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The Black Club, London
Emilia Jones

Preis eBook:6,99 EUR
Format:PDF
Genre(s): Fantasy
Themen: Vanilla
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Inhaltsangabe:

Der jungen Anwältin Libba Hope wird von ihrem Vorgesetzten kein leichter Auftrag zugeschoben: Sie soll den verruchten Damian Black vom Verkauf seines heruntergekommenen Londoner Nachtclubs überzeugen.
Doch als Libba den Club betritt, wird sie nicht nur Zeugin hemmungsloser Sexspiele, sondern läuft auch dem mysteriösen Cedric über den Weg. Dieser hat ebenfalls ein Interesse daran, Damian Black aus dem Weg zu räumen.
Während Libba noch glaubt, dass es sich bei dem Verkauf um ein ganz normales Geschäft handelt, braut sich hinter ihrem Rücken ein Krieg zwischen Vampiren und Werwölfen zusammen. Libba gerät in die Schusslinie, und ehe sie sich versieht, ist sie nicht nur nahe daran, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, sondern auch ihr Herz.

Teil 3 der Club Noir-Serie.

Hörprobe "Erotic Morning Lounge": [The Black Club, London - gelesen von Rena Larf]
Über die Autorin:

Emilia Jones ist das Pseudonym der Autorin Ulrike Reineke. Die Autorin, Jahrgang 1978, ist bis heute wohnhaft in der niedersächsischen Kleinstadt Gronau (Leine). Sie ist gelernte Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte und arbeitet in der technischen Abteilung einer Zeitung. Seit März 2004 ist sie außerdem Herausgeberin des kleinen phantastischen Literaturheftchens "Elfenschrift".

Sie betreibt auch die Homepage www.world-phantastika.de.

Besuchen Sie auch die Homepage von Emilia Jones: www.emilia-jones.de.

Ebenfalls von Emilia Jones im Plaisir d'Amour Verlag erschienen:
Leseprobe:

Szene 1:

Cedric vergnügte sich zwei weitere Nächte mit der Blondine. In der dritten stellte er fest, dass ihn ihre jugendliche Naivität langweilte. Ihre Schönheit und ihr frisches Blut hatten ihm für einen kurzen Zeitraum gefallen. Nun wurde er ihrer überdrüssig und schickte sich an, sie zu verlassen.
„Gib mir mehr von deiner Liebe“, bettelte sie wie eine Drogensüchtige. „Immer mehr ... Fick mich und fick mich und fick mich ...“ Heulend warf sie sich auf dem Bett zur Seite.
Cedric empfand Mitleid für das schwache, einfältige Mädchen, das nicht aus seiner Haut heraus konnte.
„Dann muss ich dich wohl vergessen lassen“, sagte er. Behutsam drehte er sie um. Sogleich klammerte sie sich an ihn, als hätte sie die geringste Chance, ihn zu halten.
Er legte ihr eine Hand auf die Stirn. Wärme breitete sich darunter aus und durchströmte den Körper der Blondine, bis sie in einen schwerelosen Zustand verfiel. Sie schloss die Augen und empfing in ihren Träumen die Erinnerungen, die Cedric ihr vermittelte. Mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen sank sie in die Kissen. Am nächsten Morgen würde sie erwachen und nichts mehr von ihrem leidenschaftlichen Liebhaber wissen.
Cedric bezahlte das Hotelzimmer für eine Woche im Voraus und verließ den Ort. Die Blondine würde später glauben, sie hätte die Übernachtungen von ihren letzten Ersparnissen bezahlt. Aber das spielte keine Rolle.
Draußen, auf den Straßen Londons, wurde Cedric von seiner alten Freundin, der Nacht, umfangen. Er fühlte sich wohl in der Dunkelheit. Mehrmals tauchte er in sie ein, verschmolz mit ihr, sodass er für niemanden sichtbar war.
Er hatte zuvor keinen Gedanken daran verschwendet, wie sich sein Dasein in London gestalten würde. Hier gab es keinen Kontakt zu anderen Vampiren oder einen Club, in den er sich zurückziehen konnte. Hier hatte er nie jemand anderen als sich selbst gesucht. Daher beschloss er, seine Fühler auszustrecken. Er würde sie aufspüren, die Kreaturen der Nacht, die in London zu Hause waren.

Cedric suchte lange und fand nur wenige und meist sehr verschwommene Impulse, die er verfolgen konnte. Der stärkste führte ihn in die River Street, wo er auf eine Reihe verlassener Häuser stieß. Große Schilder zeugten davon, dass hier in nächster Zukunft ein Shoppingcenter entstehen sollte.
Lediglich in einem Teil eines hohen, verfallen wirkenden Gebäudes schien Leben zu pulsieren. Eine vertraute Form von Leben. Sie war anders als die vampirische Aura, die Cedric bekannt war.
Nichtsdestotrotz bewegte er sich auf das Haus zu. Bevor er sich Zutritt verschaffte, verweilte er in seiner Bewegung. Er machte einen Schritt zur Seite.
Seine Vorahnung bestätigte sich nur wenige Sekunden später. Die Tür wurde von aufgestoßen und eine Frau in dunklem Kostüm stürmte auf die Straße. Sie vermittelte einen aufgewühlten und desorientierten Eindruck. Zuerst lief sie einige Schritte, hielt dann inne, um nach Luft zu schnappen. Als sich ihre Atmung scheinbar normalisiert hatte, fuhr sie zusammen und machte sich aus dem Staub.
Eine naive Frau, der sämtliche ungewöhnlichen Dinge fremd waren, entschied Cedric.
Er hatte die Tür mit einer Hand offen gehalten und trat in den Eingangsflur. Der Stil der Ausstattung erinnerte ihn an den Brüsseler „Club Noir“. Ein Treffpunkt für Vampire. Ein Ort, den er lange Zeit seine Heimat genannt hatte. In diesem Londoner Gebäude musste es ebenfalls einen Zusammenschluss nächtlicher Kreaturen geben. Die Anzeichen dafür waren allzu deutlich.
Ein langer Flur führte Cedric zu einer weiteren Tür, die ihn schließlich in das Geschehen des Clubs brachte. Es waren gewöhnliche Menschen, zwischen die er geriet. Sie trugen schwarze Kleidung, vornehmlich in Lack und Leder, und aus ihren puderweißen Gesichtern starrten sie mit düster geschminkten Augen. Die Szene ließ sich lediglich ansatzweise mit dem „Club Noir“ vergleichen. Hier ging es wesentlich skurriler zu.
Cedric fragte sich, wer einen solchen Laden betrieb. Vor allem, wo sich die Vampire versteckten, die er zu erspüren glaubte. Früher oder später würde er es herausfinden. Das war sein erklärtes Ziel, doch bis dahin verhielt er sich wie ein gewöhnlicher Gast. Er ging an die Bar und bestellte einen Rotwein.
„Wer hat dich eingeladen?“, wurde er von der Seite angesprochen. Ein junger Vampir war wie aus dem Nichts neben ihm aufgetaucht.
Cedric war bewusst, dass seine Anwesenheit nicht unbemerkt geblieben wäre, daher betrachtete er den Fremden ruhig. Er war von kleiner, schmaler Gestalt und die blassblonden Haare fielen ihm in dünnen Strähnen auf die Schultern. Über seine Nase und die Wangen breitete sich eine Vielzahl an Sommersprossen aus. Am Ungewöhnlichsten waren seine Augen. Groß und hell strahlten sie keinen Funken der Finsternis aus, die einem Vampir innewohnen sollte. Einem solchen Vampir war Cedric nie begegnet.
„Sind hier nur geladene Gäste willkommen?“
„Es weiß also niemand von deiner Anwesenheit?“ Je mehr sich die Augen des Fremden weiteten, umso lächerlicher sahen sie aus. Er war schlichtweg keine Person, die man ernst nehmen konnte.
„Ich wüsste nicht, warum.“
„Das ist sehr dumm von dir.“
„Wie süß“, frotzelte Cedric, „aber ich denke, ich kann gut auf deinen Rat verzichten.“
Was bildete sich dieser Jüngling ein? Wusste er nicht, dass er einem der ältesten und mächtigsten Vampire gegenüberstand?
„Dein Sarkasmus wird dir schon vergehen. Wenn dich Damian erst mal in die Finger kriegt … dann wird er …“
Cedric unterbrach ihn wirsch: „Ah, dann ist Damian euer Boss?“ Dieses Geplapper war schlichtweg nicht auszuhalten.
„Schhhhht … nicht so laut.“ Eigenartigerweise zitterte der Fremde, und erst, als er sich offenbar nach möglichen ungebetenen Zuhörern umgesehen hatte, wandte er sich Cedric ruhiger zu. Dieses Mal beugte er sich vor und sprach im Flüsterton.
„Du bist neu hier und kennst dich anscheinend nicht aus“, stellte er fest. „Du tätest gut daran, meine Warnung anzunehmen. Damian ist kein Vampir, das solltest du wissen, und du solltest dich davor fürchten. Es gibt in London nicht mehr viele von uns. Die anderen haben die Macht übernommen.“
„Die anderen?“ Cedric zog die Augenbrauen zusammen. „Was meinst du damit?“
Der Fremde schwieg. Stattdessen hielt er sich eine Hand vor die Brust und machte ein Zeichen, das Cedric vergessen geglaubt hatte. Das Untier. – Der Werwolf.

Schwer atmend erreichte Libba ihre Wohnung. Diese kurze Begegnung mit Damian Black hatte sie an ihre Grenzen getrieben. Sie schaffte es kaum, den Türschlüssel ins Schloss zu stecken und sich Einlass zu verschaffen. Als es ihr endlich gelang, verlor sie keine Zeit, hinter sich alles wieder zu verriegeln.
Vermutlich bildete sie sich nur ein, dass Damian Black sie den ganzen Weg über verfolgt hatte. Allerdings wollte sie lieber sicher gehen und warf einen Blick durch den Spion auf den Flur.
Nichts.
Dann fiel ihr etwas Entscheidendes ein. Sogleich wirbelte sie herum und kontrollierte, ob alle Fenster in ihrer Wohnung geschlossen waren.
Natürlich fand sie keines, das offen stand, und seufzte sie erleichtert auf. Sie sank in ihren Lesesessel, verschränkte die Arme und dachte über das Geschehene nach. Vor ihren Augen hatte Damian Black sein Äußeres verändert. Den bedrohlichen Schatten über seinem Gesicht mochte sie sich eingebildet haben, nicht aber die Reißzähne. Ganz zu schweigen von den Krallen, die aus seinen Fingern gewachsen waren.
Zuletzt erinnerte sie sich an seine geschwollene Brust und die geplatzten Nähte seines dreckigen Hemdes. Erschrocken hatte sie aufgeschrien. Er hatte gelacht, wobei der Sabber immer weiter aus seinem Mundwinkel gelaufen war.
Was hätte sie anderes tun sollen, als Hals über Kopf zu fliehen? Es schüttelte sie bei dem Gedanken, eine Minute länger als notwendig in der Gesellschaft dieses … sie schluckte … dieses Monsters … zu verbringen.
Vom ersten Augenblick hatte er sie angewidert. Wenn sie an sein abscheuliches Gesicht dachte, an das Knurren und … Sie schüttelte den Kopf. Wie sollte sie mit so jemandem eine vernünftige Verkaufsverhandlung führen?
Libba begann, sich mit beiden Händen die Schläfen zu massieren. Sie fragte sich, ob das alles tatsächlich geschehen war. Sie konnte – nein, sie wollte – das ganz einfach nicht glauben.
Komm schon, reiß dich zusammen. So etwas gibt es doch gar nicht, ermahnte sie sich.
Kein Mensch hatte derart gewaltige Reißzähne, wie sie es bei Damian Black zu sehen geglaubt hatte. Und erst recht keine Krallen, die aus den Fingern wuchsen. Was für ein Unsinn!
Sie schloss die Augen und kuschelte sich in ihren Sessel. Es musste doch Angenehmeres geben, an das sie denken konnte. Als ob der Club sie nicht loslassen wollte, war es der sexy Dunkelhäutige, der ihr als Erstes in den Sinn kam. Die Szene hatte sich in ihr Gedächtnis eingebrannt. Es erschien ihr unsagbar anstößig, wie das Beobachtete sie verfolgte und erregte. Auf der anderen Seite erinnerte es sie schmerzlich an ihre Bedürfnisse. Wann hatte sie sich das letzte Mal mit einem Mann vergnügt? Sie wusste es nicht mehr.
Hitze erfasste sie, als sie sich vorstellte, wie sie selbst nackt dem Mann gegenüberstand. Es musste ein prickelndes Gefühl sein, die lange Perlenkette um den Hals zu tragen. Wie sich die glatten Kugeln an ihren harten Brustwarzen rieben und wie sie mit einer von ihnen ihre eigene Perle rieb, bis sie die heiße Feuchte der Lust zwischen ihren Schenkeln spüren konnte.
Im Halbschlaf zog Libba die Beine eng an ihren Oberkörper. Es war ihr peinlich, sich solch frivole Dinge auszumalen. Solange jedoch niemand davon wusste, ergab sie sich bereitwillig dieser Fantasie und schloss die Augen.
Der Dunkelhäutige tauchte hinter ihr auf. Sie erschauderte, noch bevor er sie berührte. Seine Hände fuhren von ihrem Nacken über ihre Schultern und ihre Arme hinab. Er nahm die Perle, mit der sie sich rieb, und tauchte damit in ihre Feuchte. Hinein und wieder hinaus. Hinein und wieder hinaus. Bis es Libba schwindelig wurde. Ihre Knie gaben nach. Sie wäre gefallen, hätte er sie nicht mit seinen starken Armen aufgefangen. Er hielt sie so fest, dass es ihr den Atem raubte. Dennoch genoss sie seine rauen Berührungen. Sie stöhnte auf unter dem stetig ansteigenden Druck, mit dem seine Finger sie rieben, bis sie schließlich glaubte, zu kommen.
In diesem Augenblick hörte er auf. Er wollte sie offensichtlich quälen, indem er ihren Höhepunkt hinauszögerte. Grob drehte er sie zu sich herum. Ihr Busen presste sich gegen seine muskulöse Brust. Libba streckte sich ihm entgegen, sie wollte seine Lippen auf den ihren spüren. Von seinem wilden, männlichen Geschmack kosten. Aber er verweigerte ihr den Kuss. Er sah sie nur an.
Etwas stieß gegen ihren Po. Eine Tischkante, vermutete Libba, und wollte sich umsehen. Der Dunkelhäutige hatte sie jedoch im Griff, sodass sie in ihrer Beweglichkeit auf ein Minimum eingeschränkt war. Schneller, als es ihr bewusst wurde, hatte er sie auf den Tisch gesetzt und war mit einem heftigen Stoß in sie eingedrungen.
Libba schnappte nach Luft. Sie wusste nicht, ob sie die Situation genießen oder sich wehren sollte. Da begann er, sich in ihr zu bewegen. Erst langsam, dann so ungestüm, dass der Akt sie wie in einem Rausch gefangen hielt. Sie konnte ihm nicht entfliehen und sie wollte es auch nicht. Nach dieser Art von Leidenschaft sehnte sie sich schon viel zu lange. Wie betäubt empfing sie seine Stöße, bis sich eine Explosion der Lust in ihrem Unterleib zusammen braute.
Kurz nachdem ihr Körper unter dem Orgasmus zu zucken begann, entspannte sich Libba in ihrem Sessel und versank in einem tiefen, befriedigten Schlaf.


Szene 2:

Sie kam in einen schmalen Flur und stieß die nächstbeste Tür auf. Ein Raum – nicht größer als eine Besenkammer – befand sich dahinter. Ihm schlossen sich ein zweiter und ein dritter Flur an. Danach verdunkelte sich die Umgebung. Die Lichtquellen versiegten. Erst da nahm Libba wahr, dass sich Fackeln an den Wänden befanden, deren Flammen kleiner wurden. Eine gespenstische Stille legte sich um sie.
Angst steckte ihr in den Knochen. Ihre Füße wagten sich nur unsicher voran, bis sie immer kleinere Schritte tat und sich bei jedem an der Wand entlang tastete. Plötzlich hörte sie ein Rascheln, als die Fackel direkt vor ihr erlosch.
Libba blickte sich um, konnte nur erahnen, was sich in der Dunkelheit verbergen mochte.
„Hallo?“, fragte sie vorsichtig. „Ist da jemand?“
Ähnliche Szenen hatte sie unzählige Male in Gruselfilmen gesehen und sie stets als albern und realitätsfremd empfunden. Nun wusste sie nicht, was sie anderes hätte fragen können.
Sollte sie einfach weitergehen und hoffen, dass der Flur irgendwann ein Ende fand? Oder sollte sie lieber so schnell wie möglich den Rückweg antreten? Dabei fiel ihr auf, dass sie vollkommen die Orientierung verloren hatte und nicht mehr wusste, welches überhaupt der Rückweg war.
Verflucht sollte ihr neues Selbstbewusstsein sein. Wäre sie doch nicht in diesen Gothic-Shop gegangen. Ihr graues Kostüm hatte sie nie in eine derartige Situation gebracht.
„Hallooo ...?“, wiederholte Libba.
Sie glaubte, ein Echo zu hören. Im nächsten Augenblick schlang sich ein Arm um ihren Unterleib. Eine Hand presste sich auf ihren Mund. Sie wollte zubeißen, doch ihr Angreifer verfügte über ernorme Stärke. Er presste ihr die Luft aus den Lungen.
In einem heftigen Rausch wurde ihr Körper aus dem Flur ins Freie gesogen. Hart landete sie auf der Seite und roch den Dreck der Straßen Londons. Er klebte in ihrem Haar, in ihrem Gesicht, und sie stemmte sich mit den Händen in ihm hinauf.
Vor ihr ragte eine mächtige Gestalt auf, weit entfernt von allem Menschlichen. Es war ein Ungeheuer mit dichtem, verfilzten Fell, glühenden Augen und einem gewaltigen Maul, das eine Reihe scharfer Zähne entblößte. Aus seiner Kehle drang ein widerwärtiges Röcheln.
Libba begann zu zittern. Sie zweifelte nicht, dass ihr letztes Stündlein geschlagen hatte. Sie konnte sich nicht wehren, fühlte sich nicht imstande, einen Hilferuf auszustoßen. Einzig einen Arm hob sie über ihr Gesicht, um sich darunter zu ducken. Gleich würde das Wesen sie packen.
Unter einem gequälten Aufschrei zuckte sie zusammen. Sie hörte ein Winseln, ähnlich einem Hund. Etwas zerriss, jemand stürzte, fluchte - und dann krachte etwas mit einem gewaltigen Aufprall gegen eine Hauswand. Kleine Steinbrocken fielen zu Boden.
Libba riss die Augen auf, als das Ungeheuer über sie sprang und dicht neben ihr auf seinen vier Pfoten landete. Sie erstarrte. Durch ihren Kopf geisterte lediglich eine Frage: Ob es auf der Welt etwas Grauenhafteres geben konnte als dieses Ding?
Es streckte sein Maul zu ihr herüber, schnupperte an ihr und machte den Anschein, beißen zu wollen. Doch schon packte jemand – oder etwas – das Tier im Nacken und schleuderte es von Libba fort.
Eine zweite mächtige Gestalt baute sich vor ihr auf. Diese war eindeutig menschlich, wenn auch vor bestialischer Kraft strotzend. Ausgiebiger konnte sie ihn nicht betrachten, denn er wandte sich dem Ungeheuer zu. Er versetzte ihm Schlag um Schlag, bis es heulend davonkroch.
Unbewegt beobachtete Libba, wie der Fremde nach vollendetem Werk auf sie zusteuerte. Er kniete sich zu ihr herunter, schob einen Arm hinter ihren Rücken, um ihr auf die Füße zu helfen. Sie war schwach und verstört und reagierte nicht im Geringsten auf seine Bemühungen.
Zu viel, hämmerte es in ihrem Kopf.
Ihr Blick blieb auf seinem Gesicht haften. So einen perfekten Mann hatte sie noch nie gesehen. Sie musste tot und im Himmel sein.

Ein dröhnender Schmerz durchzog Libbas Kopf. Ächzend drehte sie sich von einer Seite auf die andere. Sie drückte die Fingerspitzen gegen ihre Schläfen, betastete ihr Gesicht und ihre Glieder. Es überraschte sie beinahe, dass sich alles wie immer anfühlte, abgesehen von dem Brummschädel, der es ihr schwer machte, einen klaren Gedanken zu fassen.
Was für eine verrückte Vorstellung. Hatte das der Wein mit ihr angestellt?
Es dauerte einen Moment, ehe sie sich aufsetzte und blinzelnd ihre Umgebung wahrzunehmen versuchte. Sie lag in einem Bett, jedoch nicht in ihrem eigenen, stellte sie erschrocken fest, und sofort begann ihr Puls, wie verrückt zu schlagen.
Auf einer Kommode ihr gegenüber standen mehrere brennende Kerzen aufgereiht. Deren Schein erleuchtete den Raum lediglich schwach. Das vermittelte Libba zumindest die Ahnung, dass es noch Abend sein musste. Allzu lange konnte sie nicht geschlafen haben. Oder doch?
Die Erinnerung an die letzten Ereignisse war zu verschwommen und so unrealistisch, dass sie glaubte, den Verstand zu verlieren.
Sie wusste, dass sie den Club in der River Street aufgesucht hatte, aus dem Innenbereich gestürmt und durch einen dunklen Flur gegangen war. Damian Black hatte sie nicht gefunden. Dafür war sie auf ein ganz anderes Ungeheuer gestoßen. Zumindest glaubte sie, entgegen aller Vernunft, einem solchen begegnet zu sein. Das genaue Bild des Wesens – halb Mensch, halb Tier – war nicht mehr als ein Schatten in ihrem Geist. Und dann dieser andere Mann, der sie beschützt hatte. Er war so schön, so engelsgleich, gewesen.
Langsam schob Libba ihre bleischweren Glieder unter der Decke hervor. Abgesehen von dem Jackett mit der Spitzenschleppe steckte sie noch in ihrer Kleidung. Dieser Umstand beruhigte sie. Sie glitt über die Bettkante und stellte sich geräuschlos auf die Füße.
Von allein war sie sicher nicht an diesem fremden Ort gelandet. Jemand musste sie hergebracht haben, und dieser Jemand hielt sich gewiss noch in ihrer Nähe auf.
Während sie durch das Zimmer schlich, lauschte sie angestrengt. Wie eine Diebin wollte sie die Umgebung heimlich auskundschaften. Schon die erste flackernde Bewegung des Kerzenscheins brachte sie aus der Fassung. Ihr entfuhr ein kurzer, schriller Schrei und ihre Hände klammerten sich wie die einer Ertrinkenden an die Oberkante der Kommode fest.
Die Gewissheit, dass sich jemand näherte und sie gleich nicht mehr alleine im Raum sein würde, schnürte ihr die Luft ab. Sie spürte, wie die Kälte von ihren Zehenspitzen aus immer weiter in ihr heraufkroch.
Dann stand er plötzlich in der Tür.
Geschmeidig bewegte er sich auf sie zu. Katzengleich, so, wie es auch der Ausdruck seiner Augen war. Sie funkelten dunkel und unergründlich. Etwas Bedrohliches lag in ihnen, doch nicht bedrohlich genug, um nicht anziehend zu wirken.
Die langen schwarzen Haare fielen ihm über die Schultern und ins Gesicht und verliehen ihm etwas Wildes. Seine Erscheinung erschrak und beeindruckte Libba gleichermaßen.
Es gab wohl keine Frau, die sich einer derart männlichen und erotischen Ausstrahlung hätte entziehen können. Mit offenem Mund starrte sie ihn an. Sie ertappte sich bei dem Gedanken, wie es sich anfühlen würde, von ihm gepackt und an seine starke Brust gedrückt zu werden. Beinahe erwartete sie, dass er genau das tat. Sie musste wirklich verrückt sein.
Er blieb vor ihr stehen und musterte sie mit einem wissenden Blick - als könne er in ihr lesen wie in einem offenen Buch.
„Du hast dich schnell erholt“, stellte er sachlich fest.
„Oh“, entfuhr es ihr, und sie ärgerte sich, dass sie kaum fähig war, sich seiner Anziehungskraft zu entziehen.
„Ähm … ja.“ Ihre Stimme hatte einen schwachen, ausdruckslosen Klang.
Erst als sie feststellte, wie der Fremde unentwegt ihr üppiges Dekolleté betrachtete, kam sie allmählich zu sich. Direkt schoss ihr Röte in die Wangen. Sie fühlte sich nackt. Das Korsett bedeckte ihren Busen nicht mehr als unbedingt notwendig. Wo war bloß dieses verfluchte Jackett?
„Wenn ich nur wüsste, wovon ich mich so schnell erholt habe“, unterbrach sie das peinliche Schweigen. Nervös durchforstete ihr Blick das Zimmer.
„Du erinnerst dich nicht?“
„Nicht genau.“ Sie musste sich zwingen, ihn nicht wie ein liebeskranker Teenager anzuhimmeln. „Da war ein Mann – nein, ein Tier … nein … ich weiß nicht genau, was es war.“ Die Situation war ihr unangenehm.
„Es hat mich angegriffen. Ich glaube, es wollte mich töten“, wurde ihr plötzlich bewusst. Ein eiskalter Schauder fuhr ihr über den Rücken.
„Aber du lebst.“
Er drängte sich vor, so nahe, dass sie meinte, seinen Atem auf ihrer nackten Haut zu spüren. Die feinen Härchen auf ihren Armen stellten sich auf. Ein Prickeln durchschlich ihren Busen, als sein Oberkörper in Berührung mit dem ihren kam.
„Was tun Sie da?“ Libba wunderte sich über ihre Kühnheit. Es wäre leicht gewesen, ihm zu verfallen. Ein Teil von ihr wünschte sich genau das. Trotzdem wich sie bei seinem Versuch, sie in die Halsbeuge zu küssen, zurück. Was fiel ihm ein?
„Ich habe dir das Leben gerettet. Denkst du nicht, dass ich einen kleinen Dank verdient habe?“
Libba machte einen weiteren Schritt rückwärts. Sie stieß mit dem Hinterteil gegen die Kommode und die Kerzen flackerten in ihrem Rücken. Der Fremde versperrte ihr jeden Fluchtweg. Wie eine Mauer baute sich seine eindrucksvolle Gestalt vor ihr auf.
„Was meinen Sie? Was wollen Sie von mir?“
„Du weißt genau, was ich von dir will.“
Er tat, als wären sie miteinander vertraut. Seine Hände streichelten von ihren Schultern an ihren Armen hinunter. Offensichtlich provozierte er eine Reaktion. Libba versteifte sich noch mehr, woraufhin der Druck seines Griffes sich verstärkte.
Konnte er nicht begreifen, dass sie ihm nicht so ohne Weiteres gefügig sein würde?
„Tu doch nicht so.“
Erneut näherten sich seine Lippen ihrer Halsbeuge. Er hauchte einen Kuss auf ihre sensible Haut und brachte Libba zum Erschauern.
„Du willst es. Ich weiß, dass du mich willst.“
Sicher, seine Ausstrahlung hatte etwas Übernatürliches, aber nicht genug, um sie zu benebeln. Sie wand sich unter seinen intensiven Blicken. Auf der einen Seite spielte ihre Fantasie verrückt und sie malte sich aus, wie er ihr die Kleider vom Leib riss. Andererseits fragte sie sich, wie sie an so etwas denken konnte. Ausgerechnet sie. Die junge, aufstrebende Anwältin. Vernunft war praktisch ihr zweiter Vorname. Sie wehrte sich, dass das ihre Gedanken sein sollten, niemals hätte sie vermutet, tatsächlich - von einem mächtigen Vampir - beeinflusst zu werden.
Sie musste fort.
„Ja, genau …“, stimmte sie ihrem Plan unbewusst laut zu, und animierte den Fremden, noch weiter zu gehen. Sogleich umfasste er ihre Taille. Er presste seinen Unterleib gegen ihren, sodass sie seine harte Männlichkeit spüren konnte. Keuchend schnappte sie nach Luft.
„Oh, Gott. Hören Sie auf damit.“ Sie kämpfte ihre Arme frei und begann, nach ihm zu schlagen. „Sofort aufhören. Was bilden Sie sich ein? Halten Sie mich für eine Nutte oder was?“
Knurrend hielt der Fremde sie umschlungen.

Er witterte bereits den Duft ihres Blutes, hörte es rauschen. In ihr. In seinem Kopf. Es brachte ihn halb um den Verstand.  
„Lassen Sie mich … sofort … los.“ Sie griff hinter sich nach einer der Kerzen. Ohne zu zögern, drückte sie ihm den heißen Docht auf den rechten Handrücken. Abrupt ließ er von ihr ab.
Er fühlte keinen Schmerz, lediglich Überraschung. Mit dem Daumen fuhr er über die Stelle, an der die Kerze ihn berührt hatte. Die Haut war unversehrt. Ein lächerlicher Versuch, ihn zu verletzen. Diese Frau bewies Mut.
„Verzeihen Sie.“ Er entfernte sich einige Schritte von ihr – so weit, bis er das Rauschen ihres Blutes nur noch schwach wahrnahm. „Ich hatte angenommen, Sie wären eine von denen – von den Mädchen aus dem Club. So, wie Sie aussehen.“ Natürlich hatte er gewusst, dass sie nicht dazugehörte, immerhin war er ihr gefolgt, um sie vor den Werwölfen zu beschützen.
„Na, da liegen Sie aber gründlich daneben.“ Libba rückte ihre Kleidung zurecht.
„Kann ja mal vorkommen“, sagte er lässig und zuckte mit den Schultern.
„Dann können Sie jetzt gehen. Anscheinend sind Sie ja wieder fit.“


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