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Blood Dragon 01: Drachennacht
Kira Maeda

Preis eBook:6,99 EUR
Format:PDF
EPUB
Genre(s): Fantasy
Themen: Dominanz & Unterwerfung, Vanilla
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Hinweis: Bei der gedruckten Ausgabe handelt es sich um eine Klappenbroschur-Ausgabe, d.h. eine hochwertige Buchausgabe mit einem doppelten Umschlag.

Inhaltsangabe:

Die Archäologin Elisa ist fasziniert von den Legenden rund um den historischen Dracula, Vlad Tepes, und dessen Brüder Mircea und Radu. Sie erhält den Auftrag, in Rumänien nach den Ursprüngen der Dracula-Legende zu forschen und trifft dabei auf einen Nachfahren Vlad Tepes': Victor Dracul.
In Visionen sieht sie immer wieder sich selbst zur Zeit Vlad Tepes', leidenschaftlich verbunden mit dessen Bruder Mircea, dem Victor bis aufs Haar gleicht.
Elisa ist zunehmends verwirrt, da sie sich sowohl zu Mircea als auch zu Victor hingezogen fühlt, und kann kaum noch zwischen Visionen und Realität unterscheiden.
Doch in den eng verknüpften Schicksalen der drei Brüder, die einem alten und mächtigen Geschlecht von Drachen angehören, spielt Elisa eine wichtige Rolle, denn sie ist die Wiedergeburt der Frau, um die Mircea und Dracula einst kämpften. Dracula wurde damals über Elisas Verlust wahnsinnig, weswegen seine Brüder sich gegen ihn wandten und ihn einsperrten.
Doch nun, Jahrhunderte später, ist Dracula wieder frei und sinnt auf Rache ...

Teil 1 der Blood Dragon-Trilogie. Ab Teil 2 wird die Serie von Linda Mignani fortgeführt: "Blood Dragon 2: Drachenschwingen

Link zur Hörprobe bei "Erotic Morning Lounge": [Blood Dragon: Drachennacht - gelesen von Rena Larf]
Über die Autorin:

Kira Maeda lebt, studiert und arbeitet im Ruhrgebiet. Sie schreibt und veröffentlicht seit mehreren Jahren unter verschiedenen Pseudonymen. Dabei ist sie immer auf der Suche nach dem besonderen Knistern zwischen ihren Figuren. Eine besondere Vorliebe hat sie für exotische Schauplätze und ungewöhnliche Settings.

Besuchen Sie auch die Homepage von Kira Maeda: www.seidenfessel.de.

Ebenfalls von Kira Maeda im Plaisir d'Amour Verlag erschienen:
Leseprobe:

Prolog

Cesina schlug die Augen auf. Irgendetwas hatte sie geweckt. Sie schob die Daunendecke zur Seite und setzte sich auf. Angestrengt starrte sie in die Dunkelheit ihres Schlafzimmers und lauschte. Lange Zeit war es nur der eigene Atem und ihr Herzschlag, den sie hörte. Er pochte in ihrem Kopf und schien dort widerzuhallen. Fast glaubte sie, sich das ferne Geräusch nur eingebildet zu haben, aber dann ertönte es wieder. Ein Knirschen, gefolgt von einem Grollen. In einer fließenden Bewegung sprang sie aus dem Bett und lief zum Fenster. Sie riss den Vorhang zur Seite und blickte zu der alten Ruine, die entfernt auf einem Hügel lag. Bald würde Vollmond sein. Das Tal war im Licht des fast vollen Mondes deutlich zu erkennen, ebenso wie die gezackten Umrisse des halb zerfallenen Gemäuers. Cesina kniff die Augen zusammen. Sie kannte die Silhouette gut. Seit ihrer Kindheit stand ihr die Ruine Tag und Nacht vor Augen. Aber jetzt störte sie etwas an diesem Anblick, irgendetwas war … falsch.
Eine dunkle Ahnung machte sich breit und Cesina klammerte die Finger an das Fensterbrett. Sie stand so nah am Fensterglas, dass ihr Atem darauf beschlug. Hastig wischte sie ihn weg und musterte die Burgruine. Es war der oberste Burgturm – eine Veränderung daran ließ sie stutzen. Sie hielt den Atem an. Etwas bewegte sich auf dem Gemäuer. Etwas Großes.
Ein schwarzer Schemen hob und senkte sich, um sich schließlich zu entfalten. Ein riesiger Flügel, der sich vor dem blassen Mondlicht abhob. Ein zweiter folgte. Die Gestalt, zu der diese Schemen gehörten, kauerte sich auf dem Burgturm zusammen. Dann, mit einem mächtigen Satz, stieß sie sich ab und für den Bruchteil einer Sekunde erkannte Cesina die gewaltigen Ausmaße des Wesens, ehe es mit seinen Flügeln schlug und zwischen den nahen Berggipfeln verschwand.
Cesina verharrte einen Moment, gefangen in Schreck und Überraschung. Dann hastete sie zu ihrem Schrank und holte das Mobiltelefon heraus, das ausschließlich für diese Zwecke angeschafft worden war. Sie wählte eine Kurzwahltaste und starrte dabei noch immer in Richtung Fenster, als könnte der dunkle Schatten direkt davor wieder auftauchen. Es klingelte einmal und dann meldete sich eine tiefe Stimme.
„Ja?“
Cesina zögerte. Der dunkle Schatten schwang sich vor ihrem inneren Auge noch einmal in die Luft und schien mit nur einem Flügelschlag Unheil zu verkünden. „Er ist zurück“, hauchte sie schließlich. „Der Drache ist in die rumänischen Karpaten zurückgekehrt.“


Kapitel 1

Die Sonne brannte heiß. Obwohl erst Frühling war, spürte Elisa Jäger, wie sie ihr den Schweiß aus den Poren trieb. Dabei hatte sie sich diesmal extra wärmer angezogen, weil sie am Vortag gefroren hatte. Sie richtete sich auf und fuhr sich mit der Hand über die Stirn, an der einige vereinzelte Strähnen ihres Haares klebten.
Die Karpaten überraschten sie immer wieder aufs Neue, nicht nur des Wetters wegen. Elisa war erst seit drei Tagen hier und schon hatte diese raue, unwirtliche Gegend sie verzaubert. Auch jetzt, im Licht der Spätnachmittagssonne, erstrahlten die zerklüfteten Bergspitzen und ihre Hänge mit den dichten, undurchdringlichen Wäldern in einem ganz eigenen Schein. Elisas Blick glitt über die Berge zu dem Tal zu ihren Füßen. Sie stand auf der Mauer einer verfallenen Burg, in der sie seit ihrer Ankunft nach Hinweisen suchte.
„Begaffst du wieder Steine und Wasser?“, erkundigte sich eine weibliche Stimme hinter ihr. Ein Grinsen schwang darin mit.
Elisas spürte ein Lächeln auf den Lippen, noch bevor sie sich umgedreht hatte. „Natürlich. Warum sollte ich auch arbeiten?“, fragte sie Naruka und zwinkerte dabei.
Die zierliche Rumänin hatte ihr atemberaubendes, rotes Haar zu einem Knoten geschlungen und die Hände herausfordernd in die Hüften gestemmt. Die grünen Augen verliehen ihrem Gesicht, mit den hohen Wangenknochen und den vollen Lippen, etwas Katzenhaftes.
Als Elisa bei ihrer Ankunft auf ihre zukünftige Assistentin getroffen war, hatte sie sich einen kurzen Moment des Neids nicht verkneifen können. Narukas geschmeidige Gestalt und ihr lebhaftes Temperament zogen sofort alle Männerblicke auf sich. Elisa konnte mit ihren dunklen Locken und den blauen Augen nicht von sich behaupten, hässlich zu sein, aber sie war sicherlich nicht eine so exotische Schönheit wie die einen Kopf kleinere Rumänin.
Nichtsdestotrotz hatten sie sich schnell angefreundet. Naruka respektierte Elisas Interesse an Rumänien und vor allem an der Dracula-Sage und war ihr dankbar für ihre Übersetzungen und die Hilfe, die sie immer wieder bot. Naruka war es auch gewesen, die Elisa die versteckte Grotte gezeigt hatte, die angeblich einmal dem Besitz der Familie der Dracul, Draculas Vorfahren, angeschlossen war. Sie grenzte an eine kleine, fast zerfallene Burg, und Elisa vermutete, dass es sich dabei um die wahre Dracula-Burg handeln könnte. Sie beschäftigte sich als Archäologin und Volkskundlerin seit Jahren mit der Dracula-Sage und nun war es endlich so weit: Sie hatte von ihrer Universität in Deutschland die Erlaubnis erhalten, ihre Forschungen durch Feldarbeit auszuweiten. Eine rumänische Vereinigung, die sich Gesellschaft zum Erhalt karpatischer Sagen nannte, finanzierte ihre Arbeit. Ihre Auftraggeber hatte Elisa niemals zu Gesicht bekommen, aber in diversen E-Mails war ihr immer wieder zugesichert worden, wie sehr man an ihren Ergebnissen interessiert sei. Für Elisas verletzte Forscherseele waren diese Worte Balsam und ein großer Ansporn gewesen – sie verteidigte seit Jahren die These, dass sich hinter dem Dracula-Vampir-Mythos etwas ganz anderes verbarg, von dem abgelenkt werden sollte. Den Beweis fand sie in diversen Legenden und der Gestalt Vlad Tepes sowie seiner beiden Brüder. Sie hatte aber bisher keinerlei stichhaltiges Material vorweisen können, das ihre These untermauert hätte. Umso dankbarer war sie, endlich hier zu sein.
Elisa ließ sich auf einen herabgefallenen Stein sinken und zog eine kleine Wasserflasche aus der Halterung am Gürtel. Das Wasser rann wohltuend über ihre Zunge, kühlte ihre Kehle.
„Hast du es schon gesehen?“ Naruka setzte sich neben sie und blickte zur Burg hinauf.
Elisa setzte die Flasche ab und schüttelte den Kopf. „Was denn?“
„In der Grotte muss es gestern Nacht eine Erschütterung gegeben haben. Der große Felshaufen, der den Durchgang versperrte, ist auseinandergebrochen. Der Weg ist frei.“
„Und das sagst du mir jetzt erst?“
„Ich dachte, du wüsstest es schon. Normalerweise drehst du doch jeden Morgen eine Kontrollrunde durch die Grotte.“
Elisa runzelte die Stirn und versuchte, den Eingang der Höhle zu fixieren, der sich als schwarzes, klaffendes Loch vom Felsen abhob. „Ich habe gestern Nacht ungewöhnlich tief geschlafen“, murmelte sie. „Heute Morgen kam ich fast nicht aus dem Bett.“
Naruka stand auf und zog Elisa mit sich. „Dann solltest du es dir jetzt ansehen, meinst du nicht?“ Die Rumänin schmunzelte.
Das Sonnenlicht ließ ihre Augen für einen Moment wie Saphire aufblitzen, und Elisa wurde das Gefühl nicht los, dass ihre Assistentin etwas ganz anderes mit ihren Worten gemeint hatte. Sie verwarf den Gedanken gleich wieder – bei dem Tempo, das Naruka vorlegte, musste sie sich auf den schmalen, mit Geröll übersäten Weg konzentrieren.
Vor dem Höhleneingang blieb sie stehen. Wie immer, wenn sie kurz davor war, einzutreten, hielt sie inne. In der Grotte hatten sie bereits einige verborgene Schätze der ehemaligen Burgbewohner gefunden: Kleidung, kleinere Schmuckstücke und Pergamentrollen. Nichts von großem Wert, aber für Elisa Hinweise, dass dieser Ort für die Bewohner der Burg wichtig gewesen war. Sie spürte förmlich die im Verborgenen schlummernde Geschichte, wenn sie vor dem Eingang stand. Sie schöpfte daraus Hoffnung, dass sie hier neue, einschneidende Erkenntnisse zur Dracula-Sage finden würde.
Kühle Luft wehte ihnen aus dem Inneren des Felsens entgegen und streichelte Elisas Gesicht. Sie trug Verheißung mit sich und ein wenig Moder. Über sich selbst lächelnd, betrat Elisa die Grotte. Naruka steuerte zielstrebig einen weiter innen liegenden Bereich an. Bereits zu Beginn der Forschung hatten sie generatorbetriebene Lampen verteilt. Das beständige Brummen erfüllte die Höhle. Ein beruhigendes Geräusch. Im fahlen Licht der 200 Watt Birnen wanderten sie zwischen Felsbrocken und kleineren Steinen herum. Als sie um eine Ecke bogen, verschwand der Umriss des Grotteneingangs. Die kühle Luft war so tief im Berg nur noch kalt. Elisa rieb sich über die Arme und folgte Naruka. Die Rumänin bewegte sich zu flink. Elisa verlor sie bald schon aus den Augen. Sie beeilte sich, ihr zu folgen, stutzte aber, als sie Stimmengewirr hörte. „Naruka?“, rief sie leise. Die Stimmen fuhren fort. Sie klangen aufgeregt, und wie es aussah, sprachen sie Rumänisch. Elisa beschleunigte ihren Schritt. Plötzlich schoss eine Hand aus dem Halbdunkel zwischen zwei Lampen hervor und hielt sie auf. Elisa erstarrte vor Angst – als hätte jemand eiskaltes Wasser über ihr ausgegossen. Vor Schreck stieß sie einen spitzen Schrei aus und strauchelte zurück. „Was treiben Sie hier?“
„Und Sie?“, stellte eine dunkle Stimme auf Englisch eine Gegenfrage. Ein Mann trat aus der Dunkelheit. Er trug eine Khakihose und ein kurzärmliges Hemd, das ebenso Blau war wie seine Augen. Zwischen seinen blonden Augenbrauen stand eine steile Falte. Sein Körper erinnerte an ein dünnes, geschmeidiges Fechtflorett. Er fixierte Elisa wie ein Insekt.
„Was geht Sie das an? Sie befinden sich hier auf meiner Forschungsstätte“, hielt Elisa ihm scharf entgegen. Noch bevor der Mann antworten konnte, stieß sie seinen Arm zur Seite und lief weiter in die Richtung, aus der noch immer die Stimmen kamen. Der Fremde folgte ihr, aber bevor er sie einholen konnte, erreichte Elisa das Ende der Grotte und fand Naruka, offenbar im Streit mit einem weiteren Mann. Elisa verstand kein Wort. Beide sprachen schnell. Ihre Assistentin wirkte wütend, während der Mann Naruka kühl musterte und ihr knapp antwortete. Die kleine Rumänin deutete auf den Spalt, der in der Wand klaffte und einen kleinen, bisher verborgenen Raum freigab. Ihr Gegenüber würdigte diesen keines Blickes. Sein kurz geschnittenes, schwarzes Haar fiel ihm in die Stirn, als er entschieden den Kopf schüttelte. Naruka stieß einen frustrierten Laut aus, bemerkte sie endlich und wandte sich zu ihr um. „Elisa!“
Elisa trat näher und musterte den Mann. Er trug ebenfalls eine Khakihose, schwere Stiefel und einen Pullover mit einem kurzen Rollkragen. Seine Augen leuchteten ebenso grün wie Narukas, aber in seinen glaubte Elisa, goldene Splitter zu erkennen. Wo Narukas Blick Hitze und Wildheit in sich trug, glomm in seinem kaltes Feuer. Etwas darin jagte Elisa heiß-kalte Schauder über den Rücken und sie rang mit dem Wunsch, auf ihn zuzugehen und ihm diese winzige, widerspenstige Haarsträhne aus der Stirn zu streichen. Sie erschrak über die Wärme auf ihren Wangen – sie reagierte doch sonst nicht so offensiv auf wildfremde Männer, mochten sie noch so gut aussehen!.
 Elisa schob das Kinn vor. „Mein Name ist Dr. Elisa Jäger. Ich bin die Verantwortliche für diese Ausgrabungsstätte – was wollen Sie hier?“, fragte sie auf Englisch. Narukas Gesprächspartner trat einen Schritt auf sie zu. Elisa musste achtgeben, dass sie nicht zurückwich. Dieser eine Schritt hatte keinen Mann näher gebracht, sondern ein Raubtier. Verwirrt blickte sie in sein Gesicht.
„Dr. Jäger also? Dann sollten Sie mich kennen“, sagte er. „Ich bin Ihr Auftraggeber.“
Sie versuchte, sich vom Anblick dieser seltsamen Augen und des leichten Bartschattens, der auf seinen Wangen lag, loszureißen. Wieso ließ sie sich so leicht ablenken? Sie rieb sich über die Nasenwurzel, um sich zu sammeln, und versuchte, sich auf seinen letzten Satz zu konzentrieren.
„Mein Auftraggeber ist die Gesellschaft zur Erhaltung der karpatischen Sagen.“
„Genau diese Gesellschaft repräsentiere ich. Mein Name ist Victor Dracul – ich bin der Vorsitzende.“
Elisa blieb beinahe der Mund offen stehen. „Können Sie das beweisen?“, fragte sie schließlich.
Der Hauch eines Lächelns zeigte sich auf den fein geschwungenen Lippen, als Victor Dracul ihr ein zusammengefaltetes Blatt reichte. Eine Ausweiskopie. Das Foto und der Name wiesen ihn als Victor Dracul aus. Elisa erinnerte sich: Sie hatte den Namen tatsächlich auf den Verträgen und Unterlagen gesehen, die die Gesellschaft ihr damals geschickt hatte. Sie reichte ihm das Papier zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. „Und was verschafft uns die Ehre Ihres Besuches, Mr. Dracul?“
Er deutete auf den neu aufgetauchten Raum. „Warum haben Sie uns nicht informiert?“, fragte er scharf.
Elisa presste die Lippen aufeinander. „Weil wir selbst erst heute erfahren haben, dass der Felsverschluss aufgebrochen ist“, erwiderte sie im gleichen Tonfall. „Wir wollten ihn gerade untersuchen.“
„Sie sind verpflichtet, regelmäßig Bericht über Ihre Arbeiten abzulegen“, erwiderte Victor Dracul. „Bisher haben Sie Ihre Pflicht vernachlässigt und wir haben darüber hinweggesehen, aber eine Veränderung derartiger Tragweite muss umgehend berichtet werden.“
Elisa ballte die Fäuste. Was bildete sich dieser Kerl ein? „Meine Berichte wurden alle pünktlich an Ihre Zweigstelle in Bukarest geschickt“, zischte sie leise. „Wenn Ihre Mitarbeiter es nicht schaffen, sie Ihnen rechtzeitig zukommen zu lassen, machen Sie mich nicht verantwortlich. Und was diesen neuen Raum angeht, habe ich Ihnen bereits gesagt, dass wir gerade erst anfangen, ihn zu untersuchen.“
Sie hielt seinem Blick lange genug stand, dass ihre Aussage glaubwürdig wirkte. Sein Gesicht blieb jedoch unbewegt, auch noch, als er nickte. Elisa atmete leise auf „Es mag sein, dass Ihre Berichte mich noch nicht erreicht haben.“ Er fixierte abermals ihre Augen. „Um dem in Zukunft vorzubeugen, werden Sie mir persönlich Bericht erstatten, einmal in der Woche. Außerdem werden Darius und ich bei Ihren Untersuchungen des neu geöffneten Raumes dabei sein.“
Elisa wollte protestieren, aber er fuhr unerbittlich fort.
„Andernfalls werde ich dafür sorgen, dass Ihnen unverzüglich alle Mittel gestrichen und Sie vom Ausgrabungsort entfernt werden. Ist das deutlich?“
Die letzten Worte hatte er fast sanft ausgesprochen, aber Elisa spürte, dass er keine leeren Drohungen machte. Wenn sie sich als unkooperativ erwies, würde er sie einfach rauswerfen. Dann wäre alles, wofür sie bisher gearbeitet hatte, umsonst gewesen. Sie biss die Zähne zusammen und rang sich ein Nicken ab.
Auch Victor nickte. „In Ordnung. Es freut mich, dass wir uns einig sind.“
Elisa würdigte ihn keiner Antwort, sondern wandte sich an Naruka, die stumm neben Darius stand und sie beobachtete. „Wo sind die Taschenlampen?“, fragte sie und die Rumänin beeilte sich, zu einer Kiste zu gehen, in der sie diverse Gerätschaften luftdicht verschlossen aufbewahrten. Sie kam mit zwei schweren Stabtaschenlampen zurück und reichte ihr eine. Darius wollte nach der zweiten greifen, aber Naruka zischte etwas auf Rumänisch, woraufhin sich der blonde Mann zurückzog.
Naruka hielt ihre Taschenlampe wie einen Dolch, grimmig wie eine Kriegerin kurz vor der Schlacht. Darius beobachtete Elisa mit unverhohlenem Misstrauen und Victor schien einfach abzuwarten, was sie tun würde. Elisa wandte sich um und schaltete die Taschenlampe an. Sie leuchtete über die Ränder des neuen Zugangs. „Seien Sie vorsichtig“, sagte sie halblaut, während sie das Loch im Felsen begutachtete. Bisher hatten Steine es verborgen. Der Geröllhaufen war wahrscheinlich durch einen Einsturz dorthin gelangt. Ein zweiter Einsturz hatte das Loch wieder freigelegt, aber angesichts der Steine, die in kleinen Haufen in der Grotte verteilt lagen, zweifelte Elisa, ob wirklich reine Naturkraft den Durchgang geöffnet hatte. Vielmehr wirkte es, als hätte etwas von innen die Steinmauer weggesprengt. „Der Einsturz muss letzte Nacht geschehen sein, aber wer weiß, ob sich nicht doch noch Felsbrocken lösen.“
Der kreisrunde Lichtschein der Lampe wanderte über Gestein und dann tiefer in den Raum. Elisa hielt den Atem an. Jeden Winkel, jeden noch so kleinen Flecken Fels bedeckten farbige Linien und Muster. Das unruhige Licht der Taschenlampe ließ sie flackern, schob die Formen zu Bildern zusammen, nur um sie einen Wimpernschlag später wieder auseinanderzureißen.
„Unglaublich“, murmelte Victor an ihrem Ohr. Elisa schrak zusammen – sie hatte ihn nicht näher kommen gehört und auch nicht bemerkt, dass er direkt hinter ihr stand. „Was ist das?“, fragte er und drehte sich um, um in den Raum zu sehen.
„Bilder“, murmelte Elisa und ließ den Lichtkreis an einer der Wände verharren. Er erleuchtete einige dunkle Linien, die eine riesenhafte Gestalt darzustellen schienen. „Ich muss näher ran, um etwas zu erkennen.“ Sie stieg über einen herabgefallenen Stein. Ihr Fuß berührte den Boden des Steinraums. Ein ohrenbetäubendes Brüllen ertönte. Elisa ließ die Leuchte fallen und riss die Hände in die Höhe, presste sie auf ihre Ohren. Das Brüllen hörte nicht auf, es verschlimmerte sich, und Elisa verstand, dass sie es nicht hörte. Das Brüllen erscholl in ihrem Kopf.
Sie schrie auf und brach ab, als sich Lederriemen um ihre Handgelenke schlangen. Elisa blickte auf – Helligkeit durchflutete den Raum. Es war kein elektrisches Licht, sondern das flackernde, unruhige Licht von Flammen. Fackeln.
Stimmen drangen an ihre Ohren; sie sprachen Rumänisch, aber diesmal verstand Elisa sie. „Hure“, brüllten sie und „Satansweib“. An den Lederriemen zerrte man sie nach vorn in die Mitte des Raumes und band ihre Arme weit über ihrem Kopf an das Ende eines Pfahls. Die unsichtbare Menge tobte. Raues Holz zerschürfte Elisas Wange. Ihre Schutzlosigkeit machte sie wahnsinnig – sie riss an den Riemen, bis ihre Handgelenke bluteten. Sie rief einen Namen, den sie nicht kannte. Eine Antwort folgte sofort, doch es war keine Stimme, die sprach, sondern das Sirren einer ledernen Peitsche. Sie durchschnitt die Luft und kurz darauf Elisas Kleidung. Ihr Hemd und ihre Hose hatten sich in ein kratzendes Leinenkleid verwandelt, das der Peitsche keinen Widerstand bot. Schnell hing es in Fetzen an ihrem Körper herab. Elisas Haut hielt den nächsten Schlägen nicht viel länger stand. Abermals schrie sie gellend und übertönte so das Johlen der Menge, die bei jedem Peitschenhieb jubelte. Der Schmerz glich glühenden Kohlen, die man über ihren Rücken zog. Elisa fühlte Feuchtigkeit und wusste, ohne hinsehen zu können, dass es ihr Blut war, das ihr den Rücken hinabrann.
Als die Qual schier unerträglich wurde, verschwamm ihre Umgebung. Elisa spürte keinen Schmerz mehr, nur Wärme und seidenweiche Laken, die sie umhüllten. Sie lag nackt auf dem Rücken. Gerade, als sie sich aufsetzen wollte, nahm Lust die Stelle des Schmerzes ein, heftig und vollkommen, sodass sie den Kopf zurückwarf und laut aufstöhnte. Eine warme Zunge glitt über ihre Scham. Elisa tastete zwischen ihre Schenkel, ihre Finger fanden weiches Haar. Ein Mann kniete vor ihr und leckte sie, bis sie sich wand. Noch immer desorientiert von diesen seltsamen Ereignissen und benommen vor Lust, keuchte sie, schaffte es aber irgendwie, den Kopf wegzuschieben. Der Mann glitt höher. Auf seinem Weg zu ihren Lippen küsste er eine brennende Spur ihren Körper entlang. „Nicht“, murmelte Elisa schwach. „Was …“
Er lag nun zwischen ihren Beinen, koste ihren Hals. Seine Erektion rieb sich an ihrem Schoß. Sein heißer Atem floss über ihre Haut. Ihre Finger ertasteten harte Muskeln, die sich verkrampften, als sie darüberglitt. Der Mann, der sich an ihr rieb, schien gleichzeitig vor jeder aktiven Berührung ihrerseits zurückzuzucken. „Was?“, wiederholte Elisa und umfasste sein Gesicht. Mit Bestimmtheit zwang sie ihn, sie anzusehen. Ihr Herzschlag schien einen Moment auszusetzen, als sie das Gesicht ihres mysteriösen Liebhabers erkannte. Victor Dracul. Ganz anders als noch in der Grotte zeigte sich seine Miene schmerzlich verzerrt. In seinem Blick lag eine unerklärliche Sehnsucht, die Elisa das Herz brach.
Sie kannte diesen Mann nicht, aber etwas in ihr wusste mit einer Bestimmtheit, die ihr Angst einjagte, dass diese Sehnsucht ihr galt.
„Du darfst ihm nicht trauen“, flüsterte er an ihren Lippen. „Was auch immer er sagt, was auch immer er dir verspricht, trau ihm niemals“, flehte er. Bevor Elisa fragen konnte, wen er meinte, zog er sie in seinen Kuss und drang in sie ein. Sie stöhnte in seinen Mund und schloss die Augen, als seine harten Stöße sie mit sich fortrissen. Er hielt sie fest an sich gedrückt, biss und leckte über ihren Hals, während er wieder und wieder in sie eindrang. Geschmeidig und heiß bewegte sich seine Härte in ihr, heißer als jemals ein anderer Mann. Elisa gab einfach auf. Sie kreuzte die Beine über seinem Po, krallte sich in seinen breiten Rücken und bettelte leise darum, dass er sie küsste. Es dauerte nicht lang und ihr Körper spannte sich. Elisa schaute ihn an. „Victor“, flüsterte sie, als der Orgasmus sie überrollte, fortriss und die Welt im Dunkel versinken ließ.

„Elisa.“ Eine fremde Stimme. Wer sprach sie an? Elisa hielt sich an diesem Gedanken fest. Er half ihr, langsam aufzuwachen. Was war geschehen? Sie stöhnte und schlug die Augen auf. Sie befand sich nicht mehr in der Grotte. Stattdessen hatte man sie in einen Raum mit einem breiten, bequemen Bett gebracht. Vor dem einzigen Fenster bauschte sich ein roter, durchscheinender Vorhang durch einen leichten Luftzug. Das Fenster stand halb offen. Die leuchtende Scheibe hinter dem Stoff erwies sich als Vollmond. Sie wollte sich aufsetzen, aber eine Hand drückte sie an der Schulter zurück. Jemand beugte sich über sie. Eigentlich hatte sie erwartet, Narukas Gesicht zu sehen, stattdessen beobachteten sie Victor Draculs goldgesprenkelte Augen. Prompt spürte sie wieder Röte auf ihrem Gesicht, diesmal unleugbar und für jeden deutlich sichtbar. Allein sein Anblick beschwor das Gefühl seines Körpers zwischen ihren gespreizten Schenkeln herauf, und das war sicher das Letzte, woran sie denken sollte, wenn ihr Brötchengeber bei ihr saß. Dass sie beide sich gerade in einem Bett befanden, half nicht.
„Wie geht es Ihnen?“, fuhr Victors Stimme fort. „Sie waren einen Tag lang nicht ansprechbar. Der Arzt sagte, dass Ihnen zumindest körperlich nichts fehlt.“
Elisa fuhr sich mit der Zungenspitze über die Unterlippe. „Helfen Sie mir, das Puzzle zusammenzufügen.“ Sie mied weiterhin seinen Blick. „Ich erinnere mich nur, dass ich diese Grotte betrat, und dann …“ Sie brach ab, zum einen, weil das, woran sie sich erinnerte, zu fantastisch klang, zum anderen, weil sie von Victor Dracul wissen wollte, was die anderen gesehen hatten.
„Sie sind einfach zusammengebrochen, kaum dass Sie den Raum betreten hatten.“ Elisa spürte eine große Hand, die über ihren Arm glitt und ihn sanft umfasste. „Wir haben Sie zu meinem Wohnsitz bringen lassen, damit mein Arzt Sie untersuchen konnte und Sie sich ausruhen.“
Ein Schauder rann über ihr Rückgrat, als Victors Finger über ihre Haut streichelten und sie wagte es, den Blick zu heben. Sofort nahmen sie diese grün-goldgesprenkelten Augen gefangen.
„Fühlen Sie sich besser?“ Seine Stimme klang weich, wie eine Spiegelung der Berührung seiner Hand auf ihrer Haut. Elisa senkte den Blick und entzog ihm ihre Hand. Victor Dracul war ihr Vorgesetzter und außerdem ein Unbekannter, mahnte sie sich. Er wirkte ohne Zweifel verführerisch mit seinem Bartschatten und der Art, wie sein Pullover sich an die Rundungen seiner Muskeln schmiegte. Das war sicher der Grund, warum sie so konfus von ihm geträumt hatte.
Elisa hob die Hand und fuhr sich über das Gesicht. „Es muss die Luft gewesen sein“, nuschelte sie durch ihre Finger hindurch. „Wer weiß, wie lange dieser Raum verschlossen war. Wer weiß, was sich darin befand – ich habe sicherlich einfach den geringen Sauerstoffgehalt unterschätzt.“
Victor hob eine Augenbraue. Es war deutlich, dass er diese Erklärung für unsinnig hielt, aber anscheinend wirkte sie elend und müde genug, dass er ihr nicht widersprach.
„Sie möchten sich sicherlich noch etwas ausruhen“, sagte er. Seine Stimme klang eine Spur kühler.
Darüber verwirrt, nickte sie nur.
Victor tat es ebenso und erhob sich. „Ich werde Ihnen Essen bringen lassen, und Sie sollten den Rest der Nacht nutzen, um noch etwas zu schlafen.“ Schon halb zur Tür hinaus, drehte er sich noch einmal um. „Morgen werde ich Sie bitten, darüber zu sprechen, was Sie zwischen dem Moment ihres Zusammenbruchs und Ihres Erwachens gesehen haben. Auch in Ihren Träumen.“
Die Tür schloss sich hinter ihm, und Elisa blieb mit ihren Gedanken allein.
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