen, bemerke ich, was er anhat. Eine Lederkutte, genau wie die anderen Männer, nur ohne Logo. Nur ein Aufnäher. Das einzelne Wort Prospect auf der unteren Hälfte. Ich bin sprachlos. Wann ist das passiert?
Sobald das Feuer seinen Vorstellungen entspricht, nimmt Sam wieder Blickkontakt mit mir auf. „Scheiße, ich habe deinen Drink vergessen“, sagt er und joggt zurück zum Haus.
Ich blicke in die Runde zu all den Frauen. „Sam ist jetzt Prospect?“
Emerson steht von ihrem Stuhl auf, öffnet die Kühlbox und beginnt, Getränke zu verteilen. „Ja, und ich glaube, er wird ein großartiges Mitglied sein.“ Die anderen nicken zustimmend.
Als Sam wieder zurückkommt, öffnet er den Deckel der Dose und reicht sie mir. Unsere Fingerspitzen berühren sich und schicken elektrische Impulse durch sie hindurch. Das lässt mein Herz rasen. „Danke.“
„Gern geschehen, Glühwürmchen.“ Sein Spitzname für mich bringt mich zum Lächeln. Sam dreht sich um und geht hinüber, um Logan und Reid beim Tischdecken zu helfen.
Ich schließe die Augen und lasse mich in meinem Stuhl zurücksinken. Als ich sie öffne, starren mich Bella, Alba, Mila, Grace und Emerson an – alle mit einem Grinsen im Gesicht.
„Was?“ Ich setze die Dose an meine Lippen und nehme einen weiteren Schluck, in der Hoffnung, dass sie es vorerst dabei belassen, was sie auch tun, denn Alba fährt fort, über den Fünf-Kilometer-Lauf zu sprechen.
„Also, werden wir uns zu diesem Wohltätigkeitslauf anmelden?“, fragt sie.
Einer nach der anderen willigt ein, nur meine Antwort steht noch aus. Es ist für einen guten Zweck und zusätzlich dazu auch noch für unsere Stiftung, also sage ich zu ihnen: „Ich bin auch dabei.“
Kurz darauf wird das Abendessen angekündigt und ich helfe den Frauen, die Kinder zusammenzutreiben und ihnen Teller mit Essen hinzustellen, bevor wir unsere Teller füllen und uns setzen. „Sam, warum ist Leah nicht mit dir gekommen?“, frage ich, als er sich neben mich an das Ende des Tisches setzt.
„Ich habe bei ihr vorbeigeschaut, als ich Eis geholt habe und sie hat gesagt, dass es ihr nicht so gut geht“, erklärt er mir mit einem wissenden Blick. Sam ahnt, dass sie nicht die Wahrheit gesagt hat, aber er wollte sie auch nicht bedrängen.
Ich nehme einen großen Bissen von dem schmackhaften, kubanischen Gericht Ropa Vieja, das Alba zubereitet hat. Als sich alle unterhalten, komme ich endlich dazu, Sam nach seinem frischen Prospect-Status zu fragen. „Also – Prospect, hm?“
Sams Schultern zittern, als er kichert. „Ich bin überrascht, dass du es so lange ausgehalten hast, bevor du mich danach gefragt hast, Glühwürmchen. Jedenfalls ist der Club an mich herangetreten und sie glauben, dass ich Potenzial habe. Die Kings stehen für alles, woran ich glaube: eine Bruderschaft und das, was eine Familie ausmachen sollte. Ich zweifle nicht daran, dass ich genau hier sein sollte und hingehöre.“
„Du wirst ein großartiger King sein, Sam“, versichere ich.
„Das bedeutet mir sehr viel, wenn es von dir kommt, Glühwürmchen.“
Ehe wir uns versehen, ist das Abendessen vorbei, und die Sonne ist hinter den Bäumen verschwunden. Ich sitze in der Nähe der Feuerstelle auf einem großen Baumstamm, der als Sitzgelegenheit dient und beobachte das Funkeln der Glühwürmchen, die knapp über dem Boden schweben, während ich höre, wie sich die Jungs hinter mir vergnügen und ihre Frauen mit ihnen lachen. Müde und bettreif, beschließe ich, zu mir nach Hause zu fahren, bevor es zu spät wird. Ich stehe auf, drehe mich um und wende mich der Runde zu. „Ich gehe jetzt nach Hause. Ich muss morgen wieder arbeiten.“
Jake blickt zu Sam hinüber. „Begleite Sofia nach Hause.“ Sam nickt, steht auf und wir gehen nebeneinander um das Gebäude herum. Als wir an meinem Auto anhalten, öffnet Sam meine Tür und wartet, bis ich mich hineingesetzt und angeschnallt habe, bevor er sie wieder schließt.
„Gehört das alles zu deinen Pflichten als Prospect?“, scherze ich, denn ich weiß, dass er mich ohnehin nach Hause begleiten würde. Das tut er immer.
„Ich bin direkt hinter dir, meine Schöne.“ Sam steigt auf sein Motorrad, das er schon seit einiger Zeit hat und wartet darauf, dass ich mein Auto starte. Ich fahre vom Gelände und er folgt mir. Es sind mindestens dreißig Minuten vom Clubhaus bis zu meiner Wohnung. Während wir die Straße entlangfahren, blicke ich auf das flache, offene Land hinaus. Die Dunkelheit bricht herein und der Horizont verschluckt die Sonne. Ein weiterer Tag geht zu Ende und der Himmel ist in satte, tiefviolette und blaue Nuancen getaucht, die bis zu den Sternen hinauf im Nachtschwarz verschwinden.

Schon bald fahre ich die Einfahrt hinauf und parke in der Garage. Wie immer warte ich, bis Sam den Außenbereich kontrolliert hat, bevor ich aus dem Auto steige. Da ich weiß, dass er auch das Innere des Hauses überprüfen wird, übergebe ich ihm meine Schlüssel und folge ihm hinein, während sich das Garagentor langsam senkt. Ich beobachte ihn, während er sich im Haus bewegt. Irgendetwas ist heute Abend anders an ihm. Die Art, wie er sich gibt, ist anders. Die Art, wie er sich bewegt. Vielleicht hat er mehr Selbstvertrauen?
Vielleicht liegt es gar nicht an ihm. Vielleicht liegt es an mir.
Er sieht gut aus mit der Kutte. Ich schaue weg, bevor er meinen Blick bemerkt, durchquere das Wohnzimmer und warte an der Eingangstür.
„Gehst du morgen mit mir essen?“
„Ich muss arbeiten“, erkläre ich ihm.
„Ich kann ja zu dir kommen.“
Wieder kribbelt es in meinem Magen, als er mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht streicht. „Okay“, stimme ich zu.
„Schließ hinter mir ab.“
Sam öffnet die Tür und tritt auf die Veranda hinaus. Da ich weiß, dass er sich nicht rühren wird, bis er hört, dass die Schlösser einrasten, verriegele ich langsam die Tür. Nachdem die Querriegel verschlossen und die Alarmanlage eingestellt ist, lausche ich dem Dröhnen seiner Harley und warte, bis das Geräusch verklungen ist, bevor ich in mein Schlafzimmer gehe. Im Haus ist es ruhig, sowohl in Emmas als auch in Lunas Zimmer ist das Licht aus. Nachdem ich meinen Schlafanzug angezogen habe und durch den Flur ins Bad gegangen bin, um mir das Gesicht zu waschen und die Zähne zu putzen, schließe ich meine Zimmertür ab und klettere ins Bett. Der letzte Gedanke, den ich vor dem Einschlafen habe, gilt Sam.