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Wenn es dunkel wird im Märchenwald (Anthologie)
Lilly Grünberg, Emilia Jones, Kira Maeda, Astrid Martini, Jennifer Schreiner

Preis eBook:2,49 EUR
Format:
Genre(s): Fantasy
Themen: Dominanz & Unterwerfung, Vanilla

Der Froschkönig von Jennifer Schreiner (nur PDF)
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Der Schneekönig von Astrid Martini
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Die Schöne und das Biest von Emilia Jones
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Rotkäppchen und der böse Wolf von Kira Maeda
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Schneewittchen von Lilly Grünberg (nur PDF)
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Inhaltsangabe:

Fünf sinnliche und romantische Märchennovellen.

Lilly Grünberg – Schneewittchen:
Schneewittchen gerät in große Gefahr, denn die böse Königin will sie als Beute wilden Dämonenkriegern überlassen. Doch Hilfe naht in Gestalt des ebenso aufregenden wie mächtigen Vampirs Armand …

Astrid Martini – Der Schneekönig:
Um ihren Bruder zu retten, begibt sich Amelie ins Reich des menschenverachtenden Schneekönigs. Nur wenn es ihr binnen sieben Tagen gelingt, des Schneekönigs gefrorenes Herz zum Schmelzen zu bringen, kann sie sich und ihren Bruder vor einem Tod im ewigen Eis bewahren …

Kira Maeda – Rotkäppchen und der böse Wolf:
Ein modernes Rotkäppchen wird vom Pfad der Tugend gelockt - direkt in die Arme des bösen Wolfs: SM-Club-Besitzer Lucius. Er zeigt ihr nie gekannte Dimensionen der Lust …

Emilia Jones – Die Schöne und das Biest:
Im Tausch gegen das Leben ihres Vaters bietet sich Belle dem Biest als Pfand an. Fortan lebt sie in dessen verwunschenem Schloss. Tagsüber bringt der geheimnisvolle Philippe ihr Blut in Wallung – in der Nacht leistet sie dem unheimlichen Biest Gesellschaft …

Jennifer Schreiner – Der Froschkönig:
Prinzessin Niobe fristet ein einsames Dasein, ihr einziger Freund ist ein verzauberter Frosch. Doch wie kann sie das hässlichste aller Lebewesen von seinem Fluch erlösen, wenn es nicht an Niobes Liebe glaubt?

Link zur Hörprobe bei "Erotic Morning Lounge": ["Der Schneekönig" - gelesen von Rena Larf]
Link zur Hörprobe bei "Erotic Morning Lounge": ["Schneewittchen" - gelesen von Rena Larf].
Link zur Hörprobe bei "Erotic Morning Lounge": ["Die Schöne und das Biest" - gelesen von Rena Larf].
Über die Autorinnen:

Lilly Grünberg ist das Pseudonym einer in verschiedenen Genres veröffentlichten deutschen Autorin. Sobald Lilly Grünberg Lesen gelernt hatte, verschlang sie Bücher wie andere Kinder Schokolade. Mit dem Verfassen eigener Texte sollte es etwas länger dauern, doch 2008 legte sie ihren ersten erotischen Roman im Plaisir d'Amour Verlag vor,"Verführung der Unschuld".

Besuchen Sie auch die Homepage von Lilly Grünberg: www.lilly-romane.de.

Emilia Jones ist das Pseudonym der Autorin Ulrike Reineke. Die Autorin, Jahrgang 1978, ist bis heute wohnhaft in der niedersächsischen Kleinstadt Gronau (Leine). Sie ist gelernte Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte und arbeitet in der technischen Abteilung einer Zeitung. Seit März 2004 ist sie außerdem Herausgeberin des kleinen phantastischen Literaturheftchens "Elfenschrift".

Sie betreibt auch die Homepage www.world-phantastika.de.

Besuchen Sie auch die Homepage von Emilia Jones: www.emilia-jones.de.

Kira Maeda lebt, studiert und arbeitet im Ruhrgebiet. Sie schreibt und veröffentlicht seit mehreren Jahren unter verschiedenen Pseudonymen. Dabei ist sie immer auf der Suche nach dem besonderen Knistern zwischen ihren Figuren. Eine besondere Vorliebe hat sie für exotische Schauplätze und ungewöhnliche Settings.

Besuchen Sie auch die Homepage von Kira Maeda: www.seidenfessel.de.

Astrid Martini ist eine hungrige Leseratte, die mit Vorliebe Bücher sammelt. Immer, wenn sie ein gutes Buch zu Ende gelesen hat, ist es, als müsse sie Abschied von einem Freund nehmen.
Der Film "Bitter Moon" von Roman Polanski hat sie in den 90er Jahren so in Erstaunen versetzt, dass sie mehr über das Thema "Dominanz & Unterwerfung" wissen wollte.
Sie begann, erotische Romane zu lesen. Als 2005 ihr erster Roman entstand, hatte sie das große Glück, mit ihrer Romanidee gleich im ersten Anlauf beim Plaisir d’Amour Verlag unterzukommen. 2006 folgte dann ihr erster Roman,"Zuckermond", der heute als moderner Klassiker des Genres gilt. 
Neben Büchern liebt sie Katzen, Kerzen, Lachen, Tanzen, Situationskomik und weiße Schokolade.


Besuchen Sie auch die Homepage von Astrid Martini: www.astrid-martini.de.

Jennifer Schreiner wurde 1976 geboren und lebt mit ihrem kleinen Sohn und ihrem Mann im Ruhrgebiet. Seit Dezember 2002 ist sie Magister der Philologie. Bereits mit 14 Jahren schrieb sie Geschichten und Gedichte. Mittlerweile hat sie zahlreiche Kurzgeschichten und Romane veröffentlicht.


Besuchen Sie auch die Homepage von Jennifer Schreiner: www.jenniferschreiner.com.

Ebenfalls von Lilly Grünberg, Emilia Jones, Kira Maeda, Astrid Martini, Jennifer Schreiner im Plaisir d'Amour Verlag erschienen:
Leseprobe:

Szene 1 (aus „Der Schneekönig“ von Astrid Martini)

 

Am nächsten Tag gelang es Amelie nicht, des Schneekönigs Wege zu kreuzen. Selbst mit Unterstützung der Schneekönigin waren alle Versuche aussichtslos. Er schien ihr bewusst aus dem Weg zu gehen, aus welchen Gründen auch immer. Auf diese Weise zerrann unter ihren Händen kostbare Zeit. Am Ende des zweiten Tages konnte sie nicht glauben, das auch dieser Tag schon wieder verstrichen war und fortan nur noch vier Tage blieben.

Trotz fortgeschrittener Stunde brannten überall im Schloss Lampen. Draußen war der Himmel über und über mit Nordlichtern besprenkelt. Amelie saß vor dem Frisierspiegel, kämmte ihr Haar. Hatte sie vor ein paar Minuten noch vorgehabt zu Bett zu gehen, so überlegte sie es sich nun anders. Sie würde noch eine Runde durch das Schloss spazieren. Wer weiß, vielleicht begegnete sie dem Schneekönig ja doch noch, der wie vom Erdboden verschluckt schien.

Als sie ihr Zimmer verlassen hatte und an der breiten Treppe ankam, die in den Haupttrakt hinabführte, sah sie Simon. Er stand auf der untersten Stufe, bei ihm drei Schönheiten, die um seine Gunst buhlten.

Die schwarzbraune Seide, in die er gekleidet war, schimmerte bei jeder Bewegung, und die Ärmel und der Kragen waren mit einem feinen Pelz besetzt – aber er selbst sah erbärmlich aus. Sein Haar war zerzaust, und mit einer Flasche Rum in der Hand lallte er unverständliches Zeug. Seine Hände zitterten so sehr, dass die Flüssigkeit aus der Flasche schwappte und über seine Hand rann. Er leckte sie gierig ab, um ja keinen Tropfen zu verlieren. Sein Blick war wirr, er wusste offenbar nicht, wo er sich befand, noch mit wem er es zu tun hatte. Amelie erschrak wegen seiner bleichen, eingefallenen Wangen und seiner deutlich ausgemergelten Gestalt. Selbst im trüben Halblicht war zu erkennen, wie verwüstet sein Körper war, und als er davonstolperte wie ein alter Mann, unterdrückte sie ein aufkommendes Schluchzen. Ihr Bruder schien körperlich und auch mental förmlich zu zerfallen – und sie war hilflos.

Das heißt, es gab da schon etwas, was sie tun konnte. Nur leider hatte sich der nötige Hauptakteuer aus dem Staub gemacht!

Orientierungslos und innerlich zu aufgewühlt, um sich Gedanken zu machen, streifte sie durch das Schloss. Es ging Treppen hinauf und Treppen hinunter, auf und ab, bis sie sich schließlich im Garten wiederfand.

Die nächtliche Kälte spürte sie nicht. Sie war innerlich wie tot, fühlte sich hilflos und gelähmt. Ihre Füße steckten bis zum Knöchel im Schnee. Feste Schuhe trug sie nicht, schließlich hatte sie vorgehabt, sich nur in den Räumlichkeiten des Schlosses aufzuhalten. Doch das war ihr egal. Ohne nachzudenken folgte sie einem Weg, lief durch eine labyrinthartig angelegte Eislandschaft, in der sie sich nicht einmal mit einem Plan zurechtgefunden hätte.

Die zwei Monde waren über ihren höchsten Punkt hinausgewandert und standen hinter dem Schloss. Ihr Licht fiel in die Mulden vor den Eishügeln und brach sich dort. Der gesamte Ort gewann durch dieses schräg einfallende Licht eine verwirrende Unwirklichkeit, wie sie manchmal auf alten Gemälden zu finden ist.

Müde vom Herumirren, bar jedes anderen Gefühls, ließ sie sich auf einem dicken Marmorstein nieder, der sich am Rande eines Sees befand. Ihre Körpertemperatur war schon so weit gefallen, dass sie keine Kälte mehr empfand. Stattdessen nur diese bleierne Müdigkeit, die ihre gnädigen Arme um sie legte.

Simons Gesicht tauchte noch einmal vor ihrem inneren Auge auf, kurz bevor sie sich endgültig dieser wohltuenden Schwärze hingeben wollte. Und mit einem Schlag war sie wieder hellwach.

Sie sprang auf, blickte sich suchend um, versuchte sich am Licht der Doppelmonde zu orientieren, was unter den gegebenen Umständen gar nicht so einfach war. Auf der Suche nach dem Weg zum Schloss irrte sie umher. Nach einer gefühlten Ewigkeit hörte sie wieder dieses Wispern, das sie schon auf dem Weg zur Zauberin Walburga vernommen hatte.

Die Eule, schoss es ihr durch den Kopf. Die weiße Eule. Und sie griff suchend in die Tasche ihrer Hose, denn die Glücksfeder trug sie stets bei sich.

Als sich kalte Finger um ihr Handgelenk legten und fest zupackten, schrie sie erschrocken auf.

„Was zum Teufel tust du hier?“ Diese Stimme hätte sie unter Tausenden von Stimmen wiedererkannt.

„Ich gehe spazieren, was dagegen?“

„Du zitterst wie Espenlaub und bist dennoch vorlaut wie eh und je. Hat man dir nicht beigebracht, bei einer Nachtwanderung im Schnee besser einen Mantel zu tragen? Und jetzt komm mir nicht mit dem Satz, dass du keinen Vormund brauchst.“

„Wie wäre es damit: Ich beginne mich damit abzufinden, dass ich in ein paar Tagen Teil des ewigen Eises sein werde, und möchte mich schon mal ein wenig akklimatisieren.“ Sie grinste gespielt lieblich.

„Und ich dachte, du bist eine Kämpferin.“

„Was nutzt ein Kampf ohne erkennbaren Hoffnungsschimmer?“ Innerlich wieder lebendig, kehrte auch das Kälteempfinden zurück. Ihre Lippen bebten, ihr Körper schlotterte. Kurzerhand hob der Schneekönig sie auf seine Arme und trug sie zum Schloss zurück. „He, ich habe zwei Füße und kann laufen“, begehrte sie auf, äußerlich bestimmt, innerlich sehr halbherzig, denn sie war froh, nicht mehr durch den Schnee stapfen zu müssen. Er seufzte gespielt theatralisch: „Schade, die Kälte hat doch kein schnurrendes Kätzchen aus dir gemacht.“ „Ihr habt Euren Sarkasmus aber auch nicht verloren.“ Ihre Zähne klapperten vor Kälte im wilden Takt unaufhörlich aufeinander.

Im Schloss stieß er mit dem Fuß die Tür zu ihrem Zimmer auf und ließ sie hinab. Sie wollte sich an ihm vorbeischieben, ohne seinen Blick zu erwidern, als er sie am Arm festhielt. „Wo bleibt meine Belohnung?“ „Eine Belohnung? Wofür? Dafür, dass Ihr mir meinen Spaziergang vermasselt habt?“ Amelie befand sich in einer Ausnahmesituation. Die Sorge um ihren Bruder, die ablaufende Frist, dieser unverschämte Kerl, der trotz allem eine verzehrende Sehnsucht in ihr auslöste – das alles ließ sämtliche Sicherungen bei ihr durchbrennen. Wütend funkelte sie ihn an, trat einen Schritt zurück, um einen Abstand zwischen ihre Körper herzustellen und wollte zum nächsten Schlagabtausch ausholen.

Im nächsten Augenblick schrie sie jedoch überrascht auf. Ohne eine Chance auf Gegenwehr zog der Schneekönig sie heftig an sich.

„Lasst …“ Der Rest ging in einem wohligen Stöhnen unter, als sich seine Lippen auf die ihren pressten.

Sie war versucht, die Hände gegen seine Brust zu stemmen und ihn energisch von sich zu schieben, jedoch gefiel ihr sein Kuss so gut, das sie schon bald gar nicht mehr daran dachte, sich zur Wehr zu setzen.

Sie spürte, wie er für einen Moment verharrte, einen erstaunten und schweren Atemzug tat, dann schloss sie genießerisch die Augen, ließ sich fallen in jene sinnlich entrückende Stimmung zwischen Tag und Traum.

Wie weich und warm sich seine Lippen anfühlten. Auch ein wenig salzig. Ein wohliger Schauer durchströmte sie, ihre Knie begannen zu zittern, so dass sie sich unwillkürlich an seinen Körper schmiegte, um sich an ihm festzuhalten. Doch es war mehr. Viel mehr. Heiß schoss ihr das Blut durch die Adern. Ihr Herz stolperte, als sich seine Zunge genussvoll einen Weg zwischen ihre leicht geöffneten Lippen bahnte und neugierig das Innere ihres Mundes erkundete. Der Kuss schmeckte süß und aufregend. Als der Druck seiner Lippen sich verstärkte, hätte sie vor Wonne beinahe aufgestöhnt.

 

Szene 2 (aus „Rotkäppchen und der böse Wolf“ von Kira Maeda)

 

Eines Tages wurde Rotkäppchen geschickt, um ihre Großmutter zu besuchen. „Aber hüte dich vor dem dunklen Wald“, ermahnte sie die Mutter noch einmal, „und lass dich nicht vom rechten Pfad abbringen.“

Das Mädchen nickte gehorsam. Aber auf ihrem Weg sah sie ein paar hübsche Blumen und verließ den Pfad, um sie sich genauer anzuschauen. Immer weiter entfernte sie sich vom schützenden Pfad und begegnete im tiefen, dunklen Wald dem Wolf …

 

Aki wickelte den Mantel fester um sich und merkte selbst, wie ihre Schritte immer langsamer wurden. Sie war ihrer Mutter im Treppenhaus begegnet und hatte sich möglichst schnell wieder verabschiedet. Midori hatte misstrauisch ausgesehen, aber Aki war verschwunden, ehe ihre Mutter sie festnageln konnte. Jetzt war sie fast vor dem Club. Ihr Mut sank mit jedem Schritt. Was, um Himmels Willen, wollte sie hier? Es war bereits nach zehn Uhr – noch war es nicht zu spät umzukehren und sich die Schminke aus dem Gesicht zu waschen. Gegen einen ruhigen Abend auf der Couch war nichts einzuwenden …

Ein Auto fuhr heran und hupte. Aki ging einen Schritt zur Seite, um dem Fahrer Platz zu machen, aber das schien ihm nicht zu reichen. Er hupte noch einmal.

„Ich bin schon … “, setzte sie zu einem wütenden Kommentar an und brach ab, als sie den Wagen erkannte. Nur hatte er bei ihrer letzten Begegnung schmerzlich aufgeheult. Der Motor wurde abgestellt, und die Fahrertür öffnete sich. Lucius sah noch genauso atemberaubend aus, wie Aki ihn in Erinnerung hatte. Er trug einen burgunderfarbenen, dünnen Rollkragenpullover und darüber ein braunes Jackett. Die dunklen Haare hatte er sich aus der Stirn gekämmt, aber einige vorwitzige Strähnen hingen ihm trotz allem noch über den Augenbrauen. Er lächelte, und selbst aus der Entfernung zwischen ihnen sah sie die winzigen Grübchen. Er kam auf sie zu, und einmal mehr blitzte das geschmeidige Raubtier vor ihrem inneren Auge auf, das sie auch bei ihrem ersten Zusammentreffen gesehen hatte. Ein Tiger vielleicht, oder … nein, ein Wolf. Ein großer, mächtiger Wolf, dessen grün-goldene Augen sie fixierten, und der sie zu ihrer nächsten Beute auserkoren hatte – Aki schauderte.

Lucius blieb vor ihr stehen. „Eine angenehmere Überraschung hätte ich mir für heute Abend nicht wünschen können“, sagte er. Der leise Spott in seiner Stimme nahm seinen Worten das Glatte. Doch sie spürte, dass darin ein Quäntchen Wahrheit steckte.

Vielleicht sogar mehr als ein Quäntchen, hoffte sie und erwiderte sein Lächeln.

„Kommen Sie jetzt besser mit Ihrem Wagen zurecht?“

Seine Miene bekam etwas Gequältes, und er rieb sich verlegen über das Ohrläppchen. „Ah, anscheinend hat Miza schon meine schlechten Fahrkünste hervorgehoben?“

„Eigentlich habe ich mir schon selbst einen ganz guten Eindruck verschaffen können“, lächelte sie.

„So schlimm?“

„Das Auto tat mir leid.“

Er seufzte leise. „Bringen Sie mir bei, wie es besser geht“, sagte er freundlich und fasste ihre Hand. Diese winzige Berührung reichte aus, damit sich Akis Nackenhaare aufstellten, und sie ungewollt tiefer einatmete. Die Reaktion blieb ihm nicht verborgen. Sein Lächeln vertiefte sich, und er drückte leicht ihre Finger, während er sie zu seinem Wagen führte. „Sie wollten doch sicher ins ‚Dark Forrest’“, plauderte er freundlich und öffnete die Beifahrertür, um die vollkommen gebannte Aki Platz nehmen zu lassen. Sie ließ sich auf den hellen Ledersitz sinken und wartete, bis auch er wieder am Steuer saß. „Eigentlich war ich mir noch nicht sicher“, antwortete sie wesentlich kleinlauter als noch zuvor.

„Wir sind fast da – also, wie fange ich an?“, fragte er und ignorierte offensichtlich ihr Unbehagen.

Aki sah ihn an, als ob er den Verstand verloren hatte, aber er grinste nur leicht und entblößte damit zwei übermäßig spitze Eckzähne. Nicht unnatürlich groß, aber sie waren spitz und fielen dadurch auf. Aki senkte den Blick. „Starten Sie den Wagen.“

Er drehte den Schlüssel im Zündschloss und nahm dann ihre Hand, um sie auf seine zu legen, die den Schaltknüppel umfasst hielt.

„Und nun?“

Bei diesem neuerlichen Hautkontakt schauderte sie abermals und drückte ihre Hand fester auf seine. Sie wusste erst nicht ganz, was er wollte, aber als er aufmunternd auf ihre Hände deutete, bewegte sie ihre nach links und nach oben. Der erste Gang rastete ein, und er betätigte die Pedale, so dass sich die teure Karosserie bewegte. Er beschleunigte, Aki schob seine Hand sanft weiter – erst in den zweiten und als er schneller fuhr, in den dritten Gang.

Es dauerte nicht lange, und sie erreichten eine alte Fabrik. Die Außenfassade zeigte die Spuren von jahrzehntelangem Ruß und Qualm, die Umgebung war reines Brachland. Einige dürre Sträucher und hartnäckiges Gras sprossen aus dem Boden. Der Parkplatz war voll mit teuren Wagen, die vor dem Eingangstor standen. Es war fest verschlossen, aber eine Traube von Menschen stand davor. Die verschlossene Tür öffnete sich in unregelmäßigen Abständen und einige der Leute wurden hereingelassen, während andere herauskamen.

Lucius fuhr den Mercedes ohne weitere Schwierigkeiten in eine etwas abseits gelegene Parklücke und schaltete den Motor ab. Aki öffnete ihre Tür und stieg aus. Kalter Wind empfing sie und ließ sie frösteln. Dann stand er an ihrer Seite und fasste ihren Arm. „Gleich wird es wärmer werden“, versprach er und bot ihr seinen eigenen Arm an. Seine Augen blitzten dabei, und Aki konnte noch immer nicht genau sagen, ob sie grün oder bernsteinfarben waren. Sicher war nur, dass sein Blick ausreichte, um ihre Knie zittern zu lassen.

Er führte sie über den Parkplatz an den wartenden Menschen vorbei und hielt vor dem Tor. Mit der Faust klopfte er einen kurzen Schlagrhythmus, und die Stahltür schwang auf. Durch den offenen Spalt quoll angenehm warmes Kerzenlicht. Mit ihm kam auch wummernder Bass, so laut, dass Aki ihn eher spürte, als hörte. Selbst ihre Absätze vibrierten.

Sie traten ein und wurden von einem bulligen Türsteher begrüßt. Er nickte Aki freundlich zu und murmelte etwas in Richtung Lucius, der feine Ohren zu haben schien, denn für Aki gingen die Worte im Bass der Musik verloren. Aber ihr Begleiter nickte, beugte sich vor und antwortete in das Ohr des Türstehers. Dann zog er sie sanft mit sich, tiefer in das Innere der Fabrik hinein.

Sie befanden sich in einem Vorraum. Die Decke war hoch, der Raum selbst aber eher klein und kreisrund. Direkt vor ihnen versperrte ein roter, schwerer Samtvorhang den Weg. Ein kleiner Alkoven befand sich neben ihnen, in dem ein junger Mann stand. Lucius ließ Aki los und trat hinter sie, um ihr den Mantel abzunehmen. Sie versteifte sich, aber der Wollmantel rutschte schnell von ihren Schultern. Lucius gab ihn an den jungen Mann und schob dann den Vorhang beiseite. Der Lärm der Musik steigerte sich abrupt, und Aki sah jetzt auch den Grund dafür. Hinter dem Vorhang befand sich eine der ehemaligen Produktionshallen, brechend voll mit zuckenden Körpern, die sich im Takt der Musik bewegten und sich in Ekstase tanzten. An der Stirnseite befand sich das Pult des DJs, der immer neue Klänge unter den gleichbleibenden Beat mischte, und Laserlichter tanzten durch die ansonst dunkle Halle. Es war ein scharfer Kontrast zu dem kerzenbeleuchteten Vorraum, und der Lärm, die Musik und die tanzenden Clubbesucher trafen Aki wie eine Wand. Lucius Lippen Lippen streiften ihr Ohr. „Das Tagesgeschäft“, raunte er und zog sie weiter. Er musste Augen wie eine Katze haben, denn ohne Mühe führte er sie an den schwitzenden und stampfenden Leibern vorbei zu einer weiteren Tür. Er öffnete sie und schob Aki hindurch. Als sie hinter ihnen beiden wieder ins Schloss fiel, war der Lärm wie mit einem Messer abgeschnitten. Die plötzliche Stille dröhnte in ihren Ohren.

Aki kam gar nicht dazu, sich umzusehen. Sie lehnte mit geschlossenen Augen an der Wand und versuchte ihren Atem zu beruhigen. In ihrem Kopf drehte sich alles.

„Bleib wach, Rotkäppchen“, hörte sie plötzlich Lucius Stimme, und sie schlug die Augen auf. „Rotkäppchen?“

„Ist das nicht der Ursprung deines Namens?“ Er war unglaublich nah bei ihr. Sie konnte die winzigen Haarstoppel auf seinen Wangen sehen, und die Mischung seines Körperdufts und seines Aftershaves stieg ihr in die Nase. Die Mischung war wild, herb und würzig. Seine Lippen waren einen Spaltbreit geöffnet und glänzten feucht.

Akis Augen verengten sich leicht. „Was hat dir meine Tante noch erzählt?“, flüsterte sie.

Lucius stützte seine Hand gegen die Wand und beugte sich tiefer. Würde Aki sich ihm entgegenneigen, hätte sie ihn ohne Mühe küssen können. Sie senkte den Blick. Diesen Mann sah sie zum zweiten Mal in ihrem Leben, wie konnte sie da an seine Küsse denken?

Lucius schien zu spüren, dass der Bann gebrochen war und richtete sich wieder auf. Jetzt erst nahm sie den Raum, in dem sie sich befanden, wirklich wahr. Er war hell ausgeleuchtet. Außer einigen großen roten Sesseln und einer gepolsterten Liege befand sich nichts darin. Eine schmale Wendeltreppe führte aus dem Raum nach oben. „Komm, ich zeige dir den Club“, sagte Lucius und bot ihr seine Hand an. Vertrauensvoller als noch zuvor ergriff Aki sie und ging mit ihm die Treppe hinauf. Oben kamen sie an einer Art Balkon heraus. Sie befanden sich nun hoch über den Köpfen der tanzenden Meute. Aki konnte von ihrer Position aus auf die tanzende Menge heruntersehen. Neben ihnen war eine niedrige Mauer, die sich, je weiter sie gingen, absenkte. Endlich konnte sie darüber hinwegsehen und bekam große Augen. Auch auf der rechten Seite des Balkons befand sich eine Halle mit tanzenden Menschen, aber die Kleidung und die Unterhaltung unterschieden sich deutlich. Wo das Outfit der tanzhungrigen Clubbesucher knapp und sexy war – aber alles bedeckte – schien der Dresscode auf der anderen Seite der Halle eher darauf abzuzielen, die körperlichen Vorzüge der Gäste hervorzuheben. Unterwäsche und Dessous sollten nicht verdecken, sondern lenkten den Blick gezielt auf Brüste, Schwänze und offene Spalten jeder Art.

„Wir haben die große Halle damals teilen lassen“, sagte Lucius über den Lärm hinweg. „So haben sowohl normale Besucher als auch spezielle Kunden etwas von der Musik.“

Aki konnte den Mund gar nicht mehr schließen. Sie war stehen geblieben und starrte auf die Tänzer unter sich. Einige Lautsprecherboxen waren an der Stirnseite der Halle aufgestellt, die die Musik aus der Nebenhalle übertrugen. An den Seiten waren schmale Bühnen aufgebaut. Auf beiden befanden sich zwei Andreas-Kreuze, an denen jeweils ein Mann und eine Frau befestigt waren. Sie hatten einen Gummiball im Mund, der an einer Schnur befestigt war. Neben dem Mann befand sich eine in schwarz und rotes Leder gekleidete Domina und fuhr ihm spielerisch mit dem Griff ihrer Peitschte über die Nippel, nur um sie einen Wimpernschlag später lang zu ziehen. Die Frau an dem Andreas-Kreuz wurde von einem breitschultrigen Mann mit den Fingern bearbeitet. Er schien sie schon weit getrieben zu haben, denn ihr Kopf bewegte sich wild hin und her.

Lucius berührte sie wieder am Arm. „Das ist nur ein Vorgeschmack – ich möchte dir etwas anderes zeigen“, sagte er. Aki wusste nicht, ob es sein heißer Atem auf ihrem bloßen Nacken oder seine Worte waren, die ihr eine Gänsehaut verursachten. Sie ließ sich aber gehorsam führen, bis sie das Ende des Balkons und der Halle erreichten. Dahinter befand sich ein größerer Raum. Er war dunkel. Nur einige Monitore verbreiteten flackerndes Licht, die kreisförmig an der Decke befestigt waren. In der Mitte des Zimmers befand sich ein bequemer Sessel. Lucius bat Aki sich zu setzen, und sie machte es sich bequem. Er blieb hinter ihr stehen und drehte den Sessel zu einem bestimmten Monitor hin.

 

Szene 3 (aus "Schneewittchen" von Lilly Grünberg)

 

Die Tage schienen nicht zu vergehen. Schneewittchen hätte sich gerne irgendwie nützlich gemacht, aber das Einzige was sie tun konnte, war den Tisch zu decken, das Geschirr abzuspülen oder die Betten zu machen. Kochen oder putzen hatte sie natürlich nie gelernt, und die Gnome wollten auch nicht, dass sie sich ihre zarten Hände ruinierte. Sie verließen früh am Morgen das Haus, um ihrer Arbeit nachzugehen und kamen erst bei Anbruch der Dunkelheit zurück.

Also unternahm Schneewittchen lange Spaziergänge, sah den Vögeln und den Eichhörnchen zu und entdeckte einen Fuchsbau, vor dem fünf kleine Füchse in der Sonne spielten. Am zweiten Tag machten die Gnome ihr abends ein Geschenk. Sie hatten zwei schlichte Kleider, ein paar bequeme Schuhe und ein Nachthemd für sie besorgt. Schneewittchen war außer sich vor Freude.

»Wo habt ihr das denn her, ihr Lieben?«

»Von da und von dort«, schmunzelte Zweizahl. »Hauptsache, es ist Euch recht.«

»Oh ja, sehr. Es ist doch recht unbequem, immer das Reitkostüm und die Stiefel zu tragen.«

Am nächsten Tag hüpfte Schneewittchen ausgelassen durch den Wald. Das neue einfache Kleid trug sich sehr angenehm. Die Zwerge hatten sie zwar gewarnt, sich nicht zu weit von der Hütte zu entfernen, damit sie sich nicht verlaufe. Außerdem wüsste man nie, wer noch im Wald unterwegs wäre. Auch wenn sie überall Spione hätten, wäre es besser, vorsichtig zu sein.

Schneewittchen aber fühlte sich vollkommen sicher. Solange überall Tiere zu beobachten waren drohte ihr bestimmt keine Gefahr. Trotzdem hatte sie ihre Haare zusammengebunden und unter einer Haube versteckt.

Als sie an einen Bach kam, sah sie hinein. Ihr Spiegelbild kam ihr fremd vor, beinahe erkannte sie sich selbst nicht. Sie erschrak, als sie auf einmal direkt hinter sich das Schnauben eines Pferdes hörte, und das Pferd den Kopf senkte, um zu trinken. Sie fuhr herum und blickte in die dunklen Augen eines Mannes, der auf dem prächtigsten Rappen saß, den sie je gesehen hatte.

Der Mann nahm seinen breitkrempigen Hut ab, den eine buschige schwarze Feder zierte und verneigte sich. »Sei gegrüßt, schöne Maid. Hast du dein Spiegelbild bewundert? Das kann ich verstehen – du bist wunderschön.«

Schneewittchen brachte vor Überraschung und Verlegenheit kein Wort heraus. Der junge Mann war von einer beeindruckenden Attraktivität. Er hatte ein gut geschnittenes Gesicht, sinnlich geschwungene Lippen, war muskulös und wirkte sehr elegant in seiner schwarzen Kleidung. Seine Lederhose steckte in hohen schwarzen Lederstiefeln. Unter Jacke und Umhang trug er ein weißes Hemd mit wertvollen Rüschen. Er musste gewiss ein Edelmann sein.

»Nun, was ist? Hat es dir die Sprache verschlagen?«, lachte er übermütig.

»Was fällt Euch ein, mich …«

Im letzten Augenblick hielt Schneewittchen inne und senkte den Blick. Sie trug ein einfaches Gewand, deshalb ahnte er bestimmt nicht, wenn er vor sich hatte, und das war auch besser so. Wer weiß, wer er war. Vielleicht schickte ihn die Königin.

»Verzeiht«, murmelte sie. »Aber Ihr habt mich erschreckt.«

Sie streckte die Hand nach dem Kopf des Pferdes aus, das inzwischen genug getrunken hatte. Es schnupperte und blies ihr aus seinen Nüstern warmen Atem gegen ihre Handfläche. Schneewittchen streichelte es vorsichtig. Seine Nase war weich wie Samt.

»Du bist sehr schön«, erwiderte der Reiter. »Und darüber hinaus musst du etwas ganz Besonderes sein.«

»Wie kommt Ihr darauf?« Schneewittchen fühlte ein ihr unbekanntes Prickeln, das bei den Haarwurzeln begann und langsam von oben nach unten ihren Körper überflutete. Ihr wurde dabei ganz warm.

»Mein Rappe lässt sich normalerweise nicht von Fremden anfassen. Er vertraut dir.«

»Er ist ein prachtvolles Tier«, murmelte Schneewittchen und schaute nun wieder zu dem Reiter auf. Sein Blick ging ihr durch und durch, und ihr Herz schien vor Aufregung zu zerspringen. Was war nur los mit ihr? So etwas hatte sie noch nie erlebt.

»Leider habe ich es eilig, man erwartet mich. Sonst hätte ich gerne noch ein wenig mit dir geplaudert. Aber vielleicht sehen wir uns wieder – verrätst du mir deinen Namen?«

Schneewittchen musterte das Pferd, das wertvolle Zaumzeug und den edlen Sattel. Erst jetzt bemerkte sie, dass der Fremde bewaffnet war. Ihre Zuversicht sank. Eben noch hatte sie gehofft, es würde sich um einen harmlosen Reisenden handeln. Doch nun war sie sich mit einem Mal nicht mehr sicher. An seinem Gürtel trug er ein mächtiges Schwert, dessen Griff mit wertvollen Edelsteinen verziert war. Sie durfte ihm auf keinen Fall ihren Namen verraten. Offensichtlich hatte er sie in ihrer einfachen Kleidung nicht erkannt. Es war besser, wenn dies so bliebe.

»Ich heiße Barbara«, behauptete sie so selbstbewusst wie möglich. »Ich wünsche Euch eine gute Reise.« Sie drehte sich um, um den Bach zu verlassen und zum Weg zurückzugehen.

»Einen Augenblick noch, nicht so eilig, mein schönes Kind.«

Zu Schneewittchens Überraschung sprang der Edelmann von seinem Ross und hielt sie fest. Hatte er nicht eben noch behauptet, dass er es eilig habe? Sie schaute ihn an, wich jedoch einen Schritt zurück, als er näher kam. Doch er war schneller als sie und fasste nach ihrer Hand.

»Du wirkst trotz deiner schlichten Kleidung gar nicht wie ein einfaches Fräulein – wo wohnst du? Wo finde ich dich wieder, sobald mein Auftrag erledigt ist?«

Schneewittchen hätte ihm gerne ihre Hand entzogen, denn die plötzliche Nähe war ihr ein wenig unheimlich, doch gleichzeitig fühlte sie sich zu ihm hingezogen. Es fiel ihr schwer, sich zusammenzureißen und ihm aus lauter Vorsicht eine Abfuhr zu erteilen. Sie legte den Kopf schräg und lächelte.

»Wenn Euch so viel an einem Wiedersehen gelegen ist, edler Herr, dann werdet Ihr mich gewiss wiederfinden. Oder glaubt Ihr, dass ich allzu weit davonlaufen kann? Ihr könnt jeden hier nach Barbara fragen, nicht wahr?«

Scheinbar hatte er eine andere Antwort erwartet, er wirkte verblüfft, zog sie an ihrer Hand näher zu sich heran und studierte aufmerksam ihre Miene. Bewunderung lag in seinem Blick. Seine Nasenflügel blähten sich wie die seines Pferdes auf, und er sog tief die Luft ein. Dann lachte er und beugte sich vor, als wollte er sie auf den Mund küssen, doch Schneewittchen drehte ihren Kopf, und er hauchte ihr stattdessen einen Kuss auf die Stirn.

»Na, so was – du widerstehst der Versuchung? Sehr bemerkenswert.«

Er ließ sie los und saß auf. Seine Augen blitzten, als er sie ein letztes Mal anschaute.

»Dann auf bald, keusche Barbara.«

Schneewittchen schaute ihm hinterher, als er davonritt. Ihr Puls klopfte, als wollte er ihre Adern sprengen. Ein schöner Mann, ein Ritter, ganz wie sie ihn sich in ihren sehnsüchtigen Träumen wünschte. Schneewittchen seufzte. Wenn sie nur wüsste, auf welcher Seite er stand, und ob sie ihm hätte vertrauen dürfen.

 

***

 

Es war schon spät, als sie zur Hütte zurückkehrte. Sie hatte auf dem Rückweg vor sich hingeträumt und an den Fremden gedacht. Er ging ihr einfach nicht mehr aus dem Kopf. Noch nie war ihr ein Mann begegnet, der ihr Herz so schnell und aufgeregt schlagen ließ.

Als sie eintrat, hörte sie Stimmen. Die Gnome waren also bereits vor ihr nach Hause gekommen. Sie unterhielten sich.

»Dann ist also alles vorbereitet? Es ist bald Vollmond!«

»Ja, ab morgen stehen meine Truppen bereit und euer Bruder wird mit ihnen zurückkehren. Der Arme war ganz erschöpft, als er bei mir ankam.«

Also war da noch jemand anderer. Es musste derjenige sein, zu dem Siebenzahl unterwegs gewesen war. Sie zögerte, presste ihr Ohr an die Tür und lauschte weiter. Es war eine angenehme männliche Stimme, die ihr seltsam bekannt vorkam.

»Beinahe hätte ich mich allerdings wegen einer jungen Maid verspätet. Sie war wunderschön.«

Ein allgemeines Raunen und Kichern war zu hören. »Aber Durchlaucht, Ihr werdet doch nicht dem Charme eines Mädchens erliegen?«

»Warum nicht? Ich bin schon lange auf der Suche nach einer Braut. Ihr kennt sie bestimmt. Sie sagte, ihr Name wäre Barbara.«

»Barbara?«, wiederholten Dreizahl und Vierzahl wie aus einem Mund? »Ein Mädchen mit diesem Namen gibt es hier weit und breit nicht.«

»Wirklich? Ich dachte, sie müsste von hier sein, so alleine im Wald. Nun, hätte ich es nicht eilig gehabt – ich werde sie suchen, wenn alles vorbei ist. Nun sagt mir aber, wo euer Schützling, die Prinzessin, ist. Wo ist Schneewittchen?«

Als sie ihren Namen genannt hörte, fuhr sie erschrocken zusammen. Langsam schob sie die Tür ganz auf und trat ein. »Guten Abend, ich bin hier.« Alle drehten sich um und starrten sie an.

Nicht umsonst war ihr die Stimme bekannt vorgekommen. Es war der fremde Reiter, der nun aus dem Sessel aufstand, in dem sie sonst saß. Galant verbeugte er sich vor ihr. Dann sah er sie an und lächelte ein wenig verwirrt. »Aha, Barbara. So, so. Du warst es also, die mir heute in wenigen Sekunden mein Herz gestohlen hat …« Dabei zog er ihr sanft die Haube von den Haaren. Ihre langen Locken fielen über die Schultern herab.

Schneewittchen sah nur noch ihn. Sie ertrank in seinen glänzenden Augen, nahm nicht mehr ihre kleinen Freunde wahr, die leise kicherten, Witze machten und sich allmählich ganz leise zurückzogen. Sie fühlte sich völlig im Bann des Mannes, dessen Finger vorsichtig ihre Haare durchkämmten und entwirrten.

»Du bist ja noch viel schöner, als man mir erzählt hat«, murmelte er verwirrt. Dann zog er plötzlich seine Hand zurück. »Verzeiht, dass ich meine guten Manieren vergesse und Euch nicht …«

»Nein«, hauchte Schneewittchen, griff nach seiner Hand und hielt sie fest. »Bitte, werde nicht förmlich. Lass alles so vertraut, wie es bisher war. Sag mir deinen Namen.«

Für Sekunden starrten sie sich einfach an, konnten sich an den Augen des anderen nicht satt sehen. Ihr wurde immer wärmer unter ihrem Kleid, aber besonders zwischen ihren Schenkel begann es auf eine Weise zu pulsieren, wie sie es noch nie erlebt hatte. Sie wünschte sich nichts sehnlicher, als in seinen Armen zu liegen, von diesen sinnlich geschwungenen Lippen geküsst zu werden – und dass er sie berührte, wie sie es bislang häufig geträumt, doch niemals erlebt hatte.

»Verzeih, dass ich mich noch nicht vorgestellt habe. Ich bin König Armand de Amaury.« Er führte ihre Hand an seine Lippen und gab ihr einen Handkuss. Sein Mund berührte kaum ihre Haut, und dennoch hatte Schneewittchen das Gefühl, es hätte sie ein Vulkan geküsst und sie müsste auf der Stelle lichterloh zu Asche verbrennen.

»Ihr seid – Majestät – Ihr seid der König der Vampire, unser Nachbar aus dem Reich hinter den hohen Schneegipfeln?«

Er lächelte und entblößte dabei eine Reihe weißer, makelloser Zähne, deren Eckzähne besonders spitz waren. »Gewiss. Zu deinen Diensten, Prinzessin. Wollen wir nicht die Förmlichkeiten lassen, so wie du gerade selbst vorgeschlagen hattest?«

Ehe sie es sich versah, saß sie auf seinem Schoß und wurde von ihm zärtlich und doch voller Leidenschaft geküsst. Sie merkte zunächst nicht, wie seine Hand ihren Rock nach oben schob, so süß und innig spielte seine Zunge mit der ihren einen Tanz, dass sie nichts anderes wahrnahm. Doch dann fühlte sie auf einmal seine Finger, wie sie zärtlich ihre Schenkel empor streichelten und sich ihrer Scham näherten. Sie fürchtete sich ein wenig und begann zu zittern.

»Keine Angst, ich werde dich heute nicht deiner Unschuld berauben, Prinzessin«, flüsterte Armand. »Aber ich werde dir zeigen, wie schön die Liebe sein kann, und wie sehr ich dich schon jetzt begehre.«

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